Vernarrt in die See

Vor vier Jahren übernahm Christian Aschinger das Ruder des Traditionsseglers Albin Köbis – von April bis Oktober besegelt er gemeinsam mit Partnerin Ela Steinke und abenteuerlustigen Gästen die Ostsee.

Zehn Kojen, eine Crew, ein Schiff: Ganz gleich, ob Gruppenreise oder Solo-Abenteuer – Vorkenntnisse im Segeln braucht auf der Albin Köbis niemand. Mit Feuereifer und flotten Sprüchen hält Christian seine Gäste auf Kurs. Menschen, die sich vorher nie begegnet sind, werden auf den Törns zu einer eingeschworenen Crew, verrät er uns.

Wie gesegelt wird, weiß nur das Wetter

Die Albin Köbis liegt im Museumshafen in Flensburg. Zumeist von dort aus sticht sie während der Sommermonate in See. Insbesondere die dänische Südsee ist Teil der Törns und eines der besten Segelgebiete der Welt, so Christian. Mal eben ankern und in die Ostsee hüpfen, neue Häfen erkunden, über Inseln wandern und abends durch den Hafen spazieren – so oder so ähnlich lässt sich die Seefahrerromantik auf der Köbis beschreiben. „Wenn die Gäste über die Reling geklettert sind, haben sie das Wichtigste schon mal geschafft. Wenn alle an Bord sind, stellen wir uns vor und anschließend gibt es eine Sicherheitseinweisung und die Kojenverteilung. Dann setzt man sich zusammen und findet heraus, was man essen möchte. Als Nächstes geht’s danach, was der Wind sagt.“ Start- und Zielhafen sind bekannt. Auf welche Weise die Albin Köbis dorthin kommt, ist ein Zusammenspiel zwischen Wetter, Schiff und Crew.

Hand in Hand zum Nächsten Hafen

Klar ist: Hier wird niemand von A nach B geschippert, sondern jede*r packt mit an. „Alles braucht ’ne Hand und ’nen Fuß, damit es funktioniert. Vom Segel bis zum Waschbecken.“ Wichtig ist Christian, so zu fahren, dass es allen Spaß macht: „Wenn ich grinsend hinten stehe und irgendwelche Lieder schmettere, aber sich vorne alle festhalten und weiße Knöchel haben, hat da ja auch niemand Freunde dran.“ In erster Linie geht es darum, dass die Gäste einen Einblick in die Bedienung eines Gaffelseglers erhalten. Ein bisschen Entspannung muss natürlich auch sein.

Ein Schiff mit Geschichte

Seit drei Jahrzehnten durchkreuzt die Albin Köbis die Ostsee. Die Geschichte des Schiffes reicht allerdings zurück bis ins Jahr 1948, als man es unter dem Namen Karl Krull auf der Schiffswerft Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern als Fischkutter erbaute. Mitte der 70er-Jahre wurden zwei ausgemusterte Kutter in der DDR gekauft und als Köbis und Reichpietsch in die BRD überführt, um sie für politische Aktionen und Jugendfreizeit mit der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) einzusetzen. Die Köbis nahm an einigen Friedensaktionen teil, darunter die Besetzung der U-Boote, die HDW für das Pinochet-Regime in Chile baute. Später wurde das Schiff immer weniger genutzt und verfiel. Um 1982 begannen vier Freunde, den Kutter gemeinsam mit der SDAJ zu einem Traditionssegler umzubauen. „Fasziniert von den schönen Rumpflinien, die auf einen guten Segler hinwiesen, lernten wir alles durch Fragen, Lesen, Abgucken und Museumsbesuche. Wir entkernten das Schiff, entfernten die alte Maschine, rissen das Ruderhaus ab, erneuerten das Deck und brachten elf Tonnen Ballast ein“, berichtet Werner Wrag, damaliger Eigner der Köbis.

„Jedes Schiff hat einen Liebling. Es ist nur die Frage, ob sie sich schon gefunden haben.“

Eine Entscheidung für das Meer

Christian ist der dritte Eigner der Albin Köbis. Viele Jahre fuhr er selbst als Bootsmann auf dem Schiff mit, wodurch die Köbis in vertrauten Händen blieb. „Als Ela mich kennenlernte, war ich auf anderen Schiffen unterwegs. Schnell war klar, dass man mich nur mit Schiff bekommt. Dann ergab sich die Chance, die Köbis zu übernehmen, und die Entscheidung fiel rasch.“ Ela, Christian und die Köbis wuchsen durch die ständige Arbeit am Schiff immer enger zusammen. „Wir nennen die Köbis liebevoll unser Holzkind. Was wir an Energie hineinstecken, bleibt. Es ist ein Deal: Ich streichele dich ein halbes Jahr und dafür trägst du mich ein halbes Jahr. Jedes Schiff hat einen Liebling. Es ist nur die Frage, ob sie sich schon gefunden haben“, so Christian.

Lust auf Mee(h)r? Weitere Informationen zur Geschichte der Albin Köbis, Impressionen und den aktuellen Törnplan finden Sie hier: www.albinkoebis.de

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