Der 1. Mai 2020 – ein sich jährlich wiederholender Feiertag. Doch gerade in diesem Jahr wäre der 1.5. für ein junges Paar aus Dänemark ein ganz besonderes Datum gewesen. Christiane Setz (gebürtig aus Dithmarschen) und Moritz Müller (aus dem Raum Hannover stammend) wollten sich das Ja-Wort geben. Vor knapp zwei Wochen wären Familie und Freunde nach Dithmarschen gekommen, um mit dem Paar zu lachen, zu weinen und vor allem zu feiern. Stattdessen blieb ein jeder zu Hause. Corona-bedingt wurde das Fest abgesagt. Im Gespräch mit dem Paar erfuhr Lebensart-Redakteurin Nicole Groth, wie schwer den beiden die Entscheidung dazu fiel und wie es für Christiane und Moritz nun weitergeht.

Verliebt, verlobt und doch noch nicht verheiratet. Der 1. Mai 2020 sollte ihr Hochzeitstag werden. Doch „Corona” zog Christiane Setz und Moritz Müller einen Strich durch die Rechnung.

Liebe Christiane, lieber Moritz, bevor wir uns eurem geplanten Hochzeitstag und dem damit verbundenen Drama widmen, muss ich euch folgende Fragen stellen – unsere hochzeitsbegeisterten Leserinnen und Leser würden mir das Übelnehmen, wenn ich diesen Part übergehe: Wer hat wen den Antrag gemacht und wie lief es ab?

Christiane: Moritz hat mir den Antrag gemacht und ich hätte mir keinen schöneren vorstellen können. Zu dem Zeitpunkt haben wir in Österreich gelebt, wir waren wandern und bei Sonnenuntergang auf einem Berg hat Moritz viele wunderschöne Dinge gesagt und mich schließlich gefragt, ob ich ihn heiraten möchte – ich habe natürlich sofort ja gesagt. Dann haben wir noch mit einem Sekt angestoßen, den Moritz heimlich mitgenommen hat. Es klingt im Nachhinein ganz schön kitschig, aber es war einfach nur wunderschön und ganz besonders.

Moritz: Ich war noch nie so aufgeregt wie an dem Abend. Eigentlich hatte ich vor irgendwann spontan den Antrag zu machen, aber nachdem ich den Ring gekauft hatte, konnte ich nicht mehr abwarten.

Zu dem Zeitpunkt wohntet ihr in Österreich. Warum habt ihr euch aber dafür entschieden, in unserem schönen Norden – genauer gesagt im wunderschönen Dithmarschen – zu heiraten?

Christiane: Ich komme ursprünglich aus Dithmarschen und wir kannten diese Scheune von anderen Feiern, die wir sehr schön fanden. Da fiel uns die Entscheidung recht einfach.

Wie sollte euer großer Tag ablaufen?

Moritz: Wir wollten am 30. April standesamtlich im kleinen Rahmen heiraten und dann am 1. Mai mit all unseren Freunden und der Familie. Wir wollten unter freiem Himmel bei der Festscheune heiraten und danach einen tollen Abend mit unseren Gästen verbringen. Die Band hätte sicherlich für gute Stimmung gesorgt.

Wie viele Gäste waren geladen und wo kommen sie her?

Christiane: Etwa 100 Erwachsene und zwölf Kinder. Wir haben während des Studiums viele Freunde aus aller Welt kennengelernt. Unsere Gäste kommen aus Dänemark, Österreich, Irland, Singapur, Belgien, Indien, aus der Schweiz und natürlich aus Deutschland.

Mehr als 100 Familienmitglieder und Freunde hätten vor knapp zwei Wochen ausgelassen mit dem Brautpaar gefeiert.

Alles und jeder waren bereit für den großen Tag. Doch dann kündigte sich ein mieser Hochzeitsgast an: Corona. Wann kam euch erstmals der Gedanke, dass der Virus euch in die Quere kommen könnte?

Moritz: Das kam irgendwie näher und näher. Ab dem Moment als klar war, dass Veranstaltungen abgesagt werden müssen, Grenzen geschlossen werden und wir aus dem Home Office arbeiten müssen, haben wir eigentlich schon gewusst, dass die Hochzeit nicht stattfinden kann.

Habt ihr euch Rat von anderen eingeholt?

Christiane: Wir haben natürlich mit unseren Eltern und unseren Freunden gesprochen. Das Thema hat uns natürlich sehr beschäftigt.

Gab es Uneinigkeiten? Zwischen euch oder innerhalb der Familie?

Christiane: Nein, gab es tatsächlich nicht. Moritz und ich wollten ein schönes Fest mit allen feiern und wir wollten unter keinen Umständen, dass die Stimmung getrübt wird. Und wenn alle gleich misstrauisch schauen, wenn einer hustet, dann wäre es sicherlich kein ausgelassenes Fest geworden.

Die Absage ging schließlich direkt nach dem in Deutschland politisch auferlegten Shutdown raus: Was waren nun die konkreten Gründe für eure Entscheidung?

Moritz: Letztlich waren es mehrere Gründe: Wir wollten ein schönes Fest feiern, aber wir wollten auch sicher sein, dass wir nicht mitschuldig sind, den Virus zu verbreiten – und dazu gehört nun einmal, dass es nicht zu größeren Menschenansammlungen kommt. Wir hätten es uns nicht verziehen, wenn sich jemand bei unserer Feier mit Corona angesteckt hätte. Außerdem hätten viele Gäste aus dem Ausland gar nicht anreisen können.

Wie schwer fiel es euch, diese Nachricht abzusenden?

Christiane: Es fiel uns schon schwer, aber da wir uns sicher waren, die richtige Entscheidung zu treffen, war es das einzig Richtige.

Wie haben eure Gäste auf die Absage reagiert?

Christiane: Tatsächlich haben alle mit großem Verständnis reagiert. Alle konnten ohne Probleme Zimmerreservierungen stornieren und Flüge umbuchen. Das war natürlich eine Erleichterung. Unsere Freunde und Familie haben uns super unterstützt und getröstet.

Das Paar hatte zur Feier in eine rustikal-charmante Festscheune geladen. Der Termin hat sich geändert, doch die Location bleibt auch in 2021 der Favorit der beiden.

Alles musste storniert werden: die Trauung, die Location, die Musik, … Seid ihr auf euren Kosten sitzengeblieben?

Moritz: Tatsächlich konnten wir alles auf nächstes Jahr umbuchen – ganz ohne Probleme. Alle hatten größtes Verständnis für die Situation und dass wir die Hochzeit leider verschieben müssen.

Neues Jahr, neues Glück: Den großen Tag habt ihr nun genau um ein Jahr verschoben. Warum sollte es wieder der 1. Mai sein? Warum nicht alternativ noch in diesem Jahr zu einem anderen Zeitpunkt heiraten?

Moritz: Wir hatten erst überlegt, die Hochzeit in den September zu verschieben, aber da war die Location leider schon ausgebucht. Dann haben Christiane und ich uns recht schnell auf den 1. Mai 2021 geeignet – neues Jahr, neues Glück.

Eine standesamtliche Hochzeit, nur für euch, kam nicht in Frage?

Moritz: Nein, …

Christiane: … auf keinen Fall. Ein so besonderes Fest wollen wir natürlich mit der Familie feiern – und uns hetzt ja niemand. Da können wir noch ein paar extra Monate warten.

Wie habt ihr euch am 1. Mai gefühlt? Und wie habt ihr den Tag verbracht?

Christiane: Wir haben immer Mal wieder darüber gesprochen wie der Tag wohl abgelaufen wäre…dass wir jetzt verheiratet wären und so. Abends haben wir leckeres Essen bestellt und einen schönen Abend zu Hause verbracht.

Der 1. Mai war in Dithmarschen übrigens sehr verregnet. Ist das vielleicht ein kleiner Trost für euch?

Christiane (lacht): Auf jeden Fall! Alles andere hätte mich echt traurig und sauer gemacht.

Neues Jahr – neues Glück: Christiane und Moritz verschieben ihren schönsten Tag im Leben einfach um 365 Tage. „Uns hetzt ja niemand”, sagt Christiane.

Liebe Christiane, lieber Moritz, das ganze Lebensart-Team wünscht euch alles Gute und vor allem einen wunderschönen Hochzeitstag am 1. Mai 2021.