Ein museales Kleinod

von Heiko Buhr

Das neue Jahr100Haus hat seine Türen geöffnet und macht das Freilichtmuseum Molfsee nun noch mehr zu einem der facettenreichsten Ausflugsziele unseres Landes. Davon durfte ich mich bei einem spannenden Rundgang durch die vielfältige Ausstellung selbst überzeugen.

Die beiden Gebäude des Jahr100Hauses, unter deren langgetreckten Dächern auch der Eingangs- und Kassenbereich für das Freigelände seinen neuen Platz gefunden hat, beeindrucken mich sofort, als ich auf den großen Parkplatz davor einbiege.
Mit ihrer Außenhaut aus Cortenstahl, die an die für Norddeutschland so typischen reet- und strohgedeckte Scheunen erinnert, fügt sich der Museumsneubau perfekt in die Umgebung ein und passt gleichzeitig, wie ich auf den ersten Blick sehe, bestens zu den geschichtsträchtigen Gebäuden. Beim Betreten des zwölf Meter hohen Foyers schaue ich unwillkürlich nach oben, wo das Holzträgerwerk einen „Wow“-Effekt bei mir auslöst. Dazu fallen mir hier der ansprechende Museumsshop mit dem Info- und Ticketschalter davor sowie das einladende Café auf.

Ab in die Ausstellung

Über eine lange Treppe (ein Fahrstuhl ist natürlich vorhanden, denn alle Bereiche sind barrierefrei zugänglich) gelange ich in das Ausstellungsgeschoss, welches sich unter den beiden Häusern rund um einen Lichthof erstreckt. Hier warten auf mich 350 Exponate, die auf 920 qm in sechs Themenbereiche aufgegliedert präsentiert werden. Zunächst aber komme ich in den Prolog Raum, in dem U-förmig eine Reihe Bildschirme angebracht sind. Als gebürtiger Schleswig-Holsteiner staune ich beim Anschauen des facettenreichen Intro-Films über all das, was unser Land so faszinierend macht. Seine Landschaften sowie Menschen und deren Tätigkeiten, die norddeutschen Wetterphänomene und vieles andere mehr lassen mir da einfach das Herz aufgehen.

Fotos: © Stiftung SH Landesmuseen/Foto: Kinka Tadsen
Ausstellungsansicht der Abteilung „Mobilität und Bewegung“, im Vordergrund das Lastenrad einer Eisenwarenhandlung aus Wilster (1934).
Das Foyer mit Blick auf den Kassen- und Infotresen, über dem alte Heugabeln hängen, sowie den Shopbereich.

Eindrucksvoll und vielgestaltig

Derart eingestimmt begebe ich mich auf Ausstellungsentdeckungsreise und freue mich hier über ein Spielzeugkarussell, werde da von einer Schalttafel aus der Zeit um 1920 in den Bann geschlagen und mag mich dort vom Modell einer Drechslerei gar nicht mehr lösen. Es ist eine imponierende Ausstellung, die der Museumsleiter Dr. Wolfgang Rüther und die Kuratorin Dr. Babette Tewes mit ihrem Team konzipiert und aufgebaut haben. Und die Kuratorin hat mir oben tatsächlich nicht zu viel versprochen, als sie gesagt hat, dass „die Ausstellung mit großer Leichtigkeit die kleinen Alltagsdinge ins Zentrum stellt und dabei auch gesellschaftliche Fragen aufwirft, wobei jedes Exponat in einem speziellen Zusammenhang mit Schleswig-Holstein steht.“
Den Abschluss meines Rundgangs bilden als eine Art Epilog Alltagsberichte von Menschen aus Schleswig-Holstein, wobei ich selbst aktiv werde, denn ich schreibe ein Statement auf eine Tafel und fotografiere mich mit dieser per Selbstauslöser. Mein Foto taucht sogleich digital auf einem Bildschirm auf und schon bin auch ich ein Teil der Ausstellung.

Ab auf das Freigelände

Bevor ich über die Treppe wieder ins Foyer gelange, besuche ich noch die 390 qm große Sonderausstellungsfläche, wo aktuell die Sonderschau „Auf den Spuren des Kalten Krieges“ zu sehen ist. Der hat, wie ich hier eindrücklich erfahre, nicht nur weltweit, sondern insbesondere auch in Schleswig-Holstein sichtbar deutliche Spuren hinterlassen. Wieder im Foyer wende ich mich nach rechts und verlasse das Gebäude, um über einen kleinen Platz zum Freigelände zu spazieren. Dieses ist nun zusammen mit dem Jahr100Haus ganzjährig zugänglich, so dass jetzt auch im Spätherbst sowie im Winter mehrere Häuser besichtigt werden können, die aus konservatorischer Sicht geöffnet bleiben dürfen. Ich lasse mir das doppelte Vergnügen jedoch schon heute nicht entgehen und erkunde ganz entspannt bei Sonnenschein die historischen Gebäuden der Freifläche, wobei mir immer klarer wird:
Im Freilichtmuseum Molfsee mit seinem Freigelände sowie dem neuen Jahr100Haus und der großartigen Dauerausstellung „Ein JAHR100 in Schleswig-Holstein. Land. Leute.Leben.“ erlebt man die ALLTAGS-Kultur in unserem Land aus historischer Perspektive absolut hautnah – und das gilt für große genauso wie für kleine Leute, denn dieses Museum ist ein Ereignis für die ganze Familie.

© Stiftung SH Landesmuseen
Das Foyer mit dem Café und/oder dem Tagungs- und Seminarraum kann man für verschiedene Veranstaltungen anmieten. Wer also beispielsweise seine Hochzeitsfeier in einem außergewöhnlichen Rahmen ausrichten, hier konferieren oder auch eine Sitzung abhalten möchte, frage gern am Infotresen des Freilichtmuseums an.

>> Freilichtmuseum Molfsee
Hamburger Landstr. 97, Molfsee
Tel. 0431 / 6596622
www.jahr100haus.de

Vor dem Besuch
Aus gegebenem Anlass ist der Besuch des Jahr100Hauses nur möglich, wenn man vorab online ein Ticket erworben hat, welches an eine konkrete Besuchszeit geknüpft ist. Wer nur das Freigelände des Museums besuchen möchte, darf gern spontan vorbeikommen und vor Ort ein Ticket erwerben.

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