On Air auf Föhr

Spontane Ideen sind meist die besten. Und so konnte der plötzliche Einfall eines engagierten Föhrers nur ein Erfolg werden. Stefan Gaul wollte Radio machen – für die Insulaner*innen und alle, die sein Zuhause genauso sehr lieben wie er. Seit über einem Jahr ist er nun auf Sendung. Lebensart-Redakteurin Nicole Groth sprach mit dem Initiator über den holprigen Anfang, interessante Interviewgäste und die Besonderheiten des einzigen Radiosenders auf dem Nordsee-Eiland.

Herr Gaul, wie kam es zu Ihrem Einfall, Föhr einen Radiosender zu bescheren?

Mit dem Sender sollte in den schweren Zeiten den Bewohnern und Unternehmen eine Plattform für Informationen und Unterhaltung rund um die Insel geboten werden.

Für die Insulaner*innen haben Sie auch ein besonderes Angebot, nicht wahr?

Ja, genau. Firmen, Künstlern und Vereinen von der Insel bieten wir die Möglichkeit, sich kostenlos zu präsentieren. Die Beiträge gestalten wir gern mit ihnen zusammen.

Fokussieren Sie sich nur auf Föhr-spezifische Themen?

Informationen, die alle etwas angehen, wie z. B. Updates zur Corona-Lage, senden wir natürlich auch. Aber, wir wollen uns als Inselradio auch abheben und anders sein, als die großen, bekannten Sender. Wir wollen etwas Besonderes bieten und konzentrieren uns deswegen auf Föhrer Themen. So halten wir die Insulaner und die vielen Urlauber in der Ferne, die Föhr lieben und vermissen, auf dem Laufenden.

Ihre Hörerschaft besteht also nicht nur aus Föhrer*innen?

Nein. Viele Leute von der Insel hören uns. Auch auf Amrum und Sylt. Wir nehmen nämlich auch Themen der anderen Inseln auf. Aber rund 80 Prozent unserer Hörer leben auf dem Festland. Wir werden zum Beispiel gehört in Elmshorn, Hamburg, Münster und auch Bayern.

Während der vergangenen Monate sprach das Radio-Team mit vielen verschiedenen Interviewgästen von der Insel wie etwa mit Hochzeitsplanerin und -rednerin Julia Gatz.

Und was bekommen Ihre Hörer*innen nun auf die Ohren?

Ein abwechslungsreiches Musikprogramm mit Hits aus den 80ern, 90ern und 2000ern. Natürlich auch aktuelle Charts und Schlager. Was wir auch senden sind Interviews mit Leuten von der Insel, aber auch mit bekannten Künstlern, wie Gabriella Engelmann. Eine sehr sympathische Autorin. Dank ihrer Mithilfe konnten wir auch schon Bücherverlosungen durchführen. Wir kommen aber auch mit Politikern ins Gespräch. Das kommt gut an. In der Regel haben wir täglich etwa 1.000 Hörer. Für ein Interview mit Ministerpräsident Daniel Günther hatten bis zu 4.000 Hörer eingeschaltet. Das zu erreichen, macht schon stolz. Vor allem, wenn man nächsten Tag im Supermarkt darauf angesprochen wird.

Wieso im Supermarkt?

Ich arbeite dort. Das ist mein Vollzeitjob. Radio mache ich zusätzlich, quasi als Hobby.

Das bekommen Sie täglich noch gewuppt?

Ja. Nach meiner Schicht geht es schnell unter die Dusche und dann wird noch drei Stunden das Programm zurechtgeschnitten.

Machen Sie alles alleine?

Ich mache viel, doch meine Moderationskollegin Konstanze Bunzel übernimmt auch einen großen Part. Außerdem haben wir noch ein engagiertes Team hinter uns. Wir haben zum Beispiel einen großes Back- und Kochfan unter uns. Jona ist 14 Jahre alt und nimmt regelmäßig seine Rezeptsendungen auf. Dann gehören zum Team noch Leute, die Interviews führen, das Musikprogramm gestalten oder auch unsere Internetseite bestücken.

Sind Sie selbst denn erfahren im Umgang mit dem Medium?

Jetzt schon. Aber ich hatte null Erfahrung als ich die Idee zum Inselradio hatte. Ich habe mir alles angelesen und einfach losgelegt. Denn viel Equipment braucht man dafür nicht. Einen PC, ein Mikrofon und gute Inhalte.

Hat denn alles von Anfang an geklappt?

Natürlich nicht (lacht). Unsere Premiere war eine Vollkatastrophe. Wir hatten ständig Störungen, weil wir gehackt wurden. Das war natürlich unangenehm, da vor allem zur ersten Ausstrahlung viele Föhrer eingeschaltet hatten. Dafür lief es danach immer wie am Schnürchen.

Aber auch Gäste vom Festland, wie Ministerpräsident Daniel Günther, holte das Team vor ihr Mikrofon.

Wenn Sie nun zurückblicken: Auf was sind Sie besonders stolz?

Wir konnten letztes Jahr mit unserem Radiosender die Spendenaktion „Familien im Mittelpunkt“ unterstützen. Über den Sender und die sozialen Medien haben wir die Aktion promotet. Am Ende kamen weit über 3.000 Euro zugunsten der Kinder aus sozial schwachen Familien zusammen. Dass wir diese wichtige Aktion unterstützen konnten, macht mich stolz.

Stolz können Sie auch darauf sein, schon über ein Jahr zu senden.

Ja, und wir hören auch noch lange nicht auf. Wir freuen uns schon jetzt darauf, wenn wieder mehr auf der Insel los ist und wir darüber berichten können.

>> www.mein-inselradio-foehr.de

Mein Inselradio Föhr
Mein Inselradio Föhr ging am April 2020 erstmalig auf Sendung. Das Internetradio kann als Livestream über jedes digitale Endgerät, aber auch über Alexafähige-Geräte sowie über die „Laut-Fm“-App gehört werden. Mein Inselradio ist ein nicht kommerzielles Projekt, das von Ehrenamtlern getragen wird. Gesendet wird rund um die Uhr. Alle Interviews können auf der Internetseite des Senders nachgehört werden.

Vorheriger ArtikelDorfkultur trifft Kunst
Nächster ArtikelLange Touren mit dem Traveller