Das Glück der Schafe

Eine Schäferin erzählt vom Leben und Arbeiten auf der Weide.

Patricia Sachau hat ursprünglich Kommunikationsdesign studiert und tagtäglich im Büro gesessen. Heute macht die 28-Jährige etwas ganz anderes, zumindest zeitweise: Drei Tage in der Woche arbeitet sie in einer kleinen Werbeagentur, die restliche Zeit verbringt sie auf der von ihr gegründeten Lykke Sheepfarm. „Lykke” ist dänisch und bedeutet Glück – und genau das bedeuten die Schafe und Lämmer für Patricia Sachau, die sie züchtet und versorgt.

Lebensart: Was genau ist die Lykke Sheepfarm? 

Patricia Sachau: Die Lykke Sheepfarm, das sind zurzeit ein Australian Shepherd, ein Border Collie, 130 Mutterschafe und Lämmer und ich. Die Herde baut sich aus verschiedenen Rassen auf, vom Landschaf bis zum Fleischschaf. Hierzu gehören zum Beispiel das Gotländische Pelzschaf und die weißgehörnte Heidschnucke wie auch Texel, Weißkopf und das Schwarzkopf-Schaf. 

Und was machen Ihre Schafe so?

Ich bin glücklich darüber, meine Herde in der Landschaftspflege einsetzen zu können, die unterschiedlichen Rassen ermöglichen ein tolles Ergebnis. Die Tiere werden auch für den Küstenschutz auf dem Deich eingesetzt. Die Herde befindet sich noch im Aufbau, die kleinen Lämmer wachsen schnell und ein Großteil der Nachzucht bleibt bei der Lykke Sheepfarm. Ein gewisser Teil der Tiere geht in die Vermarktung. Hier ist mein Ziel, noch in diesem Jahr eigene Fleischerzeugnisse im regionalen Raum anbieten zu können. Auch ein „Wolle-Projekt“ ist geplant. Es muss nicht immer Merino sein, auch unsere Schafe hier im Norden haben eine tolle Wollqualität, die ich gerne verarbeiten möchte.

Zur Herde von Patricia Sachau gehören Schafrassen wie das Gotländische Pelzschaf, Heidschnucken oder Texel.

Wann war der Moment, als Sie sich dazu entschieden haben, die Farm aufzubauen?

Ich bin so ein „ganz oder gar nicht“-Typ, mit vier Schafen angefangen, wurden es flux mehr. Aber ich bin noch im „Werden“, es braucht einiges, eine Herde zu führen. So gehören nicht nur die Schafe dazu, sondern auch arbeitende Hunde, das passende Auto und die dazugehörige Ausrüstung wie auch ein fundiertes Wissen, um den Tieren gerecht zu werden. Mich erfüllt es bei den Schafen zu sein, ich denke, das war von Beginn an mein Antrieb.

Worin liegt für Sie der Zusammenhang zwischen dem, was Sie im Studium gelernt haben und dem, was Sie heute machen?

Wenn man sich einmal für einen Berufsweg entschieden hat, heißt es nicht, dass man diesen nicht verändern oder gar verlassen kann, es gibt so viele Möglichkeiten. Ich bin ein kreativer Mensch und fühlte mich in meinem Studium mit den Fähigkeiten aufgehoben. Doch mit der Zeit fehlte etwas. Die Arbeit mit den Schafen ist eine andere, hier wird auch der Körper gefragt. Ich schöpfe aus der Natur, um frei in meinem Kopf und den Ideen zu bleiben. Einen direkten Zusammenhang der Berufswege gibt es nicht. Meist sind die Leute erstaunt, wenn sie von den Schafen hören und wissen, dass ich was ganz anderes studiert habe. Ich habe Freude an der visuellen Arbeit und möchte diese auch gern nutzen, um das Thema „Schaf“ und alles was dazu gehört zu kommunizieren.

Wie sieht Ihr Alltag aus? 

Früh morgens hüpfen die Hunde ins Auto und mit einem Kaffee in der Hand beginnt der Tag. Tatsächlich freue ich mich jeden Tag, zu den Schafen zu fahren. Auch wenn die Tage mal lang werden oder etwas mal nicht so gut läuft. Die Lammzeit ist jetzt vorüber und die Schafe sind mit ihrem Nachwuchs im Grünen. Ich werde von meinen beiden „Buddellämmern“ schon erwartet, sie werden direkt mit der Flasche versorgt. Dann lade ich meine Steckhorden auf den Pick-up und fahre zu einer Partie Schafe an den Deich, es steht die Klauenpflege an und die ersten Lämmer werden entwurmt. Die Steckhorden werden zu einem Pferch aufgebaut, Hündin Lux hüpft aus dem Auto. Gebannt wartet sie auf ihr Startsignal. Sie ist noch in ihrer Hüteausbildung aber schon jetzt unersetzbar für mich! Wir treiben die Schafe und Lämmchen ein. Jetzt beginnt das Schwitzen, bis mittags habe ich schon einiges geschafft, neben den Klauen kontrolliere ich auch die Euter der Schafe. Ich bin zufrieden, geschafft, die Schafe dürfen den Pferch wieder verlassen. Ich nehme mir die Zeit, um ein paar kleine Ecken mit den Tieren zu hüten, die sich außerhalb der Umzäunung befinden aber auch „gepflegt“ werden müssen. Sind die Schafe erst einmal ins Grasen gekommen, bleibt ein Moment um durchzuatmen, ich packe die Brotdose aus und es gibt Mittag! Die eigene Kraft ist ein wichtiges Kapital und man muss stets zusehen, fit zu sein und zu bleiben. Die Zeit rast, der Nachmittag ist fast vorüber. Ich muss noch Wasser für die Tiere fahren, wie auch die Batterien für die Weidezaungeräte prüfen und austauschen. Dann kommen gern noch unerwartete Aufgaben dazu, mal muss ein mobiler Zaun abgebaut oder aufgebaut werden und flux wird es dunkel und man tritt den Heimweg an. 

Woher kommt das Wissen über Schafe?

Ich bin in einer Schäferei aufgewachsen, mit all den Aufgaben, die dazu gehören, und habe schon von klein auf mit den Hunden bei den Schafen gestanden. Mein Vater war Schäfer und begleitet mich heute als Ratgeber, das ist ein großes Glück. Austausch ist wichtig, so gehören zu meinen Erfahrungen auch ein Praktikum in einer Wanderschäferei. Ich 

tausche mich ständig mit anderen Schafhaltern zu aktuellen Themen aus und besuche andere Betriebe, wenn die Zeit bleibt und bilde mich ständig fort was die Ausbildung der Border Collies betrifft, eine kleine Herzensangelegenheit.

Zu einem normalen Alltag im Leben der Schäferin gehört ein Ausflug zum Deich. Immer dabei ist Hündin Lux.

Schwere Frage, aber: Wieso genau dieses Lebensmodell?

Alles braucht seine Zeit, um sich zu entwickeln und wenn man Pläne hat, muss man sich überlegen wie man das Ganze anstellen kann, damit man genau diesen Plan verwirklichen kann. Daher entschied ich mich, in meinem Job kürzer zu treten, um mir meine eigene Schäferei aufbauen zu können. 

Was war der bisher schönste Moment?

Es gibt so viele schöne Momente! Wenn man die Lämmchen hüpfen und springen sieht im Grünen oder auch die Hunde Fortschritte machen in ihrer Ausbildung. Oder das Leitschaf Erna hinter mir her tapert und mit ihr die ganze Herde.

Was liegt in der Zukunft der Lykke Sheepfarm?

Ich finde es spannend, wie die Dinge sich entwickeln und genieße auch gerade diese Entwicklung, so weiß man, was man geschafft hat und schätzt, was man hat. Ich bin im Aufbau meiner Schäferei, in Zukunft würde ich mich über weitere Landschaftspflegeprojekte freuen, wo ich meine Herde einsetzen kann.

Das Interview führte Ramona Dabringer