Auf 1,6 Kinder schafft es die deutsche Frau, das sagt das Statistische Bundesamt für 2017 – damit ist die Geburtenzahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken. 1,6 Kinder sind nicht gerade viel, denke ich und erinnere mich zugleich an meine eigene Kindheit inmitten von vier Geschwistern. Bei mir zuhause war wirklich immer was los! Aber ich hatte auch Glück, denn meine Eltern haben sich nicht nur bewusst für eine Familie entschieden, sondern sich auch viel Zeit dafür genommen. Während mein Vater viel arbeitete, blieb meine Mutter zuhause, schmiss den Haushalt, bereitete das Essen zu und chauffierte uns durch die Gegend. Der Alltag war stets ausgefüllt und wir wurden in jeder Hinsicht bestens versorgt. Wenn ich heute einen Blick in den Job meiner Schwester werfe, die als Erzieherin in einer Kindertagesstätte arbeitet, ist das keine Selbstverständlichkeit mehr.

Ich selbst habe mir immer viele Kinder gewünscht, wovon bisher noch keines da ist. Wollte ich früher als naiver Teenager noch mit Anfang 20 Mutter werden, habe ich mich zur rechten Zeit dann doch für das Studium entschieden. Mittlerweile – und in der Berufswelt angekommen – fühle ich mich irgendwie noch gar nicht bereit für ein Kind. Wie sollte das auch gehen? Ich bin erst ein paar Jahre im Job, habe meine Karriereziele längst noch nicht erreicht und nicht das Gefühl, sie mit Kindern vereinbaren zu können. Muss ich mich also entscheiden: Kind oder Karriere? Selbst wenn ich bereits eine verantwortungsvolle, erfüllende Position inne hätte, wie würde ich eine Elternzeit gestalten und wie den Wiedereinstieg danach? Wie lange würde meine Auszeit dauern? Könnte ich in meine Stelle zurückkehren? Würde ich als Mutter noch Vollzeit arbeiten wollen? Wäre Teilzeit möglich? Die Fragen reihen sich förmlich aneinander und Antworten scheinen fern. Sie klären sich erst im persönlichen Gespräch mit der oder dem Vorgesetzten.

Aller Anfang ist schwer

Meist ist die Geschäftsführung nicht begeistert, wenn eine Frau ihre Schwangerschaft mitteilt, denn das kostet den Betrieb Geld. Ab sechs Wochen vor und bis zu zwölf Wochen nach der Entbindung sind Arbeitnehmerinnen durch das Mutterschaftsgeld ihrer Krankenversicherung abgesichert (390 Euro im Monat), das der Arbeitgeber bezuschussen muss. Zwar wird dieser Zuschuss letztlich von der Krankenkasse übernommen (sofern der Arbeitgeber eine Umlage beantragt), jedoch muss der Betrieb eine adäquate Vertretung finanzieren und eventuelle Ausfallzeiten während der Schwangerschaft einplanen. Nimmt die Mutter ihren gesetzlichen Anspruch auf Elternzeit wahr, muss der Arbeitgeber sie für bis zu 36 Monate freistellen und ihr danach eine Rückkehr in ihre alte oder vergleichbare Position ermöglichen. Eine Einarbeitungszeit oder Weiterbildungen können dabei nötig werden.

Der Druck auf Frauen ist groß

Spätestens, wenn die biologische Uhr zu ticken beginnt, setzen sich auch Karrierefrauen mit dem Kinderwunsch auseinander. Entscheiden sie sich dafür, ist es erst einmal nicht schwer, die berufliche Auszeit zu nehmen. Schließlich sind Mutterschutz und Elternzeit gesetzlich geregelt. Mütter und Väter in jedem Arbeitsverhältnis können in Elternzeit gehen, diese muss nur rechtzeitig beantragt werden und innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes liegen. Das gilt also auch für Teilzeit, befristete Verträge, Mini-Jobs oder Home-Office. Die Länge der beruflichen Auszeit ist frei wählbar, muss aber mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden. Finanziert wird das Ganze mit dem staatlichen Elterngeld, das es in verschiedenen Varianten gibt und die Eltern bei der Betreuung und Erziehung ihres Kindes unterstützen soll. Doch nicht immer reicht es aus, sodass Mütter (oder Väter) oft früher als gewünscht in den Beruf zurückkehren müssen.

Loslassen muss man lernen

Während sich viele Frauen nach der Geburt gegen die geplante Rückkehr in den Job und für mehr Zeit mit ihrem Kind entscheiden, müssen einige Mütter schneller zurück als sie möchten. Dabei gestaltet sich die Wiedereingliederung in den Joballtag aus vielen Gründen schwer. Berufstätige Mütter müssen sich um eine fähige Kinderbetreuung kümmern und diese mit ihrer Arbeitszeit vereinen. Im besten Falle sind dies Familienmitglieder, je nach Alter des Kindes auch Tagesmütter, Krippen und Kitas. Das Abgeben des eigenen, mitunter noch sehr kleinen Kindes stellt Frauen vor ganz besondere Herausforderungen. Viele werden dabei von ihrem schlechten Gewissen geplagt, müssen sich gesellschaftlichen Verurteilungen stellen und sind ständig einer Doppelbelastung ausgesetzt. Heute ermöglicht das Ganztagsangebot der Kitas sogar eine Vollzeittätigkeit der Mutter, allerdings gibt es bisher deutlich mehr Nachfrage als freie Betreuungsplätze und damit viele Kompromisse seitens der Eltern.

Teilzeit ist der Karriere-Killer

Wer Vollzeit arbeitet, hat nicht viel vom Kind. Deshalb beginnen viele Mütter – in Deutschland fast 81 Prozent – nach der Geburt mit einer Teilzeittätigkeit. So können sie das Kind beim Aufwachsen begleiten, fehlen aber nicht lange im Job. Neben steuerlichen Vorteilen bietet dies vor allem die Möglichkeit, beruflich zügig und nahtlos an frühere Erfolge anzuschließen und wichtige Kontakte zu halten. Wer ehemals allerdings bis zu 40 Stunden gearbeitet hat, kann das gewohnte Pensum in Teilzeit kaum schaffen – ein Grund, weshalb Führungspositionen im Halbtagsjob rar sind. Innovative und modern denkende Unternehmen bieten längst flexible Arbeitszeitmodelle für junge Mütter. Geteilte Führungen unter zwei Teilzeitkräften oder bis ins Detail spezialisierte Arbeitsbereiche sind Möglichkeiten, das Niveau der Firma und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu halten.

An die Zukunft glauben

Wenn das eigene Kind da ist, schafft die Tagesbetreuung einen Freiraum für die Eltern. Wichtige Entwicklungsschritte finden hier statt – ein moralisches Problem für viele Eltern. Mein zukünftiges Baby kann ich mir kaum in einer Kita vorstellen. Doch auch, wenn ich schon oft davon träumte, ganz entspannt am Vormittag mit Kinderwagen und Mami-Freundinnen durch die City zu schlendern und mein Mutterdasein vollends zu genießen, sehe ich mich auch mit Nachwuchs in einem Job mit Sinn und Verantwortung. Wie ich Kind und Karriere vereinbaren werde? Es wird sich zeigen. Bis zu meiner persönlichen „Baby Deadline“ von 35 Jahren habe ich ja immerhin noch ein paar Jahre Zeit!

Weitere Informationen bietet das Beratungsportal „Frau & Beruf“ der IB.SH.

www.frau-und-beruf-sh.de