Copy and paste 

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Seitdem es den Computer gibt, gehen uns viele Dinge leichter von der Hand. Sicherlich, er nimmt uns viel Arbeit ab. Man denke nur an früher, als die Schreibmaschine das einzige Werkzeug zur Fixierung von Texten war. Wenn da zum Diktat gerufen wurde, war der Papierkorb früher oder später voll von Entwürfen und Korrekturen. Ein Verschreiber – und schon musste ein neues Blatt eingespannt werden. Was für eine Verschwendung! Heute kaum vorstellbar. Schreiben, überschreiben, löschen, markieren – mit einem kleinen Manko: Alles Tun ist eingebettet in einem Meer englischer Begriffe. Copy and paste dürfte dabei zu den am häufigsten aufgerufenen Befehlen gehören. Es ist ja so einfach. Was gut ist, muss nicht noch mal erfunden und geschrieben werden. Wenn also der Mai über lange Distanzen fantastisch sonnig war und dermaßen betörend farbenfroh daher kam, warum soll man sich was Neues einfallen lassen – copy and paste, schwuppdiwupp, ist es im Juni genauso. 

Wenn das denn so einfach wäre. Am Computer ist es das, in der Natur nicht. Als Synoptiker (das ist jemand, der eine notwendige großräumige Wetterbeobachtung für eine Wettervorhersage tätigt) würde man einen Kardinalfehler begehen, diese Tastenkombination als Mittel der Wettervorhersage heranzuziehen. Wenn eines nicht geht, dann von dem Wetter des einen Monats auf das Wetter des Folgemonats schließen. Die Karten werden nach jedem Monat neu gemischt. Ausnahmen bestätigen die Regel und dem Klimawandel sei es geschuldet, dass manche Prozesse in der Atmosphäre mitunter langsamer verlaufen und sich somit Muster, wenn sie sich erst mal eingefahren haben, dann auch wiederholt ablaufen. Das lässt Wettermuster mitunter länger stehen und es kommt zu monatlichen Überlappungen.

Zwischenmonat mit viel Energie

Im Grunde seines Daseins ist der Monat Juni eher ein Zwischenmonat, obwohl in ihm bereits maximal Energie steckt. Schließlich steht die Sonne jetzt am höchsten. Unentschlossenheit kommt über Episoden wie die „Schafskälte“ zum Ausdruck. Aber natürlich hat auch hier der Klimawandel seine Finger im Spiel. Verschiebungen der Temperaturen nach oben hin zu mehr Wärme führen unweigerlich zu mehr lokalen Instabilitäten. Da kann es bei Blitz und Donner öfter copy and paste heißen, die Gewitter werden heftiger. Allerdings, wo sich diese jedes Mal genau entladen, folgt keiner Dokumentation, ist schlichtweg nicht abgespeichert.

Meeno Schrader

Schon seit seinem 15. Lebensjahr ist das Wetter für Meeno Schrader weit mehr als nur Small Talk. Er hat es an den unterschiedlichsten Plätzen der Welt „getestet“ und lebte und arbeitete unter anderem in Australien, Korea, der Karibik und den USA. Seit 2002 ist er der „Wetterfrosch“ des Schleswig-Holstein-Magazins beim NDR. In der Lebensart verrät er jeden Monat einen Gedanken aus seinen Wetterwelten.

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