Geht da noch was?

Meeno Schrader

Einen treffenden Titel für eine Kolumne zu finden, ist nicht immer einfach. Dieser fiel mir spontan ein und es sprudelten gleich Alternativen hinterher. „Von Opti- und von Pessimisten“ oder „Von der Kunst, Dinge schönzureden“. Nun soll die Wettervorhersage objektiv sein und darauf hat der Synoptiker tunlichst zu achten. Und doch: der Pessimist sieht „hier und da noch einzelne Schauer auftauchen“. Der Optimist belässt es bei „größtenteils und verbreitet trocken“. Beides ist richtig, nichts ist schöngeredet. Wiederholt musste ich im Juli zu diesen Einschätzungen kommen. Von Haus aus Optimist änderte ich die Formulierungen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Anlass hierzu liefert das Wetter grundsätzlich ja nie und der Juli war ein Beweis hierfür. Das ist nicht untypisch für diesen Monat und doch mehrte sich im Monatswerdegang die Kernfrage „Geht da noch was in Sachen Sommer?“ Im Falle des Verlustängste mit sich tragenden Tonfalls mögen es eher Pessimisten gewesen sein, die ihr Anliegen an mich herangetragen haben. Die Frage funktioniert aber auch bei Optimisten – ohne Wortumstellung, es kommt lediglich auf das Timbre der Stimme an. 

Mittlerweile dürfte es den Allermeisten bekannt sein, dass des Meteorologen Weitsicht sich mit aller Vorsicht an die 20 bis 30 Tage Grenze herantastet. Da ist allerdings so viel Statistik drin, also Erfahrung aus Vergangenheitswetter, dass man vorsichtig sein muss. Die vergangenen Augustjahre liefern nicht gerade das Zeug, eine notwendige klimatologisch meteorologische Antwort treffend zu formulieren. Es lässt sich aber feststellen, dass dieser Sommer bisher von reichlich Wechsellaune gezeichnet war und Gegensätzen. In Norddeutschland war es lange Zeit im Juli im Vergleich zum klimatologischen Mittelwert zu kalt (minus zwei Grad), in Süddeutschland viel zu warm (plus drei Grad). Dieses Bild spiegelt die Unentschlossenheit wider. Soweit uns die Augen tragen und am zu erwartenden Geschehen Anfang August teilhaben lassen, zeichnet sich für den August keine stabile Hochsommerlage ab. Schon gar nicht eine “Omega“-lage, einem Muster der Höhenströmung, bei der die kühle Luft in großem Bogen um Mitteleuropa gelenkt wird. Das Ergebnis dieser Konstellation hatten wir zur Genüge in 2018 erfahren können. Auch ohne „Omega“ ist Sommer möglich, dann eben etwas instabiler. Es könnte dennoch Anfang August der Beginn einer sommerlichen Freundschaft werden – auch wenn man nie weiß, wie lange sie hält. Aber irgendwie geht da noch was!


Schon seit seinem 15. Lebensjahr ist das Wetter für Meeno Schrader weit mehr als nur Small Talk. Er hat es an den unterschiedlichsten Plätzen der Welt „getestet“ und lebte und arbeitete unter anderem in Australien, Korea, der Karibik und den USA. Seit 2002 ist er der „Wetterfrosch“ des Schleswig-Holstein-Magazins beim NDR. In der Lebensart verrät er jeden Monat einen Gedanken aus seinen Wetterwelten.