
Lale hat eine problematische Kindheit im Berlin der 1980er Jahren. Ihre Mutter ist schwer drogenabhängig und nicht in der Lage, sich um Lale in angemessener Weise zu kümmern. Also kommt sie zu ihrem Vater, der wiederum in einer Art revolutionärer Männer-WG lebt, die für die Erziehung eines jungen Mädchens auch nicht gerade sonderlich gut geeignet ist. Lale genießt einerseits zwar die totale Freiheit, darf Süßigkeiten essen, Fernsehen wie sie will und ebenso lange aufbleiben. Andererseits aber lebt sie mit gesellschaftlich eher randständigen Männern in chaotischen Verhältnissen zusammen und muss sie sich gegen Übergriffe wehren. Und sie wird mit idealistischen politischen Kämpfen, einem eher abzulehnenden, herabwürdigenden Frauenbild sowie einer wilden Partygesellschaft konfrontiert, was ihr die Orientierung für ihr Leben nicht gerade einfacher macht. Das gilt auch für den Berliner Kiez, in dem sich RAF-Sympathisanten und merkwürdige Intellektuelle herumtreiben und ein anarchistisches Milieu vorherrscht. Lale sucht nach einem Halt, nach Verlässlichkeit und nach Geborgenheit und sie sucht nach ihrem eigenen Weg. Allein die Besuche der Fürsorge sorgen dabei für Momente der Alltäglichkeit, wenn die Wohnung aufgeräumt wird und sie mit Blick auf ihre Aussage „gebrieft“ wird. Wird Lale den Weg aus der ordnungs- und regellosen Kindheit und Jugendzeit finden und sich befreien können? (hb)

„Mit beiden Händen den Himmel stützen“ ist ein bewegender Debütroman von eindringlicher literarischer Kraft, der ob seiner herzergreifenden Themen unter die Haut geht, aber dabei zugleich hoffnungsvoll stimmt.






