Artenschutz in Klein Bullerbü

Zu Besuch auf dem Forstgut Quellental

Fotos: Forstgut Quellental

Mitten im Riesewohld, Dithmarschens größtem zusammenhängendem Waldgebiet, liegt eine kleine Siedlung: das Forstgut Quellental. Eine Handvoll Menschen lebt hier in Einklang mit der Natur wie eine große Familie zusammen. Seit genau 70 Jahren bewirtschaftet die Familie Zieren das 130 Hektar große Gelände. Neben der Forstwirtschaft gehören auch verschiedene Naturschutzprojekte dazu.

Es waren einmal ein etwas verrückter Nordrhein-Westfale und eine Förstertochter, die lernten sich kennen und lieben. Was sie verband, war die Liebe zur Natur, vor allem der Wald hatte es ihnen angetan. Nach und nach kauften und bewirtschafteten sie Waldflächen in ganz Europa. Wie der Zufall es wollte, kam eines Tages auch ein Areal im fernen Dithmarschen dazu. Und weil SchleswigHolstein nun einmal das schönste Fleckchen Erde ist, das man sich überhaupt vorstellen kann, blieb ein Teil der Familie bis heute. Im Lauf der Jahre wuchs die Fläche, und irgendwann trat Enkel Markus in die Fußstapfen seiner Großeltern. 

Leben wie im Bilderbuch

Leuchtend rot ragt das Schwedenhaus zwischen den vielen Fischteichen hervor, in dem er mit seiner Frau Silke und den beiden Töchtern Johanna und Anneliese lebt. In drei kleinen Holzhäusern und einem größeren Fachwerkhaus wohnen unterschiedlichste Menschen, die das Leben hier ebenso lieben wie die Familie. Man achtet aufeinander, ist aus einem Holz geschnitzt. Eine Hütte steht seit zwei Jahren für Feriengäste zur Verfügung. Umgeben wird das kleine Idyll von mächtigen Bäumen, Feldern und Wiesen. Fast könnte man meinen, man sei nicht in Dithmarschen, sondern mitten in einer der Bullerbü-Geschichten von Astrid Lindgren gelandet. „Was von außen wie eine Szenerie aus einem Bilderbuch scheint, ist für uns ein Alltag, den wir uns gar nicht schöner vorstellen können”, sind sich die Zierens einig. Zwischen den gemeinsamen Nachtwanderungen durch die Natur, dem Schwimmen im Badeteich und den langen Abenden am Lagerfeuer, die alle vier so sehr lieben, gibt es aber natürlich auch alle Hände voll zu tun. Während Silke als Anästhesistin in Heide arbeitet, kümmert sich Markus um das Gut. Schon allein die 100 Hektar Wald bedeuten eine Menge Arbeit. Vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag ist er mit seinem Mitarbeiter Norbert Genschow unterwegs, stellt Jungpflanzen frei, kontrolliert und pflegt den Bestand, schaut nach den Mietshäuser und Tieren. Im Winter kommen viele Dithmarscher:innen ins Quellental, um ihre Weihnachtsbäume zu kaufen.

Das Forstgut liegt inmitten einer herrlichen Natur

Schutzraum für seltene Arten

Zusätzlich hat sich der Agraringenieur fest dem Naturschutz verschrieben. In den 40 Fischteichen des Gutes angelt heute niemand mehr, denn sie sind seit 2015 Grundlage eines Artenschutzprojektes, das vom Bündnis für Naturschutz in Dithmarschen begleitet wird. Wo früher Fische schwammen, leben mittlerweile viele Reptilien und Amphibien. Seltene Arten wie die Knoblauchkröte oder der Kammmolch, aber auch Teichmolche, Grasfrösche, Erdkröten, Ringelnattern und Kreuzottern finden in der Teichlandschaft Schutz. Damit sich keine Fressfeinde ansiedeln, werden die Gewässer regelmäßig von Laich oder Fischen befreit, die versehentlich durch Vögel hierher geraten sind. Auf den Flächen zwischen den Teichen weiden ganzjährig Soay-Schafe, eine selten gewordene, besonders robuste Rasse. „Die Ansiedlung der Schafe war der Anfang eines weiteren Naturschutzprojektes, bei dem uns die Stiftung Naturschutz SH unterstützt”, erklärt Markus Zieren. Indem sie die Flächen abgrasen, erleichtern sie den Amphibien und Reptilien die Wanderung. Die Stiftung hat für das Projekt eine benachbarte Fläche zur Verfügung gestellt und auf weiteren Flächen ebenfalls Schutzmaßnahmen für Amphibien ergriœen. Ziel ist es, dass sich die Tiere auch in der Umgebung ansiedeln können. Indem sie den Flächenbewuchs kurz halten, unterstützen die Schafe sie bei der Wanderung.

Die einstigen Fischteiche sind heute Grundlage eines Artenschutzprojektes

Vorbild in Sachen Naturschutz

Auch im Wald werden Natur- und Artenschutz großgeschrieben. Schon 1999 wurden 14 Hektar sogenannter Bruchwald mit alten Erlen, Eschen, Flatterulmen und zahlreichen anderen Baumarten aus der Bewirtschaftung genommen, um durch die allmähliche Entstehung von Totholz einen geschützten Lebensraum für Insekten, Fledermäuse, Spechte und Pilze zu schaœen. „Zwei Jahre später haben wir uns dann dazu verpflichtet, besonders alte Buchen, Eichen und Ahornbäume vollständig der Natur zu überlassen, damit sich Tiere und Pflanzen auch hier ungestört ansiedeln können”, ergänzen Markus Zieren und Norbert Genschow. Mit ihrer Arbeit wollen sie auch Vorbild sein, wünschen sich, dass andere Waldbesitzer ihrem Beispiel folgen und ihre Flächen ebenfalls teilweise für den Schutz von Tieren und Pflanzen zur Verfügung stellen. Ja, Markus Zieren liebt das, was er tut, eben aus vollem Herzen. Geht es nach ihm, kann es noch viele Jahre so weitergehen. Der Elan und die Ideen dafür gehen ihm zumindest ganz sicher nicht aus. Nachmittags, wenn er aus dem Wald nach Hause kommt und nach und nach auch Silke und die Kinder eintrudeln, gehört seine Zeit aber ganz und gar der Familie.

www.quellental.de

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