Wandelbares Weihnachten

von Nicole Groth

Das Lieblingsstück zum Mitnehmen: Wunderschöne Dekoration, hergestellt nach dem Vorbild aus vergangener Zeit, finden Besucher im „Historischen Laden“ innerhalb des Weihnachtshauses. (Foto: Zlatan Rasidovic)

„Früher war mehr Lametta“ – volle Empörung liegt in der Aussage Opa Hoppenstedts, als er die geschmückte Tanne betrachtet. Die Figur des meckernden Großvaters im Loriot-Fernsehsketch „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ sorgt damals wie heute für viele Lacher beim Zuschauer. Lässt man den Satz jedoch einen Moment auf sich wirken, wird klar, wie recht der alte Mann doch hat. Haben früher Hausfrauen noch vorsichtig die feinen silber- oder goldschimmernden Fäden glatt gebügelt, damit sie akkurat vom Ast hängen, findet sich diese Dekoration an den heutigen Christbäumen fast gar nicht mehr. Warum ist das so? Gilt gerade Weihnachten doch als ein Fest mit langjährigen Traditionen. Eine Antwort darauf finden Interessierte im Weihnachtshaus in Husum. Das Museum zeigt auf drei Etagen, welch starken Wandel das christliche Fest über Jahrzehnte hinweg erlebt hat. Rührender Nebeneffekt: Der Gang durch das Haus weckt beim Besucher nicht selten wunderbare Kindheitserinnerungen.

Seit knapp elf Jahren öffnet das Weihnachtshaus in Husum seine Türen für Liebhaber und Interessierte. (Foto: Zlatan Rasidovic)

Der Zauber hinter altem Gemäuer

Seit mehr als zehn Jahren öffnet das Weihnachtshaus in Husum seine Türen für Besucher. Im ersten Moment wohl ein seltsamer Anblick, vermutet man die Heimat des Weihnachtsmannes doch eher am Nordpol. Doch nicht der bärtige Alte im roten Mantel wandelt durch die Räume des gründerzeitlichen Kulturdenkmals. Stattdessen finden Besucher hinter den Backsteinmauern tausende Schätze vergangener Weihnachtsfeste, fein und säuberlich aufgereiht und hinter gläsernen Vitrinen verwahrt.

Früher von Hausfrauen gehegt und gepflegt, heute kaum noch am Christbaum zu finden: Lametta.

In Mode gekommen 

Beim Betreten treffen Gäste auf das, was Kinderaugen damals wie heute zum Strahlen bringt: Adventskalender. Zu seinen Anfängen war er jedoch nicht mit Naschereien gefüllt, sondern beherbergte hinter jedem Türchen ein kleines Bild. Die Kalender waren mitunter detailreich gestaltet wie die Exemplare im Husumer Museum zeigen. Wer weitergeht, erlebt wie ausgehend von der Biedermeierzeit (Anfang des 19. Jahrhunderts) der Weihnachtsschmuck gestaltet und weiterentwickelt wurde. Zuerst wurden Christbäume mit Früchten, Gebäck und Süßigkeiten geschmückt, später kamen Glaskugeln in Mode. Werkzeuge, ein großer, schwerer Musterkoffer, mit dem Händler umherzogen, um die Produkte zu präsentieren, und natürlich die Kugeln selbst, lassen den Besucher die mühevolle Arbeit erahnen.

Es rappelt in der Kiste

Wer bisher noch nicht in Weihnachtsstimmung gekommen ist, kann sich dem Zauber spätestens im nächsten Raum nicht mehr verwehren. Die Pracht von geschmückten Tannenbäumen erfüllt den ganzen Raum. Sie stellen deutlich den Wandel verschiedener Epochen dar – von Biedermeier über Jugendstil bis zur Nachkriegszeit. Die modische Veränderung lässt sich auch wunderbar an den „Familienkisten“ erkennen. Gerade Weihnachtsschmuck wird noch heute gerne an die Nachkommen weitergegeben. Nicht alles wird mehr genutzt, doch oft genug aufbewahrt wie in solch einer Familienkiste. So dokumentieren sie am besten die optische und thematische Veränderung der Dekorationsvorlieben. 

Früh übt sich, wer was werden will

Dass sich das christliche Fest geändert hat, zeigen jedoch nicht nur Schmuckstücke, sondern auch Weihnachtsgeschenke. „Heute bekommen Kinder immer genau das, was sie sich wünschen und noch unterm Weihnachtsbaum wird genau kontrolliert, ob das Geschenk auch exakt das Richtige ist.  Früher war Weihnachten vor allem ein Fest der Überraschungen“, sagt Alix Paulsen, Gründerin und Ausstellungsverantwortliche des Weihnachtshauses. Unterm Dach des Museums finden Besucher Spielzeug aus 150 Jahren. Die Geschenke hatten früher vor allem den Zweck, Kinder auf ihre angedachte Rolle einzustimmen. Mädchen spielten die Erziehung der Kinder an Puppen nach, Jungen bekamen Spielzeug, das sie auf den Beruf vorbereiten sollte. Doch bevor es in die Spieletage geht, geraten Museumsgänger noch im ersten Stock ins Schwärmen. Dem „Weihnachtsland“ Erzgebirge wird hier ein großer Auftritt gewährt. Noch heute sind die typischen Holzfiguren der Region bekannt und bei Sammlern beliebt. 

Zurück in die Kindheit

Vermutlich bei jedem, der durchs Weihnachtshaus geht, werden Erinnerungen an vergangene Adventstage wach. Vielleicht findet sich ein ähnliches Spielzeug, das man selbst als Kind geschenkt bekam, oder eine besondere Kugel, die Oma stets ganz oben im Tannenbaum anbrachte. Das Weihnachtshaus lebt von Erinnerungen und hält sie gleichzeitig am Leben. Dafür sorgt der Zauber von Weihnachten, aber auch Alix Paulsen. Sie und ihr Mann hatten die Idee aus dem Gebäude ein Weihnachtshaus zu machen. Mit der privaten Sammlung an historischen Stücken hat alles begonnen. Seitdem wächst sie Jahr für Jahr an. Es lohnt sich somit öfter mal vorbeizuschauen. Wer weiß, welch wunderbares Glanzstück als nächstes Einzug im Weihnachtshaus hält.