Felder, Weiden und Ställe sind ihre Leinwände. Saatgut und organischer Dünger ihre Farben: Die Landwirt:innen sind die Künstler:innen des Nordens. Mit ihrer Arbeit erschaffen sie Großes. Für gesunde Lebensmittel, Biodiversität und Tierwohl gestalten sie aktiv unsere Zukunft.
Eine von ihnen ist die 33-jährige Inken Burmester, die gemeinsam mit ihrem Vater Heinz in fünfter Generation einen Schweinemastbetrieb im Kreis Herzogtum Lauenburg bewirtschaftet.

Durch die Fenster im Stall dringt Licht. Es ist deutlich heller als man es von einem Schweinestall erwarten würde. „Unsere Tiere bekommen viel Tageslicht, weil unser Maststall große Fenster hat“, erklärt Inken Burmester. Auch die Lüftung und Heizung sind wichtig für das Wohlbefinden der Schweine. Aufgrund ihrer wenigen Haare und der geringen Fettauflage, sind sie sehr empfindlich gegenüber feuchter Umgebungsluft. „Hier fühlen sie sich wohl“, sagt die gelernte Agrarbetriebswirtin, die auf dem Hof ihrer Elterngroß geworden ist und schon als Kind fleißig mit angepackt hat. Auf dem 150-Hektar-Betrieb in Siebenbäumen versorgen die Burmesters 1.400 Mastschweine, 170 Sauen und 800 Ferkel. Das hier produzierte Fleisch wird mit der Haltungsstufe zwei vermarktet, was bedeutet, dass die Schweine bereits zehn Prozent mehr Platz haben, als es das Gesetz vorsieht. Außerdem bekommen sie Spielzeug zur Beschäftigung, in jeder Bucht befindet sich zusätzlich eine Raufe mit Heu.

Verbraucher:innen haben die Wahl

Die Themen Tierhaltung und Tierwohl sorgen immer wieder für große Diskussionen. Zum einen wird eine andere Tierhaltung gefordert, zum anderen sind aber viele Konsument:innen nicht bereit dazu, für das Fleisch tiefer in die Tasche zu greifen. „Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit von den Verbraucher:innen“, sagt Inken Burmester, die in naher Zukunft den mittelgroßen Familienbetrieb übernehmen wird. „Wer eine andere Tierhaltung fordert, aber dennoch das billigste Fleisch kauft, handelt nicht konsequent. Die Verbraucher:innen bestimmen also mit, wie ich als Landwirtin arbeiten kann“, fährt sie fort. „Die Mischung aus Wirtschaftlichkeit und Tierwohl muss stimmen, denn davon leben wir“. Familienbetriebe wie der von den Burmesters würden gerne in eine noch höhere Haltungsstufe investieren, doch aufgrund der aktuellen Marktlage und den sehr geringen Schweinepreisen ist dies nicht möglich.

Foto: Pepe Lange

„Wir Schweinehalter:innen haben keinerlei Planungssicherheit“, sagt Inken Burmester. „Derzeit sind alle Reserven aufgebraucht,
die steigenden Futter- und Energiepreise beschleunigen dies dramatisch. An der Theke ist nichts zu spüren von den desaströs schlechten Preisen und dabei stirbt unser Betriebszweig gerade still und leise“, unterstreicht sie den Ernst der Lage für die deutschen Schweinebauern und -bäuerinnen.
Durch die Kampagne „ErnteKunst“ der Landesregierung hoffen Landwirt:innen wie Inken Burmester, mit den Verbraucher:innen in den Dialog zu treten. „Viele Menschen können unsere Arbeitsprozesse gar nicht nachvollziehen“, erklärt sie. „Wir wollen aufklären und ihnen unsere Arbeit näherbringen.“ Ihr Ziel: „ Ich möchte erreichen, dass in Schleswig-Holstein weiterhin hochwertiges Fleisch produziert wird.“

ERNTEKUNST
Inken und Heinz Burmester beteiligen sich mit ihrem Hof an der Kampagne „ErnteKunst“ – eine Initiative des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein, die von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Hol- stein koordiniert wird. Hierbei wird die Bedeutung der Landwirtschaft für den Norden sichtbar und greifbar gemacht. Sie zeigt die Arbeit der Menschen, die für gesunde Lebensmittel auf unseren Tellern, tiergerechte Haltung in den Ställen und eine nachhaltige Zukunft im Land zwischen den Meeren sorgen.
>> Weitere Infos unter: www.erntekunst-sh.de

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