Wolfsbraten an Heumilch

von Stephan Opitz

Opitz_Neu_0815_klein

Da so viele Nachrichten auf uns einströmen und wir eh nicht alles schnallen, sind Filterinstrumente nötiger denn je: Die Gegenteilanalyse hilft. Neulich las ich auf der Verpackung eines aus Bayern bestellten Käses (jawoll, Bioqualität), dass jener aus „tagesfrischer Heumilch“ entstanden sei. Wer aber kann sich etwas unter „tagesfrisch“ vorstellen (von der Problematik, aus Heu Milch zu gewinnen, anstelle es den Rindviechern zu essen zu geben, einmal abgesehen)? Wer dann in der Lage ist – Gegenteilanalyse!! – die Idiotie eines Adjektivs „nachtalt“ nachzuvollziehen, der wird wissen, warum tagesfrisch genau so dämlich ist.

Heikler ist es mit dem Markennamen der Fleischfetzen, die beim Discounter Aldi die Theken füllen: Auf den Packungen steht „Bauernglück“ zu lesen. Ausmalen möchte man sich das Glück der Landwirte, die Schweine unter Discounterbedingungen an Aldi liefern dürfen, eher nicht. Doch das ganze Ausmaß der Tragödie wird erst mit der Verwendung der Gegenteilanalyse deutlich: Will man „Städterpech“?

Mit der Gegenteilanalyse allein kommt man einem Vorhaben des niedersächsischen Umweltministeriums allein nicht bei. Das Ministerium plant, der Natur einen Wolf zu entnehmen. Besagter Wolf soll, vermutlich nach Lektüre des Grimmschen „Rotkäppchens“, einer Spaziergängerin mit Kinderwagen in Breloh freundlich hinterhertrottend gefolgt sein.

Der Umweltminister in Hannover, Wenzel sein Name (und mit so einem Namen muss doch zwangsläufig Wolfsexpertenwissen verbunden sein – bei Müller wären wir schon misstrauischer) äußerte in dem Zusammenhang, dass der Mensch nicht Teil des Wolfsspeiseplans sei (natürlich sollte Wolf gesund sein!) und insofern keine Gefährdung von ihm ausgehen könne. Dennoch soll er ggf. „entnommen“ werden – vergleichbar verschwurbelt, um das mögliche Erlegen eines möglicherweise nicht eindeutig unter die gesunden Exemplare seiner spezies zu zählenden Wolfs mit einem Jagdgewehr, vermutlich Kaliber 8×57, zu benennen, kann man sich sehr wahrscheinlich nicht ausdrücken (obwohl hohe administrative Ebenen diesbezüglich nicht unterschätzt werden sollten!). Was natürlich dazu führt, eine naheliegende Neuformulierung wie „Politikerentnahme“ mit ganz anderen Augen zu sehen bzw. anderen Ohren zu hören. Und uns Gedanken darüber zu machen, wer künftig zu welchen Entnahmen durch wen befugt sein soll.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar verfassen