von Heiko Buhr

Mit einem neuen Kooperations-Projekt der Stiftung Eiderstedter Natur und der Eiderstedter Jägerschaft soll der Schutz von Wiesenvögeln und Bodenbrütern verbessert werden.


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Viele Beutegreifer sind der Brutvögel Tod. Hier setzt das Schutzkonzept an.

Natura 2000

Die EU baut seit 1992 ein europäisches Schutzgebietsnetz Natura 2000 auf. Das Ziel ist dabei, die Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Gebiete zu nennen, zu erhalten und zu entwickeln, in denen typische Arten und Lebensräume von Pflanzen und Tieren von europaweiter Bedeutung vorkommen. Mit rund 27.000 Schutzgebieten auf 17,5 Prozent der Landfläche der EU ist Natura 2000 das größte grenzüberschreitende, koordinierte Schutzgebietsnetz weltweit. Es leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt in der EU. In Deutschland gibt es insgesamt über 4.500 FFH-Gebiete und über 740 Vogelschutzgebiete, die sich zum Teil überschneiden. Insgesamt sind 15,5 Prozent der deutschen Landfläche durch Natura 2000-Schutzgebiete abgedeckt.

Auf Eiderstedt wurde im Jahr 2002  beabsichtigt, im Rahmen von Natura 2000 ein EU-Vogelschutzgebiet in einer Größe von 24.648 ha auszuweisen. Nach großem Widerstand seitens verschiedener Interessengruppen konnte am 29. Mai 2009 schließlich ein Gebiet in einer Größe von 6.704 ha als Fauna-Flora-Habitat (FFH) auf Eiderstedt ausgewiesen werden.

Verstärkte Hilfe gegen Beutejäger

Die Entwicklung der Bestände von Wiesenvögeln und Bodenbrütern im Europäischen Vogelschutzgebiet/Natura 2000 Gebiet Eiderstedt ist nun allerdings hinter den Erwartungen zurückgeblieben, denn die Bestände von Kiebitz und Co. haben sich leider nicht wie erwartet erholt. Als wesentliche Ursache wird der anhaltende Prädationsdruck angesehen, also der Beutedruck von Füchsen, Marderhunden und anderen Beutejägern. Insbesondere bei Uferschnepfen und Kiebitzen ist ein erheblicher Gelege- und Kückenverlust zu verzeichnen.

Das in diesem Jahr gestartete neue Kooperations-Projekt der Stiftung Eiderstedter Natur und der Eiderstedter Jägerschaft arbeitet deshalb in den kommenden vier Jahren daran, den Schutz für Wiesenvögel und Bodenbrüter noch einmal zu verstärken. Dieses ist ein Pilotprojekt für Schleswig-Holstein und hat es so hier im Land noch nicht gegeben.

„Hand in Hand für den Artenschutz“

So lautet das Motto des vom Land Schleswig-Holstein mit rund 600.000 Euro geförderten Gemeinschaftsprojekts. Erklärtes ambitioniertes Ziel ist es, durch ausgefeilte Maßnahmen des Jagd- und Naturschutzes die Lebens-, Brut-, und Überlebensbedingungen von Uferschnepfe, Kiebitz, Austernfischer und Rotschenkel – allesamt im nördlichsten Bundesland selten gewordene Arten – zu optimieren.

Neue Maßnahmen zum Vogelschutz

Das neue Projekt „Artenschutzmaßnahmen zum Wiesenvogel- und Bodenbrüterschutz auf Eiderstedt“ will mit einem maßgeschneiderten Vorhaben die Feinde der bedrohten Vögel ausbremsen. Deshalb sieht der gerade angepasste Managementplan des Vogelschutzgebietes jagdliche und nichtjagdliche Maßnahmen zur Erhöhung des Reproduktionserfolges , also den besseren Schutz von Uferschnepfen und Kiebitzen vor ihren Beutejägern, vor. In einem ersten Schritt wird aktuell noch bis Juni der Ist-Zustand bei Wiesenvögeln und Bodenbrütern erfasst (Nullkartierung der Vogelpopulationen sowie der Gelege). Im zweiten Schritt geht es dann darum, Fallen für die Vogelreduzierer, also Füchse, Steinmarder oder Marderhunde, aufzustellen und künstliche Fuchsbaue zu installieren, um vor allem Füchse und Marderhunde gezielter bejagen zu können.

Zwar haben sich Uferschnepfe & Co. in den vergangenen Jahren immer wieder zur Familiengründung auf Eiderstedt niedergelassen.Aber ihre Fressfeinde dezimieren sie und ihre Brut überproportional.

Eingriff in die Natur

Es wird als weitere Maßnahme auch erwogen, sogenannte Störkulissen wie Schilf, Büsche und Bäume zu entfernen, weil sie Füchsen und Steinmardern Versteckmöglichkeiten und Beutegreifern wie Turmfalken oder Bussarden einen komfortablen Beute-Ausguck bieten. Ziel aller Maßnahmen-Schritte ist es, die Population der Bodenbeutegreifer auf einem für die Brut der Wiesenvögel erträglichen Niveau zu halten. Insgesamt sind 264 ehrenamtliche Jäger:innen im Projekt involviert. Während der vierjährigen Laufzeit bis zum Jahr 2026 werden zudem die Brut- und Aufzuchterfolge in einem Monitoring engmaschig erhoben, von Seiten der Jäger:innen werden die Strecken ermittelt. Auch werden die Bauten der Beutegreifer kartiert und die Zahl der Nachkommen (Geheckgrößen) dokumentiert. Gerade bei der invasiven Art der Marderhunde sind Geheckgrößen von zwölf und mehr keine Seltenheit, was zusammen mit dem Fehlen jedes Feindes eine explosionsartige Ausbreitung auf Eiderstedt ermöglicht – und letztlich zum Verschwinden einzelner heimischer Vogelarten führen könnte.

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