Kunst in der Werft

von Nina Wrede

Wo sonst klassische Yachten restauriert oder neu entworfen werden, findet in diesem Jahr wieder die „Winterwerft“ statt. Noch bis zum 30. Januar öffnet das Robbe & Berking Yachting Heritage Center zum zweiten Mal seine Türen für die große winterliche Verkaufsausstellung.

In Nordeuropas Zentrum klassischer Yachten direkt an der Flensburger Förde präsentieren 30 ausgewählte Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen aus ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus eine Auswahl ihrer edlen Produkte und bieten diese zum Verkauf an. In der besonderen Atmosphäre der traditionsreichen Yachtwerft hat man die Gelegenheit, Kunsthandwerk auf höchstem Niveau kennenzulernen und die besondere Qualität ganz unmittelbar in den sorgsam gestalteten Räumen zu erfahren. Ein spezieller Fokus liegt dabei auf den beiden Lieblingswerkstoffen von Robbe und Berking: Holz und Silber sowie anderen Naturmaterialien wie Ton, Leder, Leinen oder Keramik. Für einen Vorgeschmack sind alle eingeladen, mit auf einen kleinen Rundgang durch die Ausstellung zu kommen.

Ausstellungsimpression

Zart und zäh
Der Weg führt durch die Empfangshalle zunächst zu zwei Tischen mit einer Auswahl feinster Lederprodukte. Schon im Namen des Labels „Rothöll“ – eine Verschmelzung aus dem isländischen Wort „roð” (dt. Fischleder) und dem Nachnamen der Gründerin Annekatrin Döll – wird die Verbindung zur nordischen Insel klar. Island ist nicht nur die Quelle ihrer Inspiration, sondern auch der Ort ihrer ersten Begegnung mit dem Material ihrer Wahl. Die kleine Gerberei im nördlichen Teil des Landes, eine von wenigen, die Fischhaut noch traditionell gerben kann, lernt sie während eines Au-Pair-Aufenthaltes kennen und beginnt dort mit kleinen Proben zu experimentieren. Die Vielseitigkeit des Fischleders, gleichzeitig leicht und robust, fasziniert sie so sehr, dass sie die Inspiration mit nach Deutschland nimmt und dort schließlich mit Erfolg die ersten Taschen entwirft. Island ist unberechenbar, gezeichnet von wilder Natur und doch zart und empfindlich; Rothöll spiegelt dieses vielseitige Landschaftsbild wider. Das Label ist bedacht auf einen ökologischen und nachhaltigen Umgang mit der Umwelt: In der Produktion der Lederwaren werden ausschließlich industrielle Überreste verwendet, um zu gewährleisten, dass alle Teile des Tieres verwehrtet und so keine Ressourcen verschwendet werden. Es entstehen qualitativ hochwertige Schmuckstücke, die sich durch eine besondere Belastbarkeit und Strapazierfähigkeit auszeichnen.

Handtasche des Labels Rothöll aus Lachsleder (Foto: Annekatrin Döll)

Geschliffen und geformt

Weiter geht es zu den Exponaten des Drechsel-Künstlers Thomas Pildner, die unweigerlich jede Aufmerksamkeit auf sich lenken. Er ist ein Meister seines Werkes, mit seinen Holzgefäßen und -objekten hat er sich bereits international einen Namen gemacht und wurde von der renommierten Michelangelo Foundation in ihrem „Homo Faber Guide“ für exzellentes Kunsthandwerk präsentiert – eine Ehre, die nur den besten zuteilwird. Die Anfänge seines Handwerks fand er in Indien, wo er von einem Sikh in die Drechselkunst eingeweiht wurde. Der weiteren Auseinandersetzung mit dem Naturmaterial folgte schließlich die eigene Werkstatt. Pildner ist bedacht, nur Material von regionalen Bäumen zu verwenden, die umgeknickt oder anderweitig gefällt werden mussten. Seine Kunst erzählt die Geschichte des Holzes, aus dem sie gefertigt wird; Risse oder Spuren arbeitet er mit in die Gestaltung ein und verleiht den Werken auf diese Weise eine einzigartige Struktur. Der unmittelbar nach der Fällung zu verarbeitende Rohling wird entweder nass oder trocken gedrechselt, indem er direkt bearbeitet oder über einen längeren Zeitraum getrocknet und in Etappen zur endgültigen Form gebracht wird. Thomas Pildners Kunstwerke sprengen die Grenzen des Gewohnten und sind in jedem Fall ein echter Hingucker.

Holzarbeit des Drechsel-Künstlers Thomas Pildner. (Foto: Thomas Pildner)

Warm und wollig
Um für den mitunter rauen norddeutschen Winter gut gewappnet zu sein, liegt der Gang zu Kaisa Duus nahe, denn die Flensburgerin verwendet für ihre hochwertige Kleidung und Accessoires hauptsächlich das Lammfell von Gotlandschafen. Der „König der Schafsfelle“ zeichnet sich durch seine edlen, gleichmäßigen Grautöne in allen Schattierungen aus und ist gleichzeitig leicht und warm. Schon zu Wikingerzeiten war die Ursprungsrasse des Gotlandschafs auf der schwedischen Insel beheimatet und wird seit Jahrhunderten wegen seiner vielen positiven Eigenschaften von den Menschen verarbeitet. Die glänzenden Locken sind durch ihr natürliches Fett selbstreinigend und können sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Lammfell begleitet Kaisa Duus schon ihr gesamtes Leben: Als Jugendliche verbringt sie Jahre auf einem Hof südlich von Stockholm, kommt da in Kontakt mit den Schafen, ihre Mutter verarbeitet die Wolle. Nach dem Motto „Neue Kleider in alter Tradition“ lässt sie sich bei ihren Kreationen von traditionellen schwedischen Trachten inspirieren und interpretiert diese auf moderne Art und Weise. Es gibt Hüte, Westen, Kissen und vieles mehr – jedes Stück ist ein Unikat. Unter www.classic-yachts.com findet man die vollständige Liste aller Ausstellenden.

Robbe & Berking Yachting Heritage Centre
Harniskal 13, Flensburg
Di-So 11-17 Uhr Eintritt: 4 Euro
Die vollständige Liste aller Ausstellenden gibt es unter www.classic-yachts.com

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