„Lass uns doch mal nach Slowenien fahren!“ Zugegeben, das kleine Land zwischen den Tourismus-Hochburgen Österreich und Kroatien hatte unsere Volontärin Maya nie wirklich auf dem Schirm. Aber kaum dort angekommen, hat sie sich direkt in das kleine und doch so vielseitige Land verliebt …
Von malerischen Bergen über blaue Flüsse bis hin zu mediterranen Weingütern – obwohl Slowenien flächenmäßig kaum mit dem Bundesland Hessen mithalten kann, ist die Landschaft unbeschreiblich vielfältig. Besonders in Erinnerung blieben mir aber nicht nur die traumhaften Panoramen, sondern vor allem die Menschen, die Slowenien ihr Zuhause nennen. Meistens übernachteten wir mit dem Dachzelt auf Bauernhöfen und kamen dort in den Genuss der slowenischen Gastfreundschaft. Bedeutet konkret: Fünf-Gänge-Menüs aus frischen Zutaten vom eigenen Hof, Wegzehrung in Form von selbst angebautem Gemüse und Obst, hausgebrannte Schnäpse und stundenlange, herzliche Gespräche über Gott und die Welt.



Urlaub auf Umwegen
Wer einen Urlaub in Slowenien plant, stößt bei der Vorbereitung auf namhafte Sehenswürdigkeiten wie Bled oder den See Bohinj. Auch unser Plan war es, die bekanntesten Spots abzuklappern und uns mit Auto und Dachzelt von Zeltplatz zu Zeltplatz treiben zu lassen. Doch Fehlanzeige! Fast alle Zeltplätze waren restlos ausgebucht, nicht nur für Tage, sondern teilweise für Wochen. Plan B musste her. Mit der App park4night fanden wir bezaubernde Bauernhöfe, die uns stets mit einem Schlafplatz willkommen geheißen haben. Und dieser Ausweichplan erwies sich als Glücksgriff. Wir lernten das Land und seine Leute auf eine ganz besondere Art und Weise kennen – abseits der (sofern man überhaupt davon sprechen kann) touristischen Pfade. Obwohl wir – trotz allem – einigen bekannten Sehenswürdigkeiten einen Besuch abstatteten, waren es doch vielmehr die unbekannteren Spots, die mächtig Eindruck hinterließen. So zum Beispiel das Schloss Predjama, eine imposante Höhlenburg, die uns fast glauben ließ, wir befänden uns mitten in einem Herr-der-Ringe-Film, die gigantischen Tropfsteinhöhlen von Postojna oder die malerischen Weingüter in der Primorska-Region.



Von Kiel in die Karawanken
Aber erst mal alles auf Anfang: Hinter uns liegen 13 Stunden Fahrt, als wir den Wurzenpass überqueren und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Obwohl uns die Berge schon eine Weile begleiten, ändert sich die Szenerie schlagartig. Die Serpentinen führen mitten durch die imposanten Karawanken im Nordwesten Sloweniens. Die Straßen sind teilweise so eng, dass wir fürchten, bei einer falschen Lenkbewegung schneller unten anzukommen, als uns lieb ist. Links und rechts traben Kühe und Schafe unbeirrt die Serpentinen entlang. Die Reiseroute führt uns zunächst nach Tolmin, einem wenig touristischen Ort direkt an der Soca. Von dort aus unternehmen wir verschiedene Touren, etwa zum Wasserfall Slap Kozjak, und nutzen die Tage, um ein wenig zu entspannen und in die 14 Grad kühle, azurblaue Soca zu hüpfen – bei 34 Grad Außentemperatur eine echte Wohltat. Danach geht es weiter in den Südwesten Sloweniens, genauer gesagt in die Primorska-Weinregion – eine der drei Weinbauregionen Sloweniens. Landschaftlich wieder ganz anders als der Nordwesten, aber nicht weniger malerisch. Ein Weingut reiht sich an das nächste und die Architektur lässt uns spüren, dass es nicht mehr weit ist bis zur italienischen Grenze. Wir schlagen unser Lager auf dem Weingut Širca Kodric auf. Bei Käse, Oliven und Brot dürfen wir uns anschließend durch die komplette Wein-Bandbreite schlürfen. Was als Weinprobe beginnt, endet in einem gemütlichen Abend mit langen Gesprächen.



Verliebt in Ljubljana
Wir ändern die Route und steuern in nordöstliche Richtung – nach Ljubljana. Mit rund 290.000 Einwohnern ist die slowenische Hauptstadt verhältnismäßig klein, steht aber (meiner Meinung nach) Metropolen wie Paris oder Amsterdam in nichts nach. In die wunderschöne Innenstadt mit ihren Brücken und Gassen verlieben wir uns sofort. Uns fällt auf, wie grün es hier ist. Besonders gut: Alles ist fußläufig erreichbar. Über der Stadt thront die Burg von Ljubljana, überall ist Straßenmusik zu hören. Wir lassen uns durch die lebendigen Straßen treiben, vorbei an Boutiquen und Restaurants bis zur berühmten Drachenbrücke. Ganz in der Nähe befindet sich auch der zentrale Markt – ein echter Geheimtipp für alle Genießer*innen.



Allmählich neigt sich die Reise dem Ende entgegen und wir düsen wieder in Richtung Wurzenpass, passieren auf unserem Weg erst hügelige, dann bergige Landschaften. Wir ziehen vorbei an den slowenischen Häusern mit ihren riesigen Gemüsegärten, die so manche*n Hobbygärtner*in sprachlos zurücklassen. Neben all den atemberaubenden Eindrücken der letzten zwei Wochen ist uns eines ganz besonders bewusst geworden: Es muss auf Reisen gar nicht immer alles nach Plan laufen. Oft sind es die Umwege und die spontanen Entdeckungen, die besonders Eindruck schinden. Denn auf diesem Wege durften wir viele herzliche Menschen kennenlernen und ganz besondere Ecken erkunden, die man nicht unbedingt in jedem Reiseführer findet. Eins steht fest: Wir kommen definitiv wieder!
Fotos: Maya Schukies