SPD und Grüne in Hamburg haben sich auf ein Konzept für eine autofreie Innenstadt geeinigt. Dies soll die Attraktivität des Stadtzentrums steigern und mehr Platz für Fußgänger und Gastronomie schaffen. 

Seit Monaten schon kämpfen Hamburgerinnen und Hamburger in einer Volksinitiative um eine autofreie Innenstadt. Vieles spricht dafür, vieles dagegen – wie immer. Doch jetzt haben sich SPD und Grüne bei ihren Koalitionsverhandlungen auf eine „autoarme“ Innenstadt geeinigt. Am Jungfernstieg sollen künftig keine Autos mehr fahren dürfen, nur noch Busse. In der Mönckebergstraße soll der Busverkehr schrittweise reduziert und auf die Steinstraße verlegt werden. Ein vorübergehender Modellversuch soll folgen, in dem die Mönckebergstraße komplett zur Fußgängerzone wird. Auch das Passagenviertel soll autofrei werden, lediglich der Zugang zu den Parkhäusern bestehen bleiben. Die Planungen sollen bis Ende Juni abgeschlossen und alle Entscheidungen getroffen sein.

Prominente Vorbilder
mit autofreien Stadtzentren

Oslo: Die norwegische Hauptstadt geht im Bestreben um mehr städtische Lebensqualität rigoros vor: Seit 2019 dürfen keine Privat-Pkws mehr in die Innenstadt. Oslo war damit die erste europäische Großstadt mit einem radikalen Autoverbot. In Zukunft will man den öffentlichen Nahverkehr und E-Bikes mehr fördern – und 60 Kilometer zusätzliche Radwege bauen.

Madrid: Auch die spanische Hauptstadt leidet unter einem Abgasproblem und lässt im Kernbereich der Altstadt nur noch Anwohner-PKWs zu. Andere Autos dürfen nur auf bestimmten Hauptstraßen fahren. Mehr Fußgänger- und verkehrsberuhigte Zonen sollen die Stadt attraktiver machen. Außerdem müssen Besitzer von Dreckschleudern auch beim Parken mehr bezahlen: In die neuen Parkuhren muss man das Autokennzeichen eingeben – für Autos mit hohen Schadstoffwerten werden höhere Gebühren fällig.

Helsinki: Die finnische Hauptstadt hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 eine Infrastruktur aufgebaut zu haben, die einen Privat-Pkw eigentlich überflüssig macht. Per Handy-App sollen sich die Einwohner die jeweils passende Mobilitätsform zusammenstellen – eine Art gemeinnütziges Uber für den Nahverkehr.