Wetterleuchten

von Stephan Opitz

Trotz minütlich abrufbarer Wetterapps, trotz inflationär sich vermehrender Wetterseiten und -diensten im Netz: Was wären wir ohne die im Radio oder Fernsehen gesprochenen Wetterberichte – Wetternachrichten, denen wir – nebenbei und im Falle Fernsehen – ebenso noch die jeweilige Mode auf der Höhe oder auch Tiefe unserer Zeit neben der Kernbotschaft ‚so oder so wird das Wetter‘ entnehmen können? Was aber, und endlich möchte ich diese Frage in die Öffentlichkeit tragen dürfen, unterscheidet die Formulierung in diesen Kernbotschaften, die einerseits und gar nicht unhäufig von „schauerartigem Regen“ spricht, andererseits „Regenschauer“ ankündigt? Denn was wir klar wissen können, wäre, dass es sich dabei nicht um „Dauerregen“ (schlimmste anzunehmende Regenprognose) oder „ergiebige Regenfälle“ handelt. Aber „schauerartigen Regen“ von „Regenschauer(n)“ zu unterscheiden, erfordert den ganzen Mann oder die ganze Frau und beide werden dennoch nicht in der Lage sein, die Frage kurz und schlüssig zu beantworten. „Schauerartiger Regen“ kann natürlich meinen, dass der Regen zwar fällt (Regenfälle), aber doch nur „nach Art eines Schauers“; es könnte sich also um einen absoluten Hauch mehr Regen handeln, als beim „Regenschauer“ für gewöhnlich fallen mag. Reicht uns das als den Empfangenden der meteorologischen Kommunikationsvorgänge? Frau J. aus A., eine Leserin dieser Kolumne und absolut erfahrene Grundschullehrerin, wusste einen weisen Rat – es geht nicht um mehr oder weniger Regen, es geht um die in stilistisch bewussten Kreisen (und denen sollten wir alle angehören) leicht verpönte Wortwiederholung innerhalb kürzerer syntaktischer Intervalle, sprich im gleichen Satz oder auch kürzeren Abschnitt. Wir Vielschreiber helfen uns z.B. beim Wort ‚aber‘, das man häufig braucht, gern mit der Variante ‚jedoch‘ – und die Meenos, Maikes und Svens der meteorologischen Welt unterscheiden sprachlich, was inhaltlich keiner Unterscheidung bedarf. Das spricht für die wahren Meteorologen auch als Stilistiker und deswegen seien sie, von ihren mal guten, häufig aber schlechten Nachrichten abgesehen, vor allem auch als Stilistiker der deutschen Sprache gepriesen.

Unvergessen jedoch Herr Pohlmann aus dem schwedischen Fernsehen, der in einem besonders verregneten Sommer der 80er Jahre sich dem Publikum einmal mit einer während der TV-Sendung aus der Hosentasche gezauberten Clownsnase neu präsentierte und dabei sprach: Wir wollen es trotz Regen wenigstens ein bisschen lustig haben (vi ska åtminstone ha det litet roligt). Dr. Schrader, übernehmen Sie!

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