von Jesper Ohm

Bei einem Industriegebiet, das direkt an die Seefestung Friedrichsort anschließt, ist es nicht erstaunlich, dass die mehr als 150 Jahre alte Geschichte des Geländes die der Kriegswirtschaft ist. Von Torpedos über Panzer bis hin zu Schiffs- und Lokomotivmotoren – für all das wurde das Areal jahrelang genutzt. Doch die großen Motorenfirmen ziehen sich Stück für Stück aus dem Gebiet zurück. Was nun? 

Wo die Zukunft ruht

Auf einer von KIWI-Event organisierten zweistündigen Tour über den „StrandOrt Kiel“ haben wir unter der Führung von Björn Petersen einen Blick darauf erhascht, welche Geschichte in den Industriehallen schlummert und welches enorme Potenzial in dem gesamten Gelände steckt.

Umso gespannter waren wir, die Redaktionspraktikant*innen der Lebensart im Norden, als wir erfuhren, dass dort im September und Anfang Oktober kostenlose Führungen für Interessierte angeboten werden. Wir meldeten uns gleich für einen der Termine an und los ging es.

Zu Beginn der Tour kamen wir direkt an beeindruckenden Überresten eines Luftschutzbunkers aus dem Zweiten Weltkrieg vorbei. Ein Mitglied unserer Gruppe wusste uns zu berichten, dass der Bunker nach dem Krieg als Zeichnungsarchiv für den Maschinenbau Kiel genutzt wurde. Eine kreative Nutzung von verfügbarem Raum, wie wir fanden. Danach ging es weiter durch die massiven Industriekomplexe im Stil der 1920er Jahre, die in gutem Zustand noch ab und zu von Firmen angemietet werden. In den riesigen Hallen auf dem hinteren Teil des Bereichs konnten wir außerdem die Motorenentwicklung von Caterpillar röhren hören. Dank des direkten Anschlusses an das Schienennetz stehen dort auch die Hallen des Lokomotivmotoren-Entwicklers Vossloh und die ein oder andere Lok. Es herrscht also reger Betrieb. Doch wo früher 4-000 Leute beschäftigt waren, sind heute nur noch 375 am Werk. Dementsprechend steht auch der Hauptteil der riesigen Hallen leer. Einige sehr alte Gebäude sind sogar baufällig und müssen abgerissen werden. 

Aus Baufälligem wird Platz für Neues geschaffen.

Hoffnungen und Pläne

Die Stadt Kiel hat die 34 Hektar große Fläche gekauft und steht jetzt vor der Herausforderung, das Gebiet wieder zu einem attraktiven Standort zu machen. Nicht nur für Unternehmen, für die die bestehende Infrastruktur saniert und revitalisiert wird, sondern auch für die Öffentlichkeit soll hier Platz geschaffen werden. Darunter kann man sich beispielsweise eine direkte Anbindung an den Strand oder Veranstaltungsflächen und Ähnliches vorstellen. Hier ist in Zukunft alles möglich.

Wer sich selbst einmal einen Eindruck von dem Gebiet machen möchte, kann eine der kostenlosen Führungen buchen:

12.10.2021 um 16 Uhr
16.10.2021 um 10 Uhr
23.10.2021 um 11 Uhr

Anmeldung unter: www.events.kiwi-kiel.de

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