Wie entsteht eigentlich eine Sammlung? Wer entscheidet, was gesammelt wird? Wie werden die Arbeiten bewahrt und vermittelt? Und welche Werke würden die Besucher*innen sammeln? Mit POSTER UND PAPIERKRAM. EIN GLOSSAR DES SAMMELNS blickt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) neugierig und selbstkritisch zurück auf 150 Jahre Sammeln und Ausstellen.

Megi Zumstein (*1973), Claudio Barandun (*1979), Eigenwerbung v. Hi Visuelle Gestaltung, Luzern, 2011, Offsetdruck

Am Beispiel der Sammlung Grafik und Plakat lädt die Ausstellung die Besucher*innen ein, spielerisch stöbernd einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Entlang von Schlag­wör­tern wie „Auswahl“, „Budget“, „Commons“ oder „Leihverkehr“ verbin­det sie Histori­sches mit zeitgenössi­schen Fragen und macht die Menschen, Wünsche, Umstände und Praktiken greifbar, die diese Sammlung prägen: Vom Museumsgrün­der Justus Brinckmann (1843–1915) bis zu zeitgenössischen Gestalter*in­nen und Kritiker*innen, vom Ankauf über die Inventarisierung und Präsen­tation bis zur Restaurie­rung.

Rund 160 herausragende Arbeiten füllen die Schlagwörter mit Leben, gestaltet u.a. Jules Cheret, HAP Grieshaber, den Guerilla Girls, Jenny Holzer, Barbara Kruger, Claude Kuhn, Jan Lenica, Ebba Tesdorpf, Henri de Toulouse-Lautrec, Kurt Weidemann, Martin Woodli, Tadanori Yakoo und Megi Zumstein. Ergänzt werden sie durch Video-Interviews, Foto­grafien, Fundstücke und Archivalien. Zu sehen sind Filmplakate, Beispiele aus der Jugendstil-Sammlung, Werbegrafiken, politische Grafik und Protest­plakate, Schätze des japanischen Grafik-Design, Künstler*innen­plakate, feministische Positionen und Blätter aus den Anfängen der Sammlung wie etwa so genannte Hamburgensien.

Verknüpft mit diesen Arbeiten sind Texttafeln, die zusammen ein „Glossar des Sammelns“ bilden, in dem – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – As­pekte der Arbeit mit und an der Sammlung thematisiert und zur Diskussion gestellt werden. So sind die Besucher*innen eingeladen, selbst eine Aus­wahl zu treffen: Welche der präsentierten Plakate finden sie „sammlungs­würdig?“ Welche nicht? Und warum? Was würden sie gerne in der Samm­lung bewahrt wissen?


Mit POSTER UND PAPIERKRAM.
EIN GLOSSAR DES SAMMELNS
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, bis zum 6. März 2022

Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr / Do 10–21 Uhr
Eintritt: 12 €, ermäßigt 8 €, Donnerstag ab 17 Uhr 8 €, unter 18 Jahren frei

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