Hertha Laß ist Rentnerin und hat viel gearbeitet in ihrem Leben. Sie erfüllt auch heute noch ihre täglichen Pflichten. Doch wenn eine Busreise ansteht, lässt sie alles stehen und liegen. Dann wird gebucht! „Das ist mein Jungbrunnen“, schmunzelt sie.
Die erste Bustour hatte sie mit ihrem Mann unternommen, als dieser in Rente ging. Es war eine fünftägige Reise nach Rügen. „Wir wollten das mal ausprobieren, weil alle Welt begeistert davon sprach. Und es gefiel uns beiden richtig gut, weil wir das Gefühl hatten, einfach mal die Verantwortung abgeben zu können. Mein Mann und ich waren beruflich und privat immer sehr aktiv und eingespannt. Und plötzlich saßen wir im Bus, konnten uns die Gegend angucken, auf Zwischenstopps auch mal ein Bierchen trinken und einfach entspannen. Das war eine völlig neue Erfahrung für uns“, erzählt die Seniorin.
Der Bustour-Virus
Was ihr immer besonders gut gefällt: „Man kommt mit den Mitreisenden ins Gespräch und lernt viele Menschen kennen.“ Oft fuhren sie und ihr Mann zusammen mit Verwandten und Bekannten, denn auch die waren inzwischen vom Bustour-Virus befallen und freuten sich auf neue Reiseabenteuer. Nach den ersten Touren waren dann immer wieder mal „alte Bekannte“ im Bus, mit denen man schon Reisen unternommen hatte. Ein schönes Wiedersehen für alle Beteiligten. „Man schwelgt in Erinnerungen und freut sich auf die Tage, die vor einem liegen“, erzählt Hertha Laß. Oft bucht sie nur für vier bis fünf Tage, manchmal auch längere Touren bis zu 10 oder 14 Tage.

Von Holland bis Kroatien
Nach inzwischen über 25 Jahren „on Tour“ hat die ehemalige Hausfrau und Mutter schon viel gesehen. Auf die Frage, was sie denn schon alles bereist hat, sprudelt es nur so aus ihr heraus. „So wunderschöne Länder wie Polen, Lettland, Estland, Tschechien, Luxemburg, Österreich, Holland, aber auch viele Städte und Landkreise, zum Beispiel ging es zur Apfelernte ins Alte Land oder nach Oberwiesenthal, Usedom, in die Lüneburger Heide, zum Bodensee, nach Prag, auf die Insel Juist, an die Kurische Nehrung sowie an Rhein, Mosel und Lahn“, zählt sie auf. Während des Gesprächs fallen ihr immer wieder neue Ziele ein, die sie schon bereist hat. „Ach ja, in Kroatien waren wir ja auch!“ Das war die weiteste Busreise, die die heute 80-Jährige bislang gemacht hat. Natürlich ist sie auch schon mal mit dem Flugzeug unterwegs gewesen. Aber das ist für sie nicht vergleichbar. „Nichts und niemand toppt eine Busreise in geselliger Runde“, findet sie.
Vereinstouren
Viele Bustouren haben sie und ihr Mann mit lieben Verwandten und Freund*innen gemacht, aber auch mit Vereinen, denen sie angehörten. Sie sind unvergessen. „Fast schon legendär“, schmunzelt die Rentnerin. „Diese Touren waren immer am lustigsten. Ich gebe zu, dass es das eine oder andere kleine Likörchen im Bus gab. Entsprechend war die Stimmung gelockert. Wir haben dann immer gesagt, dass das Getränk zum Bakterienabtöten gut ist“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Und man sieht ihr an, wie sie die Reise im Geiste noch einmal durchlebt. „Das ist das Schöne am Reisen: Man nimmt die Erlebnisse für immer mit und kann sich jederzeit wieder daran erinnern und erfreuen.“
Einfach mal raus
Auch nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2009 fährt die Seniorin gerne noch auf Tour. „Einfach mal raus und was anderes sehen – auch wenn es nur für ein paar Tage ist“, sagt sie. Dabei kann es passieren, dass sie auch zweimal an denselben Ort fährt. Wien, München, Regensburg, Riga, Tallinn und Danzig standen schon öfter auf ihrem Reiseplan. Langweilig findet sie das überhaupt nicht. „Wir haben am Ort ja immer einen anderen Reise-Guide. Da erfährt man dann auch mal andere Dinge. Ich sehe die Bustouren tatsächlich ein bisschen als Bildungsurlaub. Man lernt so viel, erfährt, wie andere Städte Probleme lösen, die wir auch haben, und nimmt eine ganze Menge an Wissen und Erfahrungen mit nach Hause.“

Bein-Gymnastik im Bus
Das oftmals lange Sitzen im Bus stört sie nicht. „Ist nicht schlimm. Ich schaue gerne aus dem Fenster, und wenn man Glück hat, ist man mit einer Gruppe unterwegs, die unterhaltsam ist“, findet sie. „Alle zwei Stunden hält der oder die Busfahrer*in an, damit wir uns die Beine vertreten können, und im Bus selber machen wir Bein-Gymnastik. Das hilft auf langen Touren.“
Die längste Anfahrt, die sie mal erlebt hat, war eine Bustour nach Polen. „Das war die Fahrt mit Hindernissen. Wir hatten so viele Umleitungen und Staus, dass wir erst sehr spät abends ankamen. Mich und die Mitreisenden störte das nicht, aber der Fahrer tat mir doch sehr leid.“
Die lustigste Tour
Den bisher lustigsten Trip hat die reisefreudige Nordfriesin noch sehr gut in Erinnerung. „Da waren wir noch jung“, schmunzelt sie ein wenig verlegen, während sie überlegt, ob sie die Geschichte erzählen soll, tut es aber dann doch: „Das war eine Reise, die ich noch mit meinem Mann und seinen Berufskollegen gemacht habe. Wir bekamen abends in der Gaststube so viel Hochprozentiges, dass wir eine Polonaise durch den Saal und zurück durch die Fenster der Gaststube gemacht haben.“ Sie lacht, während sie die Geschichte erzählt, ist noch mal zurück auf dem Berg im Sauerland, in der guten alten Zeit. „Auf dem Heimweg sind wir lachend den schneebedeckten Abhang runtergekullert und haben im Hotelpool noch bis spät in die Nacht viel Spaß gehabt. So eine sehr ausgelassene Tour hat man aber eher selten.“
„Normale Hotels – wie wir“
Ihre jüngste Fahrt hat sie gerade hinter sich. Im November ging es noch mal für fünf Tage nach Bayern. „Das war eine sogenannte ‚Fahrt ins Blaue‘. Wenn man die bucht, weiß keiner, wo es hin geht. Das ist dann immer eine tolle Überraschung. Auf der Hintour sind alle am spekulieren, wo es denn hingehen könnte. Man schaut natürlich genau, wo der Bus abbiegt und wo nicht. Ich habe noch nie erlebt, dass der Zielort nicht gepasst hat. Diesmal hatte ich in Viechtach einen wunderschönen Blick von meinem Zimmer aus über die Wiesen.“
Die Hotels sind sehr passend, findet die Rentnerin. Meistens geht es in Gasthöfe oder in 3-Sterne-Hotels. „Kein Luxus, sondern alles ganz normal – wie wir“, lacht sie und man sieht ihr an, wie sie sich auf weitere Touren freut. Als Witwe bucht Hertha Laß gerne Einzelzimmer. Sie braucht abends ihren Rückzugsort. „Aber ich kenne einige Mitreisende, die sich zusammentun und ein Doppelzimmer buchen. Das macht jeder, wie er möchte.“

Gerne auch Tagestouren
Und die nächste Tour? „Das wissen wir noch nicht. Ich bin einmal in der Woche zum Frühstückstreff mit Freund*innen verabredet und dort besprechen wir in großer Runde, was als Nächstes ansteht. Bis dahin buche ich gerne auch mal eine Tagestour, etwa zu den Weihnachtsmärkten, zum Schloss Bückeburg, nach Büsum oder an den Nord-Ostsee-Kanal. Das bringt das Urlaubsfeeling zurück.“ Eines steht für die Seniorin fest: „Die Würstchen schmecken im Reisebus immer am besten – in Gesellschaft und umgeben von fröhlichen Urlaubsgesichtern. Der Alltag kann zu Hause bleiben!“

Fotos: Adobe Stock (1) / Marion Laß (1) / Hertha Laß – privat







