Die erste große Sonderausstellung

Gerade wurde das abwechslungsreiche Jahr100Haus im Freilichtmuseum Molfsee eröffnet, da lockt es nicht nur mit einer sehenswerten Dauerausstellung, sondern auch mit einer interessanten Sonderausstellung zu einem Ausflugsbesuch.

„Auf den Spuren des Kalten Krieges“ lautet der Titel der Sonderschau, die bis zum 28. August 2022 im Untergeschoss des Jahr-100Hauses, wo sich auch die Dauerausstellung befindet, präsentiert wird. Im „Gleichgewicht des Schreckens“ – besser lassen sich die fast fünf Jahrzehnte des Kalten Krieges kaum auf den Punkt bringen. Unversöhnlich stehen sich zwei Gesellschaftsordnungen – Kommunismus und Kapitalismus, Osten und Westen in dieser Zeit gegenüber. Die Sowjetunion und die USA liefern sich einen Wettlauf, bei dem es auch im Kleinsten immer um alles geht.
Auch in Schleswig-Holstein plant der Staat für einen Ernstfall, der am Ende glücklicherweise ausbleibt. Heute ist der Kalte Krieg Geschichte – und es ist Zeit zu fragen: Was ist von dieser Ära geblieben? Und wie wollen wir uns an sie erinnern? Die Sonderausstellung geht diesen Fragen in drei Schritten nach.

© Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen
Sperrmittelhäuser und Atomwaffenlager: Spurensuche nach den Relikten des Kalten Krieges.

Die geteilte Welt

Vietnam-Krieg, Kuba-Krise, Heißer Draht und Pershing II: Welche wichtigen Ereignisse des Kalten Krieges sind Teil unserer Erinnerung? Und was bedeuten sie? Oder prägen wir uns eher Dinge ein, die unseren Alltag bestimmen? So wie: „99 Luftballons“ von Nena, den Probealarm der Luftschutzsirenen, das Kriegsspielzeug im Kinderzimmer wie „Schiffe versenken“ und den bangen Blick auf die innerdeutsche Grenze, der auch uns Schleswig-Holsteiner unmittelbar betrifft? Und wer erinnert sich nicht an die bösen Russen in dem einen oder anderen Spielfilm?

„War Games“, „Panzerschlacht“ und „99 Luftballons“: Auch im Kinder-und Jugendzimmer tobte der Kalte Krieg.

Schutz vor dem Atomschlag

Der Einsatz von atomaren, biologischen oder chemischen Wa en mitten in Kiel? Die Ausstellung zeichnet dieses Szenario nach: 2.000 Menschen müssen 14 Tage lang in einem Schutzraum ausharren. Wer organisiert dieses erzwungene Zusammenleben? Wo schlafen die Menschen, was essen sie? Wie lässt sich die Versorgung mit Wasser, Luft und Elektrizität gewährleisten? Über allem aber schwebt die Frage: Können die Eingeschlossenen wieder an die Erdoberfläche zurückkehren? Man bekommt mehr als nur eine Gänsehaut bei der Vorstellung, dass das Realität hätte werden können – und gar nicht so unwahrscheinlich war.

Direktkontakt zum Eisernen Vorhang: Schlagbaum vom Grenzübergang Gudow.

Spurensuche in Schleswig-Holstein

Die Bauwerke des Kalten Krieges sind mehrheitlich massive Gebilde aus Stahl und Beton, die bis heute zu Hunderten in ganz Schleswig-Holstein zu finden sind. Sie lagen schon immer eher im Schatten der öffentlichen Aufmerksamkeit. Geheimhaltung und Stacheldraht schirmten einige von ihnen ab, andere waren öffentlich sichtbar und zugänglich, aber kaum jemand wusste von ihrer
Funktion. Es fällt den Menschen deshalb heute leicht, sie zu vergessen. Um die Erhaltung und Dokumentation der sperrigen Objekte kümmern sich hauptsächlich Privatpersonen und bewahren die Erinnerung an eine kriegerische Zeit ohne Krieg. Vier von ihnen kommen hier zu Wort und berichten von Szenarien des Kalten Krieges, aber auch von ganz persönlichen – schönen wie schaurigen – Kindheits- und Jugenderinnerungen.

>> Freilichtmuseum Molfsee – Jahr100Haus
Hamburger Landstr. 97, Molfsee
Tel. 04321 / 6596622, www.landesmuseen.sh
Mo-So 9-19 Uhr

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