„Jedes Licht und jedes Wetter sind mir willkommen“ – Finja Schulze

Regelmäßig lädt Ulla Kock am Brink zum BeachHouse-Talk in das gleichnamige Restaurant in Westerland auf Sylt ein. So auch das Sylt Fräulein Finja Schulze. Zusammen mit Gastgeber Jan Scharf sprach sie mit der Bloggerin über die Erfolgsgeschichte des Sylt Fräuleins, neue Ideen und über das im Juli erschienene Sylt-Fräulein-Magazin. Finja nutze die Gelegenheit vor Ort aber auch, um sich mit Ulla über die gemeinsame Liebe zu Sylt auszutauschen.

Sylt Fräulein: Ulla, wie oft bist du eigentlich auf Sylt?

Ulla Kock am Brink: Mein Mann und ich haben uns vor einem Jahr den Plan gemacht, so oft es geht, hierher zu kommen. Wir sind auf dem Höhepunkt unserer geistigen Fähigkeiten und sind beide selbstständig. Wenn man dann ein bisschen plietsch sein will, dann sollte man sich in so einer Situation doch möglichst viel schöne Zeit miteinander schenken. Wir sind beide 59 Jahre alt und da fragen wir uns: Wie kann man die Zeit, die man hat, in möglichst viel Quality-Time ummünzen? Darum verbringen wir so oft es geht ein paar Tage oder auch mal Wochen auf Sylt. Im Schnitt versuchen wir alle sechs Wochen herzu- kommen.

Warum verbringst du ausgerechnet auf Sylt so viel Zeit?

Dieser Ort gibt uns so eine Freiheit und schenkt uns echte Gelassen- heit. Ich habe schon viel gesehen und auch ausprobiert. Ich hatte z. B. ein Haus auf Mallorca. Auf Sylt strengt mich das Klima aber nicht so an, auch die Kommunikation ist unkompliziert. Die Menschen sind gelassener und akzeptieren, dass die Zeit hier einfach Zeit für uns ist. Dieser Ort hat eine wahnsinnige Wandlungsfähigkeit, jedes Licht und jedes Wetter sind mir willkommen.Was mich auch fasziniert, ist das verdammt gute Essen – und es ist dabei nicht mal ungesund! Ich liebe diese einfache, bodenständige, aber köstliche und frische Küche hier. Genuss wird groß geschrieben, aber gleichzeitig hat das Thema eine solche Leichtigkeit.

Wo wohnt ihr, wenn ihr auf Sylt seid?

Wir wohnen in einer Kampener Ferienwohnung, die wir von einem Bekannten mieten. Da hausen wir auf rund 80 Quadratmetern mit drei Schlafzimmern, sodass unsere Familie uns immer problemlos für ein paar Tagen besuchen kann.

Was fasziniert dich denn am meisten an der Insel?

Am meisten die Natur. Die Vielfalt an Licht, an Wind- und Wellenbewegung, zu jeder Jahreszeit und Tageszeit erstrahlt die Insel in anderem Glanz. Dazu riecht es immer noch anders. Die Sylter Heckenrose gepaart mit der Heide, wenn ich das rieche, dann bin ich eine glückliche Frau. Auf dem Rad atme ich gerne den Fahrtwind ganz tief ein. Das geht bis in die Zehennägel und wieder zurück – herrlich! Dieser Ort hier macht mich einfach glücklich und zufrieden und das Klima erholt mich – wir schlafen hier wie verrückt. Entspannung pur.

Welche sind denn deine neusten Entdeckungen?

Wir haben erst vor ein paar Jahren das BeachHouse-Sylt entdeckt und letztes Jahr die Rantumer Strandmuschel. Aber jedes Mal, wenn man herkommt, hat etwas Neues eröffnet. Diese Insel ist einfach eine unendliche Entdeckungsreise. Was ich auch immer sehr schätze ist, dass man egal wie voll es ist, irgendwie immer einen kleinen Strandabschnitt findet, an dem man alleine sein kann. Da gehen wir auch gerne mal mit Sack und Pack und Picknick ein paar Meter weiter und genießen den Sonnenuntergang.

Gibt es einen Ort, den dein Mann und du besonders mögt?

Einen Ort, den wir sehr schätzen, ist das Rote Kliff in Kampen. Wenn man dort ein paar Meter am Strand entlang geht, ist man total alleine. Wir sind auch sehr gerne in Keitum und essen etwas bei Johannes King. Da sitzt man ganz relaxed auf Holzbänken und bekommt köstliche Gerichte serviert. Generell gehen wir gerne in Lokalitäten, die lässig, unaufgeregt und einfach sind. Hauptsache „easy going“.

Welche Jahreszeit ist eure liebste auf Sylt?

Wir sind zu jeder Jahreszeit gerne hier und finden, dass jede Jahreszeit ihren Reiz hat. Besonders im Winter hat die Insel so ihren ganz eigenen Flair. Im Sommer ist es natürlich voller, aber auch den Trubel finden wir mal gut. Und wenn nicht, dann suchen wir uns unsere einsamen Plätze. Wir fahren hier ja ausschließlich mit dem E-Bike und darum sind wir im Sommer immer sehr frei.

Wie kam es zum BeachHouse-Talk?

Eben um immer noch mehr von Sylt und seinen Leuten zu erfahren. Durch dem Talk lerne ich so viele interessante Menschen, spannende Storys und Produkte kennen. Ich bereite das auch alles alleine vor und wir drehen das eben dann, wenn ich auf der Insel bin. Mir geht es vor allem auch darum, dass man ganz abseits von den beruflichen Abfragen etwas über den Lebenslauf und die Ideen eines Menschen, einfach mehr über den Gast, erfährt.

Was denkst du über die gängigen Sylt-Klischees?

Die Klischees sind durchaus berechtigt. Es gibt die Poser, die Leute, die zeigen wollen, was sie haben. Aber das ist sehr konzentriert auf einem Fleck und Sylt ist noch also viel mehr als das. Ich bin eine Verfechterin vom berühmten „Leben und leben lassen“ und darum finde ich das auch in Ordnung, dass es diese Leute auf Sylt gibt. Es ist ja deren gutes Recht, reich und schön zu sein und das auch nach außen zu tragen. Ich habe dafür Verständnis, ich verurteile niemanden, wir brauchen das aber einfach nicht mehr für unser Leben. Aber das ist eben das Schöne an Sylt: Jeder kann hier so seinen Stiefel fahren: es gibt die Camper, die Familien, die Rentner und dann gibt es eben noch die Reichen. Hier findet man im Prinzip ein Abbild unserer Gesellschaft gebündelt auf einer Insel – wie spannend ist das denn? Und das sollte man immer beachten, wenn man von Sylt hört oder liest, es ist nur ein winziger Teil, der das Klischee formt.

Austern oder Fischbrötchen?

Ich bin da ja lieber eher rustikal. Darum: Lieber Fischbrötchen – Bismarck oder Matjes, da fische ich mir aber die Zwiebeln etwas runter (lacht). Austern esse ich nur exakt drei mal im Jahr und das reicht mir dann auch.