Wir können frei entscheiden, wen wir als Erbe einsetzen. Doch wie können wir sicherstellen, dass unser Geld nachhaltig Gutes bewirkt? 

Frauke Poppek ist Fachanwältin für Erbrecht, Rechtsanwältin und Notarin.

Als Rechtsanwältin und Notarin auf Erbrecht und Vorsorge spezialisiert: Fachanwältin für Erbrecht Frauke Poppek.

Frau Poppek, wann sollte man das Testament erstellen? 

Ich sage jedem: Überlegen Sie, wie die gesetzliche Erbfolge wäre, wenn Sie morgen sterben. Und wenn die Prüfung ergibt, dass zum Beispiel jemand aus der Verwandtschaft erben würde, zu dem man keinen guten Kontakt hat, sollte man ein Testament machen. Wir bestimmen selbst, wer unser Erbe ist, das macht nicht der Gesetzgeber. Vor allem sollte man bedenken, Ersatzregelungen vorzunehmen. Es wird häufig nicht daran gedacht, dass die Person, die eigentlich erben sollte, vorher sterben kann. Dann würde wieder die gesetzliche Erbfolge in Kraft treten. 

Sollte man bei der Testamentserstellung immer einen Anwalt oder eine Anwältin zurate ziehen? 

Es ist dringend zu empfehlen, sich rechtlich beraten zu lassen. Erfahrungen zeigen, dass circa 70 bis 80 % aller selbstverfassten Testamente zu Schwierigkeiten führen. Die allermeisten wissen, dass ein Testament eigenhändig verfasst sein muss, aber da das Erbrecht sehr komplex ist, läuft man Gefahr, durch eine falsche Formulierung, die man irgendwo abgeschrieben hat, nicht das zu erreichen, was man eigentlich erreichen möchte. 

Manche möchten ihr Haus schon zu Lebzeiten übertragen. Wie können sie sich rechtlich absichern, damit sie in dem Haus wohnen bleiben können?

Häufig überlegen Eltern, das Haus oder Grundstück schon zu Lebzeiten den Kindern zu überlassen. Das passiert aber nur gegen Absicherung in Form eines Wohnungsrechtes oder eines Nießbrauchrechtes, weil die Eltern in dem Haus wohnen bleiben wollen. Aber man sollte sich das gut überlegen, ob man zu Lebzeiten das Eigentum übertragen möchte. Es besteht dann nur noch ein Nutzungsrecht. Man kann das Haus oder Grundstück auch an eine Stiftung übertragen. Diese kann dann später mit Erlösen von Verkauf oder Vermietung des Hauses  Zwecke erfüllen, die dem Erblaser am Herzen liegen. 

Die Stiftung Naturschutz ist steuerlich begünstigt, richtig? 

Ja, gemeinnützige Organisationen sind von der Erbschaftsteuer befreit. Damit unterstützt der Gesetzgeber, sprich das Finanzamt, gesellschaftliches Engagement und das Erbe wirkt dauerhaft für die Gemeinheit. 

Annica Spieß ist zertifizierte Stiftungsmanagerin bei der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und Ansprechpartnerin für Menschen, die ihr Erbe einer Stiftung hinterlassen möchten.

Frau Spieß, in welcher Form kann man die Stiftung Naturschutz finanziell unterstützen? 

Wir unterscheiden zwischen Spende, Stifterfonds und Treuhandstiftung. Eine Spende kann man zu Lebzeiten überweisen und die wird dann komplett aufgebraucht. Der Stiftungsfonds ist eine Art Sparschwein, das unter dem Dach der Stiftung Naturschutz errichtet und einem bestimmten Zweck gewidmet wird. Eine Treuhandstiftung ist eine eigene Stiftung mit eigenem Gremium, in dem sich ein/e Stifter*in engagieren kann. Allerdings ist der Verwaltungsaufwand auch höher. Sie arbeitet aus ihren Erträgen für die vorgesehenen Zwecke. Man kann außerdem über eine Zustiftung Vermögen in eine bestehende Stiftung geben. 

Wie wird das Geld verwendet?

Wir finanzieren daraus  Artenschutzprojekte für heimische Tiere und Pflanzen. Wir schaffen damit beispielsweise einen neuen Wald für die bedrohte Haselmaus, Auenlandschaften für den Otter oder kaufen  einen Acker, um ihn zur blütenbunten Wiese für Wildbienen und Insekten zu machen.

Wie sollte man das Testament gestalten, damit die Natur einen möglichst hohen Nutzen davon hat? 

Wenn man eine gemeinnützige Organisation im Testament bedenkt, würde ich immer dazu raten, das in Form eines Vermächtnisses zu tun. Das kann eine bestimmte Geldsumme sein, aber auch ein Gegenstand oder eine Immobilie. Dann ist ganz klar abgegrenzt, welcher Teil des Erbes an die Stiftung geht, ohne das die begünstigte Organisation selbst Erbin wird. Es kann sonst passieren, das die Stiftung Teil einer Erbengemeinschaft wird, diese zerstritten ist, und der Wille des Erblassers jahrelang nicht verwirklicht werden kann. 

Gibt es Richtlinien, an denen sich die Stiftung orientiert? 

Unsere Richtschnur ist unsere Satzung, die sogar im Landesnaturschutzgesetz verankert ist. Dort ist unsere Aufgabe festgelegt: Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten unserer Heimat zu sichern. Wir arbeiten daran, ein Netzwerk von Biotopen zu schaffen, damit Populationen seltener Arten nicht zu klein werden und vor dem Aussterben bewahrt werden. 

Warum ist es gut, sein Erbe einer Stiftung zukommen zu lassen? 

Stiftungen hat der Gesetzgeber so angelegt, das sie für die Ewigkeit wirken sollen. Die ältesten Stiftungen sind weit mehr als 500 Jahre alt. Alle Flächen, die die Stiftung Naturschutz erwirbt, sind mit der Zweckbindung Naturschutz belegt.Sie können also nicht einfach wieder zu Bauland oder Intensiv-Acker werden. 


Fallbeispiele aus der Praxis

Wer mit seinem Eigentum Gutes tun will, möchte auch nach seinem Ableben sicher sein, das es in guten Händen liegt. Wie dafür der Weg über eine Stiftung aussehen kann, wird im Folgenden verdeutlicht. 

Beispiel 1: Wir haben ein Haus und die Kinder wohnen weit weg. Um das Haus will sich nach unserem Tod niemand kümmern, das wissen wir. Die Kinder werden wir mit unserem Bankvermögen auszahlen. Wir möchten, dass das Haus nach unserem Tod geräumt und verkauft wird und der Erlös einem gemeinnützigen Zweck zugute kommt. Dies möchten wir schon zu Lebzeiten regeln. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn wir bis zu unserem Tod oder bis wir ins Heim müssen, noch in dem Haus leben möchten?
„In diesem Fall wäre zuerst die Frage, ob das Bankvermögen ausreicht, um die Pflichtteilsansprüche der Kinder abzudecken. „Rechtlich gesehen wäre es ohne weiteres möglich, dass hier ein Testament gemacht wird und das Haus nach dem Tod des Längstlebenden an die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein geht“, erklärt Rechtsanwältin Frauke Poppek. Man müsste dem Testament allerdings ein Wohnungs- oder Nießbrauchrecht hinzufügen, damit das Ehepaar unentgeltlich und lebenslang in dem Haus wohnen kann. Die Möglichkeiten, eine Immobilie zu vererben sind vielfältig und komplex. Hier sollte man sich in jedem Fall von einem Anwalt oder einer Notarin beraten lassen. Selbstverständlich kümmert sich die Stiftung im Todesfall dann um die Räumung und den Verkauf der Immobilie.

Beispiel 2: Wir haben unser großes Haus schon verkauft und sind in eine kleine Eigentumswohnung gezogen. Kinder haben wir keine. Nun möchten wir einen Teil des Verkaufserlöses für gemeinnützige Zwecke spenden. Sollten wir das jetzt schon tun oder die Organisation erst in unserem Testament bedenken? Wir wissen ja nicht, ob wir noch in ein teures Pflegeheim müssen.

Natürlich steht die finanzielle Absicherung des Lebensabends an erster Stelle. Es sollte  genug Geld zurückbehalten werden, um auch ein Pflegeheim finanzieren zu können. Wenn dann noch freie Mittel vorhanden sind, hilft ein Gespräch mit der gemeinnützigen Organisation, um auszuloten, was das Beste für beide Seiten ist. Steuerlich kann es von Vorteil sein, eine Schenkung zu Lebzeiten auf mehre Jahre zu strecken, oder es besteht der Wunsch sich namentlich mit einem Stiftungsfonds zu verewigen. Natürlich kann die Stiftung dann trotzdem noch als Erbin eingesetzt werden und das vermachte Geld in den eigenen Stiftungsfonds fließen. 

„Eine flexible Zwischenlösung, die gemeinnütziges Handeln und sichere Vorsorge für den eigenen Lebensabend in einem vereint, kann auch ein Stifterdarlehen sein. Hierbei gibt der oder die Stifter*in einer gemeinnützigen Stiftung ein zinsloses Darlehen, dessen Erträge für den guten Zweck verwendet werden. Wird die Einlage aus unvorhergesehenen Gründen doch noch von dem Stifter oder der Stifterin benötigt, so zahlt die Stiftung die Einlage zurück“, erläutert Annica Spieß. 

Beispiel 3: Meine Frau hat einen Sohn aus erster Ehe mit in unsere Familie gebracht. Leider verstehe ich mich nicht gut mit ihm. In einem Gespräch wurde deutlich, dass er unser Land verkaufen würde, sobald meine Frau und ich verstorben sind – auch die große Wiese mit den Obstbäumen. Er meinte, dass das Land wertvolles Bauland sei und die Wiese daher eine „Verschwendung“. Wie kann ich sicherstellen, dass mein Stiefsohn die Wiese mit den Obstbäumen nach meinem Ableben nicht bekommt?

„Dieser Mann sollte seine Frau nicht zur Alleinerbin einsetzen“, erläutert Notarin Frauke Poppeck. Denn wenn er vor seiner Ehefrau stirbt, beerbt sie ihn. Wenn später  auch die Frau stirbt, hat der Sohn auf jeden Fall Ansprüche, würde die Obstwiese bekommen und könnte sie doch als Bauland verkaufen. Es gibt verschiedene Wege, diese Situation zu umgehen. Seine Ehefrau könnte zum Beispiel Erbin werden, aber die Obstwiese vermacht er der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, damit sie nicht in das Eigentum der Ehefrau fällt. Dann erhält der Sohn die Wiese auch dann nicht, wenn die Ehefrau stirbt.

Stiftungsmanagerin Annica Spieß ergänzt: „Gut ist aber immer, mit der gemeinnützigen Organisation, die bedacht werden soll, den Kontakt zu suchen, damit klar geregelt wird, welche Wünsche der Erblasser zum Erhalt der Obstwiese hat – zum Beispiel wie viele Bäume dort stehen sollen – und ob die Organisation das auch erfüllen kann.“