Einfach mal grünmachen!

Hühner füttern, Schafe kraulen, Äpfel pflücken: Auf dem Gut Karlshöhe lernen Hamburger Deerns und Jungs die schönsten Seiten des Landlebens kennen, mitten in ihrer Stadt. Zudem schnuppern sie hier in altes Handwerk hinein und forschen zu Energie- und Klimathemen.

Man munkelt ja, viele Stadtkinder seien von der Natur entfremdet. Kühe sind lila, und Salatblätter wachsen am Salatbaum … oder? In Hamburg kümmern sich diverse Einrichtungen und Initiativen darum, derlei Missverständnisse aufzuklären. Eine von ihnen ist das Umweltzentrum Gut Karlshöhe in Bramfeld, das von der Hamburger Klimaschutzstiftung betrieben wird. 1850 gegründet, wurde das Gut noch bis in die 1970er- Jahre hinein landwirtschaftlich genutzt, zuerst als Geflügelfarm, zuletzt als Reiterhof. 1989 folgte die Umwidmung zur Umweltbildungsstätte, wodurch das Anwesen als grüne Großstadtoase erhalten blieb und nicht etwa bebaut wurde.

Kurzurlaub auf dem Bauernhof

Ein Entdecker-Rundweg führt durch das neun Hektar große landschaftliche Mosaik: durch ein Waldstück mit alten Laubund Nadelbäumen, über eine Streuobstwiese mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen, vorbei an Weiden mit grasenden Schafen und einem Bauerngarten voller Blumen und Kräuter – dem Speisezimmer der Bienen einer Imkerei. Aus dem Hühnerstall gegenüber ist lautes Gegacker zu hören: 18 Mädchen und Jungen einer Bramfelder Kita amüsieren sich über die leuchtend blauen Beine der Ramelsloher Hühner. Sie füttern das Federvieh mit altem Brot, Hafer und Weizen; auch eine Handvoll Eierschalen landet im Trog. Merle, FÖJ’lerin auf Karlshöhe, erklärt warum: „Eierschalen bestehen vor allem aus Kalk, den brauchen die Hühner auch zur Bildung neuer Eier. Ein bisschen Schale im Futter hilft ihnen also.“ Die Gruppe ist an diesem Morgen zum Motto „Ich wollt’, ich wär’ ein Huhn“ im Umweltzentrum zu Gast, nach der Fütterung und etwas Hühnerkunde sollen die Kinder eigentlich noch Papphühner basteln, doch sie haben anderes vor: „Wir wollen zu den Schaaafen, bitte, bitte!“, fordern die Knirpse und stürmen in Richtung Koppel. Die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe lassen sich von ihnen seelenruhig kraulen. Die Klimaschutzstiftung und die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung bieten auf Karlshöhe viele weitere Erlebnis- und Bildungsprogramme für Kitas, Schulklassen und private Gruppen (etwa Geburtstagskinder und ihre Gäste) an. Ein Highlight ist die „Kinder-Forscher-Werkstatt“, wo 150 Materialkisten für spannende Experimente bereitstehen. Erneuerbare Energien, die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde, die heimische Tier- und Pflanzenwelt (etwa das Reich der Insekten) und Lebensräume wie Wald, Wiesen und Gewässer sind ebenso Thema wie gesunde Ernährung oder das Wetter.

Reise durch die Jahreszeiten

In der Ausstellung „Jahreszeit Hamburg“ im ehemaligen Stallgebäude dreht sich alles die Themen Klima, Energie und Hamburgs Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Auf der Frühlingswiese ragen meterhohe Blumen aus dem Boden – hier wird man quasi auf Käfergröße geschrumpft. Wie funktioniert die Photosynthese, wieso haben Menschen und Tiere Frühlingsgefühle? Dies und mehr lässt sich hier herausfinden. Es gibt sogar echte Tiere zu bestaunen: harmlose Würfelnattern, dünner als Bockwürstchen, die sich im Terrarium unter einer Lampe wärmen. Die wechselwarmen dunkelhäutigen Schlangen veranschaulichen die Technik Solarthermie als „lebende Sonnenkollektoren“. Über 50 Mitmach-Stationen lassen nie Langeweile aufkommen. Gerade tobt eine Vorschulgruppe aus Ohlsdorf durch die Abteilungen und probiert alles mögliche aus. Etwa die Dusche am sommerlichen Elbstrand. „Iih, da kommt ja echt Wasser raus!“, erschrickt sich Clara. Ihr und den anderen wird hier klargemacht, wozu man schwitzt oder wie verdunstendes Wasser Kälte erzeugt – auch beim Kühlschrank.

Wind machen und Schnee schütteln

Linus ist fasziniert von der Windmaschine im Herbstwald. Mit einem beweglichen Pustrohr steuert er fünf Miniatur-Windräder an, darunter eine alte Mühle und ein modernes Windrad, und eine Anzeige verrät ihm, welche Anlage am meisten Energie erzeugt. Eine Gruppe steht kichernd um ein puppenstubenartiges Modell mit dem Titel „Schwarzes Wasser – Grüne Energie“ herum. Dort sitzt ein Mann auf dem Klo und stöhnt … Auf Knopfdruck seufzt er erleichtert auf, die Spülung rauscht, und nun kann man den Weg des „Schwarzwassers“ verfolgen. In einem Fermenter wird es durch laut schmatzende Bakterien zu Biogas vergoren; durch Verbrennen in einem Kraftwerk entstehen Wärme und Strom: Plötzlich dudelt das Radio auf der Toilette! In der winterlichen Szenerie lernen die Kinder etwa, was Thermobilder verraten. Dazu werden sie gefilmt, ein Monitor zeigt: Gesicht und Hände sind rot (= warm), die von Haar und Kleidung bedeckten Partien gelb bis blau (= kühler). Mit der Technik lässt sich auch ermitteln, ob Häuser gut oder schlecht gedämmt sind. Hinter den Klappen eines riesigen Adventskalenders verbergen sich Infos zum Thema Energiesparen, und ein witziges Exponat mit Schüttel-Schneekugeln erzählt von weißen Wintern in Hamburg – wie 1978/79 oder 2009/10 – und von vielen vielen grünen. Was erwartet uns, wenn der Klimawandel fortschreitet? Können die Blankeneser bald Wein am Elbhang anbauen, oder bedrohen viele Unwetter unsere Landwirtschaft? Mit Zukunftsszenarien, die zum Nachdenken und Handeln anregen, werden die Besucher auf den Heimweg geschickt.

www.gut-karlshoehe.de