Freunde regionaler Produkte können in zwei Kieler Schwärmereien frische Leckereien direkt vom Erzeuger kaufen – und das sogar nach Feierabend. Aber was steckt dahinter?

Die Marktschwärmer bieten einen modernen Marktplatz, auf dem sich Kunde und Erzeuger nach wie vor persönlich treffen. Der Unterschied ist allerdings, dass der Kunde vorab genau das bestellt hat, was er braucht, und bereits online bezahlt hat. Dadurch wissen die Bauern genau, in welcher Menge sie welches Erzeugnis zum Markt mitbringen müssen und haben am Ende keine Reste übrig. Die Bestellung holt der Kunde einmal pro Woche in einer der beiden Kieler Schwärmereien ab. Es gibt zum einen die Schwärmerei im Café Mmhio im Knooper Weg 75, bei der donnerstags zwischen 17 und 18.15 Uhr leckere Waren aus der Region abgeholt werden können. Zum anderen hat im letzten Jahr eine Schwärmerei im Anscharpark in der Wik eröffnet, die mittwochs von 17 bis 18.30 Uhr die Bestellung bereithält. 

So läuft die Bestellung


1. Unter www.marktschwärmer.de 
einkaufen, ganz ohne Mindestbestellwert.

2. In der Schwärmerei um die Ecke 
abholen und die Menschen treffen, 
die hinter dem Produkt stehen.

3. Mit gutem Gewissen genießen.

In jeder Schwärmerei bieten die Erzeuger verschiedene Fleisch- und Fischprodukte, Milchprodukte sowie Obst, Gemüse und Eier, aber auch Backwaren und allerlei andere Leckereien an. Übers Jahr verteilt sind auch Gastschwärmer zu Besuch, die Erzeugnisse aus Europa mitbringen. Die einzelnen Schwärmereien stellen sich unter www.marktschwaermer.de vor. Wer direkt Marktschwärmer werden möchte, kann sich auf der Homepage ohne jegliche Verbindlichkeiten oder Mitgliedsbeitrag anmelden.

Auch in Schleswig gibt es eine Schwärmerei. Jeden Mittwoch können von 17 bis 18.30 Uhr Bestellungen in der Bahnhofstraße 16 abgeholt werden. Am selben Wochentag und zur selben Uhrzeit warten auch in Plön im Koppelsberg 8 Bauern auf hungrige Mäuler.

Marktschwärmerin Nele Markwardt im Gespräch 

Das Konzept der Marktschwärmer stammt ursprünglich aus Frankreich. Die erste Marktschwärmerei in Deutschland eröffnete 2014 in Köln. Drei Jahre später startete Nele Markwardt die erste Marktschwärmerei in Kiel.

Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Schwärmerei zu eröffnen?

Ich hatte auf dem Markt mal ein sehr einschneidendes Erlebnis. Ich habe einen Händler gefragt, woher die Tomaten kämen und ob sie gespritzt seien. Aber er sagte nur, er hätte sie beim Großmarkt gekauft und hätte keine Ahnung. Das hat mich zum Nachdenken angeregt und dann habe ich durch eine Gärtnerzeitschrift von den Marktschwärmer erfahren und mich auf der Homepage als Gastgeberin beworben. Für Norddeutschland war es damals die erste Schwärmerei.

Was möchtest du mit der Schwärmerei erreichen?

Ich finde es manchmal selbst super schwer, Infos über Lebensmittel herauszufinden. Deshalb möchte ich den Menschen einen Marktplatz geben, an dem sie sich genau über ihre Produkte informieren können. Denn wer bei den Marktschwärmern die Bestellung abholt, kann sich beim Erzeuger direkt über alles informieren.

Wie haben die Bauern auf das Konzept reagiert?

Ganz unterschiedlich. Einige standen dem Onlinemarkt kritisch gegenüber, weil man die Ware nicht direkt vor Augen hat. Andere waren sofort begeistert. Sie haben erkannt, dass sie für die Direktvermarktung heutzutage neue Wege einschlagen müssen.

Mit der Schwärmerei im mmhio hattest du direkt einen guten Start. Warum glaubst du, lief es in Kiel so gut an?

Ich finde, die Kieler sind neuen Projekten gegenüber sehr offen. Es gibt hier viele Studenten und bei der Größe der Stadt werden die Menschen auf neue Projekte schneller aufmerksam. Vor allem fand die Eröffnung in einer Zeit statt, in der sich in Kiel viele neue Ideen etablierten wie zum Beispiel die Alte Mu, Rankwerk und das Waterkantfestival. Und ich wollte Kiel auch gerne mitgestalten.

Wonach wählst du die Höfe aus, die bei den Schwärmereien verkaufen?

Ich mag gerne kleine Höfe. Dort sind die Strukturen überschaubarer und sie machen vieles noch selbst, wie zum Beispiel Heu und Stroh. Eine Biozertifizierung ist mir nicht so wichtig, weil die sehr teuer ist. Hauptsache ist aber, dass die Chemie stimmt und sie sympathisch sind, denn ich besuche die Bauern häufig, um Neuigkeiten zu erfahren. Ich probiere auch gerne Neues aus. Seit kurzem sind die Verture Farm und das Kieler Pilzwerk an Bord.

Warum sollte man Marktschwärmer werden?

Dafür gibt es viele gute Gründe. Als Marktschwärmer kann man Lebensmittel direkt vom Erzeuger kaufen und das sogar in der Stadt und nach Feierabend. Außerdem unterstützt man wirklich die Bauern aus der Region. Und vor allem schmeckt das Essen gleich viel besser!


Wer steht hinter dem Gemüse?

Clara Vargas vom Hof Wittschap

Erst im Januar hat Clara Vargas mit ihren Freunden Jens und Kalle den Gemüsebau beim Hof Wittschap übernommen. Gemeinsam bewirtschaften sie die Flächen nach den Richtlinien des Demeter Bundes. Für die Marktschwärmer haben sie sich entschieden, weil sie durch die Vorbestellung auf Punkt ernten können und kein Müll produzieren. Das wichtigste ist ihnen aber der direkte Kontakt zum Kunden.

Ernst Schuster von der Obstquelle Schuster

Die Obstquelle Schuster in Raisdorf ist schon seit über 60 Jahren in der Direktvermarktung tätig und wollte mit den Marktschwärmern neue Wege ausprobieren. Die Obstquelle Schuster steht für eine große Vielfalt. „Wir bauen 90 verschiedene Apfelsorten an und haben zusätzlich Marmeladen, Säfte und Chutneys aus eigener Herstellung im Angebot“, erklärt Ernst Schuster.

Felix Doobe von der Verture Farm

Microgreens sind vielseitig einsetzbar und voller Vitamine. Seit Mai letztes Jahr baut Felix Doobe das Superfood in Mönkeberg an. Für ihn waren die Marktschwärmer ein perfekter Einstieg ins Geschäft, weil er wenig investieren musste, aber trotzdem schnell die Menschen erreichte. Besonders der Fokus auf regionale Produkte gefällt ihm bei dem Konzept.