
Nadia, Mitte 30, promovierte Akademikerin, recht gemäßigte und ziemlich freigeistige Muslimin, was ihrer Mutter, die deutlich strenggläubiger ist, Probleme bereitet, hat es geschafft: Sie hat endlich eine feste Stelle als College-Dozentin ergattert. Da wird ihr nahegelegt, weil es ihr Promotionsthema gewesen ist, gleich zum Start ihrer Universitätskarriere ein Sabbatical einzulegen und in den Irak zu fahren, um ein Deradikalisierungsprogramm der UN zu leiten. Bei diesem Wiedereingliederungsprogramm soll IS-Frauen geholfen werden. Kaum ist Nadia aus London im Irak angekommen, wird sie, die einerseits bisexuell ist, andererseits gerade das Scheitern der Beziehung mit ihrer großen Liebe Rosy erleben musste, mit der Wirklichkeit konfrontiert. Nicht nur stößt sie auf Widerstände, mit denen sie überhaupt nicht gerechnet hat, sondern auch auf Mitarbeitende, die alles andere als normal sind und alle so ihre Eigenheiten haben und ihre Pfründe, also Gelder, eifersüchtig bewachen. Schnell tritt Nadia von einem ins nächste Fettnäpfchen. Und sie lernt den Militär Tom kennen, einen muskulösen, großen Mann, mit dem sie flugs im Bett landet. Während sie mit ihrer schwierigen Mutterbeziehung hadert und das Beziehungsende mit Rosy zu verwinden sucht, trifft sie im Frauencamp auf die neunzehnjährige Muslimin Sara, die nach der Deradikalisierung in ihre britische Heimat zurückgeführt werden soll. Sara ist mit einer Freundin als Fünfzehnjährige zum IS gekommen. Nadia erkennt sich selbst in Sara wieder – und ein mögliches Schicksal, wie es ihr hätte passieren können. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um Sara zu „retten“. Doch ein Interview und ein Kind bringen alles durcheinander und Nadia muss unkonventionelle Wege einschlagen. Lohnt sich ihr Engagement? Und wird es ihr gelingen, eine junge Frau dem IS zu entreißen? (hb)

Nussaibah Younis hat mit „fundamentalös“ einen großartigen Debütroman geschrieben, der überaus unterhaltsam und humorvoll sowie eine sehr fesselnde Lektüre ist. Der augenzwinkernde Blick der Autorin, die selbst für die UN gearbeitet hat, hinter die Kulissen von UN-Missionen ist dazu höchst interessant.






