Bio boomt – Gut für Boden, Tier und Mensch

Bio schmeckt den Deutschen immer besser. Über sieben Milliarden Euro geben sie mittlerweile jährlich für Ökoprodukte aus. Wie sich die Zeiten doch ändern. Wurden „die Ökos“ in den 80er Jahren noch belächelt, gehören heute 30 bis 40 Prozent der Deutschen zu den intensiven Nutzern von Biolebensmitteln, sagen die Marktforscher. In Deutschland gibt es rund 29.000 Erzeuger, die ihre Produkte nach Bio-Richtlinien anbauen. Mehr als jeder zehnte Hof in Deutschland wird also von Biobauern bewirtschaftet. Im Norden wirtschaften nur knapp 6 Prozent der Landwirte nach Bio-Richtlinien. Aber auch zwischen Ost- und Nordsee wächst von Jahr zu Jahr ihr Anteil. Heute gibt es 712 ökologisch wirtschaftende Erzeugerbetriebe. Ein Jahr vorher waren es noch 652. Immerhin ein Zuwachs von fast 10 Prozent.

Vorteile der Biolandwirtschaft

Die Biolandwirtschaft hat, da ist sich die Wissenschaft einig, eindeutig Vorteile gegenüber der konventionellen Landwirtschaft bei Artenvielfalt, Wasser und Böden. Dies bestätigt auch eine jüngst vom bundeseigenen Thünen- Agrarforschungsinstitut veröffentlichte Studie. Ökolandbau gilt als nachhaltig, weshalb ihn der Staat mit Subventionen fördert. Aber viele konventionelle Bauern und Lobbyisten der Chemieindustrie bezweifeln das immer wieder. Deshalb haben die Thünen-Forscher gemeinsam etwa mit der Universität Kassel 528 wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema ausgewertet. Das Bundesagrarministerium hat das Forschungsprojekt finanziert. An erster Stelle nennen die Wissenschaftler Vorteile durch die Biolandwirtschaft für den Schutz von Grundwasser, Flüssen, Seen und Meeren vor Verschmutzung durch gesundheitsschädliche Nitrate aus Düngemitteln und Pestiziden. Die Stoffe können beispielsweise über das Grundwasser, aus dem das meiste Trinkwasser in Deutschland gewonnen wird, in den Körper gelangen. In der Umwelt tragen sie dazu bei, dass immer mehr Pflanzen- und Tierarten aussterben. „Im Mittel vermindert eine ökologische Bewirtschaftung in den ausgewerteten Untersuchungen die Stickstoffausträge um 28 Prozent“, schreiben die Forscher. Da Biolandwirte auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten müssen, „wird der Eintrag von Wirkstoffen mit einer potenziell hohen Umwelttoxizität unterbunden“.

Mehr Wildkräuter und Vögel

Im Mittel habe es auf Bioflächen 78 Prozent mehr Regenwürmer pro Quadratmeter gegeben. Die Tiere sind auf Ökohöfen auch größer als auf konventio-nellen: Sie brachten zusammen pro Quadratmeter 94 Prozent mehr Gewicht auf die Waage als ihre Artgenossen in der konventionellen Landwirtschaft. Diesen Vorteil erklären die Autoren zum Beispiel damit, dass Biobauern Pestizide verboten sind, die den Würmern schaden. Wenn es den Regenwürmern gut geht, deutet das den Forschern zufolge auf eine hohe Fruchtbarkeit und Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens hin. Tatsächlich hätten Ökoböden im Schnitt 10 Prozent mehr Humus, der Nährstoffe und Wasser bindet.

Die Wissenschaftler stellten auch fest, dass auf den untersuchten Bioäckern im Mittel 95 Prozent mehr Wildkräuterarten wuchsen. Außerdem habe es dort 35 Prozent mehr Feldvögelarten mit insgesamt 24 Prozent mehr Individuen gegeben. 

Nur bei der Klimabilanz ist man sich nicht sicher. Pro Hektar Land würden Biobetriebe zwar jährlich 1.082 Kilogramm weniger Treibhausgas ausstoßen, indem sie Kohlenstoff speichern und Lachgas bei der Düngung einsparen, berichten die Forscher. Doch weil Biobauern weniger Produkte je Hektar erzeugen, sei die Klimabilanz auf das Kilogramm Lebensmittel bezogen „vermutlich vergleichbar“ – also nicht eindeutig besser.

Bio ist für alle gut

Halten wir fest: Ökologische Landwirtschaft hat in der Regel eine deutlich bessere Ökobilanz als konventionelle. Mensch, Tier und Umwelt profitieren gleichermaßen davon. Gerade die alteingesessenen Bioverbände wie Bioland und Demeter achten besonders auf Umwelt und Tierwohl. Meist findet man bei ihnen auch alte, besonders schmackhafte Sorten und andere Genussprodukte.   

Gesunde, nachhaltige und genussvolle Lebensmittel sind ein wichtiges Thema der Gegenwart. Bio kann dabei helfen, sie auch für die Zukunft zu erhalten, damit auch künftig noch Genuss ohne Reue möglich ist. Bio-Siegel helfen dem Verbarucher bei der Orientierung.