Alles in Balance

von Nicole Groth

Nachhaltig zu leben und zu wirtschaften, ist für Sabine Schwarten eine Herzensangelegenheit – mehr noch, für die Fischwirtschaftsmeisterin ist es eine essentielle Lebensgrundlage. Seit 40 Jahren arbeitet sie mit dieser Einstellung, um das Leben lebenswert zu erhalten – für Mensch, Tier und Natur.

Liebe zum Beruf

Wer mit der Eutinerin spricht, merkt sofort: Sie liebt und lebt ihren Beruf. Der Respekt vor der Natur wird dabei in jedem ihrer Worte deutlich. Eine Haltung, die schon seit eh und je in der Familie Schwarten stark verankert ist. Denn so lange die Fischwirtschaftsmeisterin denken kann, arbeitet sie im Einklang mit der Natur. Eine intakte Umwelt für die Zukunft zu erhalten, ist ihr an jedem Arbeitstag ein besonderes Anliegen.

Ausgewogenheit im See

Rund 430 Hektar Wasserfläche, verteilt auf mehrere Seen in der Holsteinischen Schweiz, werden von Sabine Schwarten bewirtschaftet. Hinzu kommen noch einmal rund 230 Hektar, auf denen sie zusammen mit ihrem Cousin Helmut fischt. Alles im Blick zu haben, auf Unregelmäßigkeiten zu achten und die Natur in Balance zu halten – das sind ihre Aufgaben. Beim Fischen macht sie dabei keine Ausnahme. „Ich schaue ganz genau hin, was da in meinem Netz gelandet ist und was lieber wieder ins Wasser zurück sollte“, erzählt sie.
Denn Sabine Schwarten passt auf, dass in ihren Seen Ausgewogenheit herrscht. So muss sie auf ein klares Verhältnis von Raub- zu Friedfischen achten und noch während des Fangs bestimmte Arten wieder aus dem Netz lassen; auch, um den Tieren die Chance zur Fortpflanzung zu geben. Zu kleine Fische werden direkt zurückgeführt. Doch auch bei den großen Exemplaren wird noch einmal genauer hingeschaut. „Die Fische müssen mindestens dreimal abgelaicht haben. Vorher hole ich sie nicht aus dem Wasser.“ Und so lässt sie stets genügend Elterntiere wieder ins kühle Nass abtauchen.

Zum Wohle der Tiere

Wirklich raus aus dem Wasser sind die Tiere auch während des Fangens nicht. Sabine Schwarten setzt auf eine äußerst schonende Methode. Dafür bedient sie sich eines mehr als 500 Meter langen Zugnetzes, an dessen Ende ein 30 Meter langer Sack hängt. Langsam und behutsam wir das Netz eingeholt. Die Fische werden mitgezogen und schwimmen doch gleichzeitig noch frei weiter. Der Druck des Fangmaterials und ein hektisches Treiben durch schnelles Einholen entfallen für die Tiere. „Für die Fische ist diese Methode wirklich stressfrei“, sagt die Eutinerin. Noch im Wasser selbst werden sie dann mit einem Kescher gefangen und zwar ohne dabei trocken gelegt zu werden. Eine Behandlungsart, die den Respekt der Fischmeisterin gegenüber den Tieren verdeutlicht. Denn Nachhaltigkeit bedeutet für Sabine Schwarten nicht nur, die natürliche Balance zu halten, sondern auch auf das Wohl der schuppigen Lebewesen zu achten.

Ruhezonen für die Fische

Das heißt ebenfalls, den Lebensraum der Fische zu erhalten – denn auch das ist eine Aufgabe nachhaltiger Seenbewirtschaftung. Die Tiere brauchen Rückzugsorte, an denen sie sich erholen und vor allem fortpflanzen können. So fischt Sabine Schwarten längst nicht die gesamte Fläche ihres Reviers ab. Teile, besetzt von Unterwasserpflanzen, bieten vor allem Jungtieren einen gewissen Schutz, der ihnen ein gefahrenarmes Heranwachsen ermöglicht. Um die Vielfalt zu wahren, macht die Fischwirtschaftsmeisterin um diese Flächen einen großen Bogen.

Klare Arbeitseinstellung

Mitten drin statt weit davon entfernt ist die Fischwirtschaftsmeisterin eindeutig im Thema Nachhaltigkeit. Denn für sie ist diese Art der Vorgehensweise selbstverständlich. „Verhalte ich mich nicht nachhaltig, zerstöre ich meine Lebensgrundlage“, so die Eutinerin und bringt damit ihre Arbeitseinstellung und die ihrer Fischerkolleg*innen im Land auf den Punkt. Seenfischer*innen behalten ihre Reviere und den Bestand im Blick, greifen ein, wo ihr Einsatz nötig ist und schützen die Tiere, die es brauchen. Und so wird auch nur die Fangmenge aus den Seen geholt, die nötig, aber vor allem auch nur möglich ist – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

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Unter diesem gemeinsamen Dach informiert die heimische Fischerei über ihre Themen: Von der Krabben- bis zur Binnenfischerei, von Aquakultur bis Angeltourismus, von den Teichwirten bis zu den Küstenfischern – das alles ist die Fischerei Schleswig-Holsteins. Vielseitig sind auch die zahlreichen Aspekte rund um die Branche: Fischer*in als Beruf, Anreize für Nachwuchsfischer*innen, Freizeitangeln als wachsender Trend, Fischerei als Kulturgut, Nachhaltigkeit in der Erzeugung – aber natürlich auch Fischgenuss und Regionalität. Ob Muscheln oder Hering, Garnelen oder Karpfen, Dorsch oder Plattfisch: Kein echter Norden ohne Fisch. Kein echter Norden ohne Fischerei.
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