Kleines Land, große Vielfalt

Mit dem Dachzelt durch Slowenien

Ein Urlaub voller Premieren: erster Urlaub mit einem Dachzelt und das erste Mal in Slowenien,
ein Land voller Vielfalt.

von Mirjam Stein

Slowenien ist ein kleines Land. Flächenmäßig ist es mit ​​20.273 Quadratkilometern nur ein bisschen größer als Rheinland-Pfalz und beheimatet 2,1 Millionen Einwohner:innen. Außerhalb der Landesgrenzen ist es nur wenigen bekannt, viele verbinden es mit dem ehemaligen Jugoslawien. Auch uns hat es nur wegen der Wetterumstände dorthin verschlagen. Anfang des Jahres haben wir ein Dachzelt gebucht für Ostern – im April. Damit die Nächte nicht zu kalt werden, mussten wir umdisponieren und klickten uns am Tag vor der Abreise durch die Wetterapp. Slowenien bot vielversprechende Temperaturen, keine Gewitter und gleichzeitig mit rund 14 Stunden Autofahrt eine angenehme Distanz. Doch ich würde diesen Reisebericht nicht schreiben, wenn die Geschichte genauso nüchtern weitergehen würde. Slowenien hat uns begeistert! Trotz der Größe bietet das Land eine wahnsinnige Vielfalt, die wir innerhalb einer Woche gar nicht komplett erkunden konnten. 


Für unsere erste Tour entschieden wir uns für ein Hartschalendach, weil der Aufbau so leicht ist. Beim nächsten Mal würden wir allerdings ein Klappdachzelt verwenden, da es automatisch einen Unterstand bietet

Abgesehen vom Reiseziel war für uns auch die Reiseart neu. Als eingefleischte Camper waren wir bereits mit Van oder Zelt unterwegs, aber ein Zelt auf dem Autodach haben wir noch nicht getestet. Die erste Erkenntnis hatten wir direkt in der ersten Nacht nördlich von Nürnberg. Trotz Thermoisolierung ist es im Dachzelt ganz schön kalt. Bei -0,5 °C und leichtem Schneefall half nur noch das Zwiebelprinzip: eine Schicht über der anderen und zum Schluss eine Mütze auf. Zum Glück wurde es in den darauffolgenden Nächten etwas wärmer, tagsüber hatten wir großartiges Wetter und konnten Slowenien in vollen Zügen genießen. 

Süße Verführung 

Bled wurde uns kurz vor der Abreise empfohlen. Bekannt geworden ist der Ort durch den wunderschönen See, in dessen Mitte sich auf einer kleinen Insel ein beliebter Wallfahrtsort befindet. Perfekt, um einfach die Seele baumeln zu lassen, sich die Kirche anzuschauen oder durch handgemachte Souvenirs zu stöbern. 

Der Rundweg entlang des Sees führt Wandernde in den Ort Bled, der selbst wenig touristische Highlights bietet. Das eine ist dafür umso leckerer: 1953 kreierte ein Koch einen Kuchen, der inzwischen als Spezialität des Landes gilt. Die sogenannte Kremšnit besteht aus einer dünnen Schicht Blätterteig, einer dicken Schicht Vanillecreme mit Sahne getoppt und wieder Blätterteig mit Puderzucker bestäubt. Das Verzehren ist durch den harten Blätterteig kein leichtes Unterfangen, aber es schmeckt richtig lecker, wie wir auf der Burg von Bled, der ältesten Burg Sloweniens, mit Blick auf den See endlich selbst feststellen durften. Im Innenhof gibt es auch eine kleine Druckerei, in der Andenken handgefertigt werden, sowie eine Weinhandlung. Ein weiteres, rasantes Highlight von Bled wird uns ein paar Tage später wieder in diesen Ort lotsen. 

Natur pur


Slowenien ist ein Naturwunder, überall ist es grün. Für das Engagement in der Natur hat das Land als erstes weltweit den Titel Grüne Destination erhalten. Sogar die Flüsse zeigen sich solidarisch und färben sich grün

Nach dieser eher ruhigen Urlaubshälfte brauchten wir nun etwas mehr Abenteuer und so fuhren wir zum See Bohinj. Noch einer dieser vielen schönen Orte in diesem kleinen Land. Wir bauten unser Zelt direkt in zweiter Reihe am See auf. Wobei „aufbauen“ fast schon übertrieben ist. Man muss nur eine Schnalle lösen und dem Zeltkasten mehrere kleine Schubse geben. Den Rest macht das Nachtlager von alleine. Vom Zelt aus blickten wir auf die andere Uferseite. Schroffe Felsen ragen in die Höhe und versprechen viel Abenteuer für Outdoorfans. Wir stiegen am nächsten Tag zum Savica Wasserfall auf und hatten Glück. Slowenien war noch nicht so überlaufen mit Tourist:innen, sodass uns auf dem Weg keine Menschenmassen begegneten. Durch die Bäume erhaschten wir immer wieder wunderschöne Aussichten auf die Landschaft. Oben angekommen, war der Ausblick atemberaubend. Die Felsen zu beiden Seiten des Sees ragen direkt ins Wasser hinein. 

Am stählernen Seil hängen

Den krönenden Abschluss unseres Slowenienurlaubs verbrachten wir in einem Klettergurt hängend und mit baumelnden Beinen über einer Schlucht bei Bled. Kurz gesagt: Wir fuhren Seilbahn. Sieben Stück nacheinander, insgesamt 4 Kilometer Zipline und damit die längste in Europa. Dabei geht es aber nicht nur um den Fahrspaß und die fantastische Aussicht, sondern auch darum, die Aufmerksamkeit der Gäste auf die Natur zu lenken. Die Zipline überspannt den Fluss Dolinka. 2004 konnte die Bevölkerung erfolgreich verhindern, dass ein Damm gebaut wird, der dem Tal einen erheblichen Schaden zugefügt hätte. Die Seilbahnen und Verbindungswege wurden mit Bedacht platziert, ohne die Bäume zu beschädigen. Das Erlebnis aus der Vogelperspektive ermöglicht es Tourist:innen, das Tal in seiner ganzen Schönheit zu genießen und wertzuschätzen, ohne es zu beeinträchtigen. Unser Tourguide erklärte uns nicht nur die Geschichte und Bedeutung des Tals für die Natur, sondern auch die Pflanzen auf unserem Weg. Als Studentin der Forstwirtschaft setzt sie sich täglich mit Naturschutz auseinander. Die Zipline Tour war für uns nicht nur ein Abenteuer, sondern auch ein willkommener Denkanstoß.

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