Als Kind der Nordsee trage ich meine Küstenheimat natürlich immer im Herzen, egal wo ich bin. Seit ein paar Jahren lebe ich zwar in der attraktiven Fördestadt Kiel, doch jedem, der es wissen will oder auch nicht, mache ich direkt nach der Begrüßung klar: Ich komme aus dem wunderschönen Dithmarschen! Regelmäßig zieht es mich in die bekannten Gefilde an der Westküste, denn – mal ehrlich liebe Leser*innen – die Ostsee ist zwar „ganz nett“, aber wenn sie erstmal den ganz eigenen Charakter des Deichlandes und seiner Lüt kennengelernt haben, heißt es auch bei Ihnen: immer wieder Nordsee!

Husum, St. Peter-Ording, Büsum, Friedrichskoog – die Klassiker unter den Ausflugszielen zieren wohl jeden Reiseführer, der Besucher*innen einen umfangreichen Eindruck der Westküste vermitteln möchte. Alles reizvolle Orte, die mit Charme, Geschichte und beeindruckender Landschaft punkten. Doch wir Nordlichter gelten bekanntlich als bescheiden, bodenständig und ruhig (mit Ausnahme von Scheunenfesten). Deswegen möchte ich Ihnen ein paar Ziele vorstellen, die mit purer Natur und stiller Schönheit überzeugen.

Trockengelegtes Paradies

Ich gebe es nur ungern öffentlich zu, aber Nordfriesland ist wirklich schön. Zu meiner Freude muss man sich vom wirklich (!) schönsten Kreis im Norden – Dithmarschen – aber nicht weit entfernen, um das Land der Fischer auf sich wirken zu lassen. Direkt an der Eider liegt das Katinger Watt. Wer sich von der kleinen Hafenstadt Tönning aufmacht, um das Eidersperrwerk zu besichtigen, den führt sein Weg direkt durch dieses Naturschutzgebiet. Noch nicht einmal hundert Jahre ist es her, da schlug die raue Nordsee hier noch ihre Wellen. Um schweren Sturmfluten Herr zu werden, wurde der schützende Schleusenkoloss gebaut und so das Land dahinter trocken gelegt. Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie wunderschön ein Meeresboden sein kann. Weites grünes Land, ein Paradies für Vögel und eine angenehme Stille prägen das Gebiet. Als Ziel kann ich den Aussichtsturm „Kiek ut“ empfehlen – etwa auf halber Höhe der Straße zwischen Vordeich und Sperrwerk. Von dort oben lassen Sie einfach den Blick über das flache Land schweifen und erfreuen sich an der – auch ohne Meer – immer noch kraftvoll wirkenden Natur.

Auf Tuchfühlung mit der Natur

Der Nordsee ganz nah kommen, das geht im Wesselburener Koog in Dithmarschen! Direkt am Deich erwartet kleine und große Ausflügler*innen viel Platz zum Spazierengehen, Toben, aber natürlich auch Planschen. Das grüne Ufer wirkt irgendwie echter, naturnaher und uriger als ein kilometerlanger Sandstrand. Wer es sich hier mit Decke und Proviant gemütlich machen will, erlebt einen entspannten Tag am Wattenmeer, wahlweise auch mit romantischem Sonnenuntergang. Ob salziges Nordseewasser auf der Haut oder den Schlick zwischen den Zehen spüren – hier gehen Mensch aber auch Tier mit der Natur auf Tuchfühlung. Denn auch Fellnasen fühlen sich im Wesselburener Koog wohl, ist für Hunde und Halter*innen doch ein eigener Uferabschnitt vorgesehen. Trotz des herrlichen Blicks auf das wunderschöne UNESCO-Weltnaturerbe – das Wattenmeer – lohnt es sich, auch die Umgebung zu erkunden. Hofläden entlang der Dammstraße bieten die Schätze Dithmarscher Felder an. Obst und Gemüse direkt vom Bauern – frischer geht es nicht. Und wer so einen richtig kommoden Nachmittag mit Kaffee und Sahnetorte erleben will, sollte unbedingt im Koog Café vorbeischauen.

Frisches vom Feld: Im Wesselburgener Koog verkaufen Lamdwirt*innen ihre schmackhaften Schötze direkt auf dem Hof.

Romantisches Idyll

Ein richtig schnuckeliges Idyll finden Ausflügler*innen in der Marschgemeinde Süderdeich. Wer meint, nur in Kampen auf Sylt hübsche Reetdachhäuser zu finde, der irrt sich. Viele gepflegte Katen umgeben von einem reichhaltigen Baumbestand geben dem Dorf einen romantischen Touch. Die Dächer bestehen aus Schilfrohr, das zu früheren Zeiten reich in sumpfigen Gegenden zu finden war und sich hervorragend als Dämmstoff eignete. Der Bestand ist mittlerweile zurückgegangen und damit auch die große Nachfrage nach den charakteristischen Katen. Nicht so in Süderdeich, wie es scheint. Ein bisschen hat man das Gefühl, in eine friedvolle Welt einzutauchen. Wo kann diese auch anders zu finden sein, als in Dithmarschen!

Wandern in Dithmarschen

Wer das süße Dorf besuchen, sich dabei aber gern auch die Beine vertreten möchte, weckt die Wanderlust in sich. Der Hebbel-Rundwanderweg führt direkt an Süderdeich vorbei. Die Route startet in Wesselburen – der Geburtsstadt des Namensgebers und Dichters Friedrich Hebbel. Wie vor gut 200 Jahren der Dichter selbst umwandern Bewegungswillige auch heute den Ort. Der Pfad ist in drei Längenabschnitte zu acht bis zwölf Kilometern aufgeteilt. Los geht es am Gedenkstein Hebbels auf dem Friedhof. Hinweisschilder mit einer Schreibfeder markieren den Weg.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß in meiner wunderschönen Heimat!

Zu Fuß lässt sich die Schönheit Dithmarschens am besten genießen – etwa auf dem Hebbel-Rundwanderweg.