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Im Bild: Jonah Mielke, Annika Thode und Monique Glüsing kümmern sich derzeit um die ausgesetzten Kaninchen, die bei Emkendorf und an weiteren Orten in der Umgebung gefunden wurden.

Bei Emkendorf sind zahlreiche zahme Zwergkaninchen ausgesetzt worden. Einige Tiere sind verletzt, viele Weibchen offenbar tragend. Monique Glüsing und ihr Umfeld haben gehandelt, als niemand so recht wusste, wohin mit den Tieren. Jetzt werden Hinweise gesucht. Am Ende erfährst du, wer die Tiere adoptieren darf und an wen du dich wenden kannst.

Eigentlich begann alles mit einer Frage, die man auf einem Hof mit Pferden und Hunden nicht unbedingt erwartet: „Sind Ihnen Zwergkaninchen ausgebüxt?“ Eine Frau war auf den Hof von Monique Glüsing gekommen und berichtete, dass draußen an der Straße mehrere zahme Kaninchen herumlaufen würden. „Wir haben nur Pferde und Hunde“, erinnert sich Glüsing an ihre erste Reaktion.

Kurz darauf zog sie mit Transportkorb und Unterstützung los. 12 Kaninchen konnten eingefangen werden, ein weiteres wurde von Jonah gesichert. Ein Tier blieb verschwunden. Schnell wurde klar: Das waren keine Wildtiere, sondern zutrauliche, domestizierte Zwergkaninchen. Und es waren offenbar nicht die einzigen.

Erst 13 Tiere, dann immer mehr

Was zunächst wie ein einzelner Fund wirkte, bekam schnell größere Dimensionen. Als Glüsing im Tierheim anrief, kam die nächste Überraschung: Die Kapazitäten seien erschöpft. Kurz zuvor seien bereits weitere ausgesetzte Kaninchen aus der Region aufgenommen worden. Auch beim Amt Nortorfer Land war der Fall bereits Thema. Nach Angaben aus dem Gespräch wurden an weiteren Orten, unter anderem im Bereich Blocksdorf/Waader, ebenfalls Kaninchen gefunden und gesichert.

Auf dem Hof von Monique Glüsing wurden kurzfristig Ställe und Wurfboxen eingerichtet, damit die geretteten Kaninchen sicher untergebracht und versorgt werden können.

Am Ende kamen zu den 13 Tieren auf Glüsings Hof weitere 16 Kaninchen hinzu. Inzwischen leben dort 31 Tiere, darunter bereits zwei Jungtiere. Und es könnten bald deutlich mehr werden: Laut Glüsing sind rund 20 Weibchen tragend. Da Kaninchen nur etwa 30 bis 33 Tage tragen und pro Wurf mehrere Jungtiere bekommen können, ist die Situation alles andere als überschaubar.

„Dann ist hier richtig was los“, sagt Glüsing. Schon jetzt mussten Offenställe gebaut, Wurfboxen eingerichtet und Gehege erweitert werden. Weitere Ausbauten könnten folgen.

Verletzte Tiere, tragende Weibchen und viel Verantwortung

Für ausgesetzte Tiere wirken viele Kaninchen äußerlich erstaunlich stabil. Doch ganz unversehrt sind sie nicht. Einige hatten verklebte Pfoten, ein Tier hat ein schwer geschädigtes Auge und wird darauf wohl blind bleiben. Ein anderes Kaninchen hat ein eingerissenes Ohr. Solche Verletzungen werfen Fragen auf: Unter welchen Bedingungen haben diese Tiere vorher gelebt? Und warum wurden sie schließlich einfach in der Natur zurückgelassen?

An dieser Stelle wurden die ersten zahmen Kaninchen entdeckt. Für die ausgesetzten Tiere hätte ein Überleben in freier Natur kaum Chancen gehabt.

Für Glüsing ist klar: Die Kaninchen hätten draußen kaum eine Chance gehabt. Viele sind hell gefärbt und damit für Fressfeinde leicht sichtbar. Sie sind an Menschen gewöhnt, an Futterversorgung angepasst und nicht darauf vorbereitet, sich in Wald und Feld selbst durchzuschlagen. Hinzu kommt: Werden Kaninchen plötzlich von gewohntem Futter auf frisches Grün umgestellt, kann das für ihren empfindlichen Verdauungstrakt gefährlich werden.

„Wenn man weiß, dass sie da draußen sterben würden, kann man sie nicht einfach zurücklassen“, sagt Glüsing sinngemäß. Wer täglich mit Tieren arbeitet, entscheidet in solchen Momenten offenbar nicht lange. Glüsing betreibt Equi Vitas, ein Angebot rund um ganzheitliche Pferdegesundheit. Tiere gehören zu ihrem Alltag. Doch diese Rettungsaktion sprengt den normalen Rahmen.

Amt, Tierarzt, Kastrationen: Wie geht es weiter?

Das Amt Nortorfer Land ist eingeschaltet. Nach Angaben von Glüsing war auch die Tierschutzbeauftragte vor Ort, um sich die Unterbringung anzusehen. Die eigens gebauten Wurfboxen für tragende Weibchen seien positiv aufgenommen worden. Die Kosten für notwendiges Baumaterial und Tierarztbehandlungen sollen nach Glüsings Angaben über das Amt laufen beziehungsweise direkt abgerechnet werden.

Die männlichen Tiere sollen kastriert werden, um eine weitere Vermehrung zu verhindern. Bei den Weibchen ist die Situation schwieriger: Eine Kastration ist deutlich aufwendiger und erheblich teurer. Gleichzeitig müssen die tragenden Weibchen geschützt untergebracht werden, damit sie in Ruhe werfen können. Denn in Gruppenhaltung kann es bei trächtigen Tieren zu Stress, zerstörten Nestern oder sogar getöteten Jungtieren kommen.

Die Jungtiere müssen nach der Geburt zunächst bei den Muttertieren bleiben. Eine Vermittlung ist frühestens nach mehreren Wochen möglich, idealerweise später, wenn die Tiere stabil, gesund und gut entwickelt sind.

Die Kaninchen wurden an verschiedenen Orten in der Umgebung gefunden. Die Behörden hoffen nun auf Hinweise, woher die Tiere stammen könnten.

Wer helfen will, braucht Platz und Verantwortung

Schon jetzt gibt es erste Anfragen von Menschen, die Kaninchen aufnehmen möchten. Doch eine Vermittlung ist kein „Ach, die sind ja süß“-Moment. Kaninchen brauchen Platz, Gesellschaft und artgerechte Haltung. Einzelhaltung kommt nicht infrage. Für zwei Tiere werden mindestens rund sechs Quadratmeter Fläche benötigt, bei weiteren Tieren entsprechend mehr. Interessierte müssen also nachweisen können, dass sie die Tiere langfristig gut unterbringen können.

Glüsing und ihr Umfeld kümmern sich aktuell nicht nur um Futter, Pflege, Reinigung und Unterbringung, sondern auch um die spätere Vermittlung. Ein Kraftakt, der Zeit, Geld, Nerven und viel Organisation verlangt.

Verdacht: Hat jemand regelmäßig Kaninchen ausgesetzt?

Besonders brisant ist der Verdacht, dass es sich nicht um einen einmaligen Vorfall handelt. Nach Angaben aus dem Gespräch könnten die Tiere aus einer größeren Haltung stammen. Viele sähen ähnlich aus, verstünden sich auffällig gut miteinander und könnten aus demselben Bestand kommen. Zudem steht im Raum, dass bereits im Vorjahr zahlreiche ähnliche Kaninchen ausgesetzt worden sein könnten.

Die Vermutung: Jemand könnte mit der Vermehrung der Tiere überfordert sein und überschüssige Kaninchen an verschiedenen Orten aussetzen. Ob es sich um eine private Haltung, eine Zucht oder eine andere Form der Tierhaltung handelt, ist offen. Genau das sollen nun Hinweise klären.

Klar ist: Tiere einfach auszusetzen, ist kein Kavaliersdelikt. Es handelt sich mindestens um einen schwerwiegenden Verstoß gegen den Tierschutz. Je nach Umständen kann daraus auch der Verdacht auf eine Straftat wegen Tierquälerei entstehen.

Die zuständigen Behörden und Monique Glüsing sind deshalb dankbar für sachdienliche Hinweise. Wer beobachtet hat, dass im Raum Emkendorf, Waader, Blocksdorf oder Umgebung Kaninchen ausgesetzt wurden, wer auffällige Transporte bemerkt hat oder weiß, wo plötzlich eine größere Zahl Kaninchen verschwunden ist, sollte sich beim Amt Nortorfer Land oder bei den zuständigen Tierschutzbehörden melden.

Gleichzeitig sucht Glüsing perspektivisch verantwortungsvolle Menschen, die Kaninchen aufnehmen möchten. Eine Vermittlung ist allerdings erst möglich, wenn die Tiere tierärztlich versorgt, die Böcke kastriert, die tragenden Weibchen nicht mehr trächtig und die Jungtiere alt genug für eine Abgabe sind. Wer sich für eine Adoption interessiert, muss außerdem eine artgerechte Haltung ermöglichen: Kaninchen brauchen mindestens ein Partnertier, ausreichend Platz, Schutz und langfristige Versorgung. Hier geht es zu den Kontaktdaten und Informationen auf der Website von Equi Vitas sowie auf Social Media!

Denn so niedlich diese Tiere aussehen: Hinter dem Fall steckt keine rührende Tiergeschichte, sondern ein mutmaßlicher Tierschutzskandal. Jetzt geht es darum, die Herkunft der Kaninchen zu klären — und für die geretteten Tiere ein sicheres, gutes Zuhause zu finden.

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