von Nina Wrede

Das Fernweh ist groß, die Menschen wollen endlich wieder fremde Länder bereisen und neue Kulturen kennenlernen. Geschäftsführer von Designer Tours, Sumeet Sehgal, ist zuversichtlich, dass die Reisebranche nach den Einbrüchen der letzten zwei Jahre wieder auf die Beine kommt. Sein Unternehmen ist Kooperationspartner der ersten Stunde, dann kam der Lockdown und plötzlich war alles anders – an Fernreisen war erst einmal nicht mehr zu denken. Umso mehr freuen wir uns, jetzt wieder voneinander zu hören. 

Herr Sehgal, Sie heben sich mit Ihrem Unternehmen von der breiten Masse ab. Was unterscheidet Sie als Reiseveranstalter von anderen Reisebüros?

Grundsätzlich sollte man den kleinen, aber feinen Unterschied kennen. Letztere vermitteln nur und Reiseveranstalter sind diejenigen, die die Reisen ausarbeiten. Unser Fokus liegt auf individuell zugeschnittenen Reiseerlebnissen, selbstverständlich können wir in der Rolle eines Reisebüros aber auch Pauschalreisen nach Wunsch an die Kund*innen vermitteln.

Ihr Motto ist „Reisen designed for you“ – Was bedeutet das für Sie?

Bei uns werden Reisen nicht von der Stange gekauft und einfach weitervermittelt. Wir designen sie, maßgeschneidert je nach Wunsch mit Ihnen zusammen. Wie viele Tage möchten Sie unterwegs sein, was sind die Schwerpunkte? Natur oder Kultur? Wie sieht es kulinarisch aus? Mit dem Wissen über Ihr Reiseverhalten können wir das bestmögliche Erlebnis verwirklichen. Je mehr Sie als Kund*in mit uns reden und uns Ihre Wünsche mitteilen, desto genauer können wir beraten. 

Und Sie begleiten die Reisen dann auch?

Wir haben einen eigenen Katalog mit etwa 12 bis 15 Gruppenreisen pro Jahr, die meisten davon werden von mir persönlich begleitet. Ich habe aber auch kompetente Mitarbeiterinnen, die ihre Spezialgebiete wie die eigene Westentasche kennen und somit auch als Reiseleiterinnen eingesetzt werden. 

Ihre Reisen sind stets mit einem sozialen Aspekt verknüpft, können Sie das genauer erklären?

Sozial verantwortliches Reisen leben wir nicht nur, weil es im Trend ist. Gerade in Entwicklungsländern gilt: Wenn man bereit ist, ein kleines Stück zu geben, eröffnet sich eine ganze Welt. Seit Jahren unterstützen wir kleinere Projekte und besuchen diese auch mit unseren Reisegruppen. Als wir in unsere jetzigen Büroräume gezogen sind, haben wir unsere Gäste um Spenden gebeten. Diese kamen einem indischen Dorf zugute, in dem bei einer Arbeitsstätte für Waisenkinder ein Toilettenhaus gebaut wurde. Uns hat das gezeigt, dass man auch ohne große Projekte starten zu müssen, in kleinen, unbürokratischen Schritten viel ermöglichen kann.

Wie wirkt sich die Klimakrise zukünftig auf das Reisen aus?

Ich lebe davon, Reisen zu verkaufen und kann nicht auf einmal sagen, dass niemand mehr fliegen soll. Trotzdem ist das Thema Nachhaltigkeit für uns seit unserer Gründung präsent. Unsere Kund*innen sind ohnehin auf Kultur fokussiert, mit uns wird demnach nicht für eine Woche nach Mallorca zum Party machen geflogen. Kultur bedeutet Bildung und die braucht jede*r. Wir sorgen dafür, dass die Reisen ohne unnötige Transportwege geplant werden. Mangels sinnvoller Alternativen können wir Flüge bei Fernreisen aber nicht vermeiden. Trotzdem merke ich auch, dass Flugreisen tendenziell weniger werden. Ob die Menschen pandemiebedingt vorübergehend vorsichtiger geworden sind oder wegen der Klimakrise auf einmal entschieden haben, weniger zu fliegen, wird sich zeigen.

Inwiefern hat sich das Buchungsverhalten in der Pandemie verändert? 

Die Kund*innen suchen mehr Sicherheit, es wird zögerlicher und kurzfristiger gebucht. Viele Veranstalter sind auch kulanter geworden. Auf diversen Online-Reiseportalen wird angeboten, dass Buchende, ohne einen Grund nennen zu müssen, vier Wochen vor Reiseantritt kostenlos stornieren dürfen. Schön für die Kund*innen, aber ob die Reisebranche, besonders die Kleinveranstalter, langfristig damit klarkommen, müssen wir abwarten. Zu beobachten ist auch, dass der Inlandstourismus zugenommen hat.

Es könnte noch immer sein, dass das gebuchte Urlaubsland schon morgen nicht mehr bereisbar ist. Was empfehlen Sie? 

Das ist gesetzlich gut geregelt. Wenn eine Reisewarnung durch das auswärtige Amt vorliegt, sind wir als Veranstalter verpflichtet, alles kostenfrei zu stornieren. Bei direkten Buchungen über Internetportale muss geschaut werden, wie der Vertragspartner mit der Situation umgeht. Manche sind unter Umständen kulant, es gibt auch Fälle, wo Kund*innen die komplette Zahlung als Stornogebühr verloren haben. Daher empfehlen wir den Besuch im Reisebüro oder bei Reiseveranstaltern. 

Wohin kann man aktuell (einigermaßen) bedenkenlos mit Ihnen reisen?

Als Auslandsreisen im letzten Jahr nicht möglich waren, haben wir uns in der Gegend umgesehen und bieten nun eine Naturparkwanderung in der Schleiregion an. Die Fernreiseziele öffnen sich nach und nach und so habe ich entschieden, in kleinen Schritten, etwas kurzfristiger als sonst von uns gewohnt, Fernreisen auszuschreiben. Eine Insel-Hopping Tour zu den Azoren und ein Naturabenteuer mit einem kleinen Expeditionsschiff nach Spitzbergen sind zunächst mal Highlights, die wir im Sommer 2022 geplant haben. Wenn die Corona-Bedingungen es zulassen, möchte ich gerne die Reisen nachholen, die wir in 2020 absagen mussten. Georgien, Kroatien und die Städtereise London zu Fuß stehen ganz oben auf der Prioritätenliste.

Es muss nicht immer die Ferne sein, ein Besuch in der Schleiregion ist mindestens genauso schön! © Irina Schmidt/Adobe

Werden wir jemals wieder so reisen können wie vor der Pandemie? 

Ich denke, es wird sich eine neue Normalität entwickeln. Vorher haben 40 Menschen in einem Bus gesessen, heute liegt der Fokus auf mehr Natur und kleineren Gruppen. Die Kund*innen müssen auch akzeptieren, dass neue Konzepte, die Reisesicherheit und Qualität bieten, nicht mit Massentourismus-Preisen verglichen werden können. Ich bin in Indien geboren und aus der indischen Philosophie gefällt mir eine Metapher: Unser Leben ist vergleichbar mit einem Fluss, es gibt Stromschnellen und Hindernisse, aber es ist nie Stillstand. Wer versteht, mit Veränderung und Wechsel mitzufließen, hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen. Insofern gebe ich mein Bestes und lerne gerade, mit der neuen Normalität mitzugehen. Die Menschen werden in der Zukunft verreisen und auch, wenn die Bedingungen etwas anders werden – ich bin optimistisch, dass es wieder möglich sein wird.

Gibt es sonst noch etwas, das sie den Leser*innen mitgeben wollen?

Es gibt keinen Grund zu Panik. Folgen Sie den Schlagzeilen nicht blind. Ich habe die Lage vieler anderen Ländern in der Pandemie beobachtet und bin sehr dankbar, dass hier in Deutschland zu keinem Gesundheitssystem-Kollaps gekommen ist. Ohne politisch werden zu wollen, bin ich stolz auf unsere Politik, die uns durch diese verrückte Zeit bisher ziemlich sicher gelotst hat. Jede*r, der/die in Eigenverantwortung Hygienekonzepte befolgt, sich an die Abstands- und Maskenregeln hält, sich sogar impfen lässt, hat einen großen Beitrag dazu geleistet, unsere Freiheit als Gesellschaft zurückzugewinnen. Wirtschaftlicher Stillstand, egal ob wir von Reisebranche reden, ist keine langfristige Lösung. Wie ich vorhin sagte, wir müssen „im Fluss bleiben“.

DESIGNER TOURS GmbH & Co.KG
Flensburger Str. 40, Kappeln
Tel. 04642 / 925750
www.designer-tours.de 

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