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Unsere Redakteurin Natalie Zahnow war auf der Suche nach einem Kurztrip-Ziel für drei Generationen – mit kurzen Wegen, viel Kultur und schönen Aussichten. Im tschechischen Karlsbad fand sie genau das.

Mein Wunsch war eigentlich ganz einfach: eine richtig schöne Rentner-Auszeit. Perfekt für meine Mutter mit Rollator, meine Kinder mit kurzen Beinen, die beim Stadtbummel irgendwann zuverlässig „Wie weit noch?“ fragen – und für mich mit genügend Kultur, Geschichte und schönen Aussichten zum Entdecken. Karlsbad, auf Tschechisch Karlovy Vary, hat tatsächlich all meine Wünsche erfüllt. Die berühmte Kurstadt lässt sich wunderbar in gemächlichem Tempo erkunden. Wobei ich schnell feststellen musste: Die imposantesten Ausblicke gibt es dann doch für diejenigen, die bereit sind, immer wieder kleine Treppen und steile Wege hinaufzusteigen. Von oben zeigt sich die Stadt dafür besonders eindrucksvoll.

Schmuckkästchen in Böhmen

Schon die Anreise aus Norddeutschland stimmt auf die Reise ein. Besonders die Fahrt durch das sächsische Erzgebirge mit seinen kleinen Orten, bewaldeten Hängen und verwunschen wirkenden Ecken macht Lust auf Böhmen. Und dann Karlsbad selbst: Die Stadt wirkt wie ein kleines Schmuckkästchen. Prächtige Fassaden, elegante Kolonnaden und traditionsreiche Hotels säumen das Tal, durch das sich der Fluss Tepl schlängelt. An vielen Ecken lässt sich erahnen, warum Menschen seit Jahrhunderten hierherkommen, um sich zu erholen und die besondere Atmosphäre des Kurortes zu genießen.

Untergebracht waren wir stilecht in einem Kurhotel. Wer möchte, kann hier nicht nur ein paar entspannte Tage verbringen, sondern sich Gesundheitsanwendungen gönnen oder gleich einen ausgedehnten Kuraufenthalt daraus machen. Wir beließen es bei der gemütlicheren Variante – und machten uns auf zu den berühmten Thermalquellen.

Mit Schnabeltasse von Quelle zu Quelle

Dafür brauchten wir natürlich zunächst die passende Ausstattung: Für jeden von uns kaufte ich eine der typischen Karlsbader Trinkkuren-Tassen. Die gibt es in unzähligen Formen, Farben und Mustern und sie besitzen einen hohlen Henkel mit kleiner Trinköffnung, durch die das warme Thermalwasser geschlürft wird. Angeblich lässt es sich so besonders langsam und bekömmlich trinken. Vor allem aber macht es großen Spaß, mit der eigenen Tasse von Quelle zu Quelle zu ziehen. Und ein hübsches Souvenir für zu Hause hat man damit auch gleich gefunden.

Das Wasser selbst ist gewöhnungsbedürftig – je nach Quelle unterschiedlich warm und mit deutlich mineralischem Geschmack. Gerade das macht die Thermalquellen-Wanderung durch Karlsbad aber zu einem Erlebnis. Statt Sehenswürdigkeiten abzuhaken, spaziert man durch Kolonnaden, probiert, schaut und zieht weiter.

Eine Stadt für ruhige Tage

Überhaupt liegt der Reiz Karlsbads im gemächlichen Tempo. Man muss hier nicht möglichst viel Programm in einen Tag packen. Spazieren, einkehren, genießen – und zwischendurch vielleicht doch noch ein paar Stufen erklimmen. Gerade in den kühleren Zeiten im Frühling und Herbst passt dazu die deftige tschechische Küche wunderbar. Wenn es draußen frisch wird, schmecken Knödel, kräftige Soßen und andere böhmische Klassiker in den urigen Restaurants gleich doppelt so gut.

Karlsbad hat uns gezeigt, dass eine Reise für drei Generationen erstaunlich unkompliziert sein kann. Meine Mutter konnte die Stadt in ihrem Tempo erleben, die Kinder mussten keine endlosen Strecken bewältigen – und ich bekam Architektur, Geschichte und Aussichten satt. Eine Rentner-Auszeit also? Unbedingt. Nur eine erstaunlich schöne für alle Altersklassen.

Text: Natalie Zahnow
Fotos: Adobe Stock (1); Natalie Zahnow (3)

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