Was zählt am Ende eines Lebens? Welche Wünsche haben Menschen, die nicht mehr viel Zeit haben? Jörn Schmidt, Geschäftsführer der Gärtnerei Jenkel in Tangstedt, hat einen letzten Wunsch: Noch einmal die Gärtnerei besuchen und sich von den Mitarbeiter:innen verabschieden. Der Wünschewagen des ASB Hamburg konnte ihm diesen Wunsch erfüllen. 

Wie oft er diese Wege gegangen ist – durch den Rosengarten, vorbei an den Ziersträuchern, zur Baumschule und zwischen den Tischen entlang. Nun liegt Jörn Schmidt auf einer Fahrtrage und lässt sich durch die Gärtnerei schieben. Die alten Wege, er schaut sich um, alles scheint wie immer, die Mitarbeiter:innen sind emsig bei der Arbeit, gießen Pflanzen, sortieren neue Ware ein. Im Vorbeifahren grüßen sie sich, bleiben stehen – Kopfnicken, Winken, ein Handschlag oder ein kurzes Gespräch. „Und schau mal, hier werden wir den neuen Produktionsbereich für unsere eigenen Stauden bauen“, sagt seine Frau Nina Schmidt, die neben ihrem schwerkranken Mann herläuft. Sie beschreibt ihm, wie es weitergeht mit der Gärtnerei. Ihr Mann soll spüren, dass es weitergeht – das Lebenswerk, das sich die Familie jahrzehntelang aufgebaut hat: eine gut gehende Gärtnerei und Baumschule. Ein Traditionsbetrieb, in dem viel Arbeit steckt und Verantwortung für mehr als 50 Angestellte. 

Noch einmal anstoßen auf die gemeinsame Zeit – das konnte Jörn Schmidt, Geschäftsführer der Gärtnerei Jenkel in Tangstedt, dank des ASB Wünschewagens mit seinem Team und seiner Frau Nina tun.

Nina und Jörn Schmidt wollten sich ab diesem Jahr ein wenig zurücknehmen, sich kurze Auszeiten gönnen, mal am Wochenende verreisen, nachdem die älteste Tochter Anfang des Jahres in den Betrieb eingestiegen ist. Doch jetzt läuft ihnen die Zeit davon. Denn Jörn Schmidt ist unheilbar krank, der Hirntumor nicht aufzuhalten. Sich von seinen Mitarbeiter:innen zu verabschieden, das war sein großer Wunsch. Da der 57-Jährige allein nicht mehr transportfähig war und medizinisch versorgt werden musste, bat seine Familie den Wünschewagen des ASB Hamburg um Hilfe – ein Krankentransporter, der speziell auf die Bedürfnisse sterbenskranker Menschen abgestimmt ist und sie in ihrer letzten Lebensphase an ihre Wunschziele bringt. Ehrenamtliche Fachkräfte aus der Pflege und dem Rettungsdienst begleiten und versorgen die Fahrgäste. 

Mit viel Umsicht und Fachkompetenz werden die Fahrgäste an ihre Wunschziele transportiert

Die beiden Ehrenamtlichen des Wünschewagenteams, Dalia Majert und Luca Möhring, platzieren Jörn Schmidt mit der Fahrtrage im Gewächshaus zwischen den Lieblingsblumen, vergewissern sich, dass alles in Ordnung ist und ziehen sich ein wenig zurück. In Blickkontakt, falls er Hilfe benötigt. Jemand holt zwei Kästen Limonade und Bier, die Angestellten lassen ihre Arbeit ruhen und versammeln sich um ihren Chef. Jede:r einzelne stößt mit ihm an. Man spürt den Zusammenhalt in der Gärtnerei Jenkel, das Familiäre, das Vertrauen und die Freude, Jörn Schmidt noch einmal zu sehen, aber auch Unsicherheit und Traurigkeit. Denn alle wissen, es ist das letzte Mal. „Wir haben von Anfang an offen darüber geredet, mit der Familie und auch mit den Mitarbeitern“, sagt Nina Schmidt. Auch wenn ihm das Reden schwerfällt: Jörn Schmidt ist glücklich, alle nochmal um sich zu haben. Am Ende ist es ein Tag, an dem er die Krankheit für kurze Zeit vergessen kann und an dem schöne Momente im Mittelpunkt stehen. An diesem Tag wird mehr gelacht als geweint.

(Text & Fotos Annett Habermann)

Mehr Informationen zum Wünschewagen in Hamburg
und Schleswig-Holstein unter: www.wuenschewagen.de 

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