Im Winter in der warmen und gemütlichen Stube zu sitzen? Das kommt für hartgesottene Angler*innen nicht in Frage. Sie trotzen lieber Wind und Kälte – alles für den großen Fang.

Die Nase und Wangen sind rot von der beißenden Kälte. Die Fleecemütze ist tief ins Gesicht gezogen, pustet doch der raue Ostseewind eiskalt um die Ohren. Doch die Augen leuchten. Denn Winterangler*innen durchströmen trotz dieser Wetterlagen Glücksgefühle. Sie sehen kein tristes Ufer, sondern die Schönheit menschenleerer Strände, eine glasklare Winterlandschaft und vor allem den großen Fang im Eimer. Und so wird die Rute ein ums andere Mal Richtung Wasser ausgeworfen in der Hoffnung auf weitere Schätze aus Neptuns Reich. 

Auf hoher See 

Winterangler*innen und alle, die es noch werden wollen, haben im Norden viele Möglichkeiten, auf Fischfang zu gehen. Mit eine der aufregendsten Varianten ist das Hochseeangeln. Mit dem Kutter geht es von Heiligenhafen, Burgstaaken und Maasholm raus aufs offene Meer. Nicht nur Profis kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Tipps und Tricks der erfahrenen Kapitäne machen die Ausfahrten auch für Familien und Angelneulinge zu einem Erlebnis, das in Erinnerung bleibt. Für Einsteiger*innen empfiehlt sich eine Allroundrute mit einem Wurfgewicht von bis zu 150 Gramm. Die Rutenlänge sollte zwischen 2,4 und 3 Metern betragen. Als Köder dienen Gummifische, Pilker oder Naturköder. Wer noch keine eigene Ausrüstung hat, kann sich diese meist an Bord leihen, um Dorsch, aber auch Plattfische wie die Scholle zu fangen. Wenn die Kälte die Freude dann doch einmal ein wenig trübt, gibt es einen warmen Aufenthaltsraum, um den steif gewordenen Gliedern eine Pause zu gönnen. 

Sein eigener Kapitän sein 

Wer sich nur auf sein eigenes Gespür für den wirklich besten Angelplatz auf See verlassen will, wird selbst zum Kapitän. Mit dem eigenen oder einem Leihboot geht es ebenfalls auf Dorschfang. Der beliebte Speisefisch steht bei vielen hoch im Kurs. Mit ein bisschen Glück landet auch eine Meerforelle im Eimer. Der Vorteil dieser Art zu fischen, ist das geringere Gewicht der Ausrüstung. Denn im Kleinboot reicht ein Wurfgewicht von 50 Gramm. 

Hochseeangeln vom Kutter aus ist für jeden – ob Profi oder Einsteigerin – ein spannendes Erlebnis.

Festen Boden unter den Füßen 

Landratten können ebenfalls die winterlichen Freuden genießen – und zwar mit festem Boden unter den Füßen. Die 535 Kilometer lange Ostseeküste bietet ausreichend Gelegenheiten, um vom Strand oder von den vielen Seebrücken aus die Rute auszuwerfen. Hier zeigt sich der Vorteil des Winterangelns wohl am deutlichsten. Denn gerade in der kalten Jahreszeit sind die Strände häufig menschenleer und so finden Hobbyangler*innen viele ruhige Plätze. Während sich Meerforelle und Plattfische vom Strand auch tagsüber fangen lassen, hat man den Dorsch erst mit Einsatz der Dämmerung am Haken. Beim Landangeln werden in der Regel Naturköder wie Wattwürmer oder Seeringelwürmer eingesetzt. Für das Brandungsangeln sind Ruten von 3,9 bis 4,5 Metern mit Wurfgewichten von bis zu 200 Gramm und großen Rollen erforderlich. 

Bewegung hält warm 

Bewegungswillige entscheiden sich für das Spinnfischen. Bei dieser Angelmethode kommen ausschließlich künstliche Köder zum Einsatz, die kleine Beutefische imitieren sollen. Die Köder müssen wie echte Fische ständig in Bewegung bleiben. Für Angler*innen bedeutet das: auswerfen, einholen, auswerfen, einholen … Wer besonders eifrig bei der Sache ist, kann auf zwei klare Vorteile setzen: einen großen Fang und einen warmen Körper als Ergebnis der erhöhten Aktivität. Für das Spinnfischen empfiehlt sich eine Rute zwischen 2,7 und 3,3 Metern mit einem Wurfgewicht von 10 bis 50 Gramm und einer 2.500 bis 4.000er Rolle. Als Köder werden schlanke Blinker oder Küstenwobbler eingesetzt.

Trotz aller Freuden über den großen Fang ist es wichtig, stets die richtige Schutzkleidung während des Angelns zu tragen.

Schützende Kleidung ist ein Muss 

Trotz aller Bewegung ist nicht zu unterschätzen, wie sehr Kälte dem Körper zusetzen kann. Eine Wathose und möglichst auch eine Watjacke gehören für Spinnfischer*innen zur Standardkleidung. Doch auch für die anderen Angelarten ist eine schützende Montur unverzichtbar. Neben der für viele Sportarten bekannten Thermounterziehkleidung gibt es noch spezielle Anzüge aus besagtem Material. Diese sind wind- und wasserabweisend sowie ausreichend gefüttert, um ein Auskühlen am Gewässer zu verhindern. Auch eine wärmende Fleecemütze und Handschuhe sind ein Muss, dann kann sich jede*r voll und ganz an seinem Hobby erfreuen.

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