
Die Zwillinge Stefania und Stefano verbindet eine düstere und schreckliche Kindheit. Nun aber leben sie gemeinsam als Liebespaar, das symbiotisch aneinanderklebt, in dem idyllischen toskanischen Ort Ambra. Sie arbeitet in einer Osteria, er als Handwerker. Eigentlich ein perfektes Leben, wäre Stefania nicht kreuzunglücklich darüber, dass sie mit Stefano keine Familie haben kann. Als ein verliebtes Touristenpärchen in der Osteria auftaucht, welches an einer einsamen Stelle zeltet, brennen bei Stefania alle Sicherungen durch. In der Nacht schleicht sie sich zu dem Zelt und tötet die Deutsche und den Deutschen. Maresciallo Donato Neri, der auf dem Weg ins Rentendasein ist und mit seinem Älterwerden so seine Probleme hat, und seine Nachfolgerin Marescialla Romina Roselli stehen vor einem Rätsel. Als ein zweites Pärchen von Stefania erschossen wird, die zuvor ein Kind von Stefano abtreiben lassen musste, da sie beide eben als Geschwister nicht gemeinsam Eltern werden dürfen, überlebt die Frau, die schwangere Flora, im Gegensatz zu ihrem Mann Carlo die Tat. Als sie aus dem Koma erwacht, kann sie sich jedoch nicht an den Täter erinnern. Stefania, die inzwischen Stefano heimlich verlassen und Unterschlupf als Novizin in einem Nonnenkloster gefunden hat, bringt auch Flora im Krankenhaus um. Nun scheint alles gut zu sein und niemand wird ihr mehr auf die Spur kommen. Wäre da nur nicht noch dieser furchtbare Alltag im Kloster – und ein weiteres glückliches Paar vor ihren Augen … (hb)

Mit viel Raum für ihre Charaktere schildert Sabine Thiesler in ihrem literarischen Thriller „Leb wohl, Schwester“, wie ein verzweifelter Mensch innerlich dazu getrieben wird, zu einer Mörderin zu werden. So schwanken die Leser*innen bei der Lektüre zwischen Mitleid mit und Verständnis für Stefania und zugleich Abscheu wegen ihrer schrecklichen Taten hin und her.