von Hanna Wendler

Ein knackender Ast, seltsame Gesteinsformationen, ein Gurgeln aus dem Moor, der weit entfernte Ruf eines Vogels– der Harzer-Hexen-Stieg ist durchdrungen von Sagen, Mythen und Geschichten. Sie begleiten einen auf jedem Schritt, lugen hinter dem Baum hervor und streichen einem mit dem Wind um die Nase. 

Auf knapp 100 Kilometern durchquert der Fernwanderweg, der als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ ausgezeichnet ist, das nördlichste deutsche Mittelgebirge. Durch grüne Misch- und Nadelwälder, vorbei an felsigen Schluchten und steilen Klippen, durch jahrtausendealte Hochmoore und mittelalterlicheFachwerkstädtchen führt der Harzer-Hexen-Stieg vom niedersächsischen Osterode über den Brocken und durch das malerische Bodetal bis nach Thale in Sachsen-Anhalt. 

Sind es wirklich nur Staubkörner, die in einem Sonnenstrahl tanzen oder doch eher feinstoffliche Wesen aus Sagen und Märchen – auf dem Harzer-Hexen-Stieg ist man sich da nie so sicher…

Der Weg lässt sich in beiden Richtungen begehen. Da es unterwegs regelmäßig Orte mit Unterkünften gibt, können Wanderer die Etappenlängen nach den eigenen Bedürfnissen variieren. Vor allem in der Ferienzeit sollte man die Unterkünfte im Voraus buchen. Besonders zu empfehlen sind die kleinen, privaten Gastgeber – bei einem netten Plausch bekommen Wanderer so wunderbare Einblicke in die Erfahrungen und das Leben der Einheimischen. 

Ein ganz schöner Brocken

Egal in welche Richtung man den Harzer-Hexen-Stieg geht, der Brocken liegt immer in der Mitte. Der mit 1141 Meternhöchste Berg Norddeutschlands zog schon Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe in seinen Bann. Letzterer setzte dem höchsten Gipfel in seinem Werk „Faust“ ein dichterisches Denkmal. 

Der Harzer-Hexen-Stieg ist nicht nur abwechslungs-, sondern auch aussichtsreich.

Wer heute den Gipfel erklimmt, sieht leider auch die Auswirkungen des Borkenkäfers, der große Teile des Fichtenbestandes dahingerafft hat. Die mahnend in den Himmel ragenden toten Baumstämme verleihen dem steilen Aufstieg etwas Endzeitliches. Ist gerade kein anderer Wanderer in Sicht, könnte man gar kurz meinen, den letzten von der Naturkatastrophe verschonten Gipfel auf dem entvölkerten Planeten zu erklimmen…Aber auch das hat seinen Reiz und oben angekommen, wird man mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt. 

An manchen Stellen kommt man der Bode ganz nah und kann mit etwas Glück die erhitzten Füße kühlen.

Ganz entspannt kann man den Harzer-Hexen-Stieg z.B. in fünf Etappen erwandern:
Osterode – Buntenbock ca. 11 km
Buntenbock – Torfhaus ca. 22 km
Torfhaus – Königshütte ca. 25 km
Königshütte – Altenbrak ca. 25 km
Altenbrak – Thale ca. 15 km.

Teuflisches Meet & Greet 

Am Ende führt der Harzer-Hexen-Stieg durch das idyllische Bodetal und kurz vor dem Ziel Thale wird es dann noch einmal richtig teuflisch: Auf einem Plateau hoch über dem Bodetal befindet sich der sagenumwobene Hexentanzplatz. Kreischende Hexen, Teufel mit leuchtenden Augen und Irrlichter sollen der Sage nach hier einst sogar Karl den Großen und seine Wachen in die Flucht geschlagen haben. An diesem altsächsischen Kultort trafen sich dem Mythos nach in der Walpurgisnacht die Hexen, um gemeinsam den Teufel persönlich anzubeten. Wer diese Kultstätte nicht zu Fuß erklimmen will, kann ganz bequem mit der Bode-Seilbahn nach oben reisen – oder natürlich auf dem Besen.

Im Harz sind die Hexen zu Hause.
Notiz auf einer Bank am Brocken – man wird sich ja nochmal um entscheiden dürfen!