Vom Luxus- zum Kultgetränk – Die neue Lust am Kaffee

Kulinarisches Thema von Jens Mecklenburg

Die Deutschen lieben ihren Kaffee. Durchschnittlich trinkt jeder hierzulande 600 Tassen im Jahr – in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Selbst der „gute alte Filterkaffee“ erlebt frisch aufgebrüht eine Renaissance. Kaffee ist einfach Kult.

Von tanzenden Ziegen bis Kaffeehaus

Kaffeeliebhaber befinden sich seit Jahrhunderten in bester Gesellschaft. In Europa feierte der Kaffee vor 400 Jahren seinen Einstand, vor allem als anregende Arznei für Menschen mit Kreislaufschwäche. Alsbald avancierte er zum Kult- und Luxusgetränk des Adels. Im Vorderen Orient kannte man den Kaffee schon einige hundert Jahre früher. Seine Wiege stand jedoch im Hochland von Abessinien, dem heutigen Äthiopien. Die einstige Provinz Kaffa wurde vermutlich zur Namensgeberin der immergrünen Pflanze. Der Legende nach wurde die Kaffeepflanze im 8. Jahrhundert von einem Ziegenhirten namens Kaldi entdeckt. Seine Ziegen weideten besonders gern an den Plätzen, an denen Büsche mit kleinen roten Früchten wuchsen. Wenn die Tiere davon gefressen hatten, waren sie besonders munter und tanzten sogar nachts im Mondschein. Kaldi und den anderen Ziegenhirten war das nicht ganz geheuer. Sie gingen zu einem Mönch und baten ihn um Rat. Dieser zerstampfte, röstete und kochte die unbekannten Früchte kurzerhand und empfahl den Sud nach der ersten Kostprobe auch anderen Mönchen zum Genuss – das Kaffeegetränk war erfunden.

Von Afrika aus gelangte der Kaffee dann in den Jemen. Als der belebende, aromatische Trank schließlich den Wallfahrtsort Mekka erreichte, eroberte er von hier aus die gesamte arabische Welt. Da der „Wein des Islam“ gern in Gemeinschaft Gleichgesinnter getrunken wurde, gründeten arabische Gastronomen im Jahr 1554 eine Begegnungsstätte der besonderen Art: Das erste Kaffeehaus der Geschichte entstand in Konstantinopel. 60 Jahre später erreichten die ersten Säcke der kostbaren Bohnen auch den Westen. Nach und nach entstanden die ersten europäischen Kaffeehäuser: 1645 in Venedig, 1675 in Paris, 1679 in Hamburg. Sie entwickelten sich zu bedeutsamen Zentren des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Literaten, Maler und Musiker gingen dort ein und aus. In den Cafés wurden Neuheiten ausgetauscht, Diskussionen über Literatur, Kunst und Musik geführt, philosophische Probleme gewälzt und Geschichten erzählt.

Kaffeemoden

Der Kaffeegenuss hat sich in den letzten Jahren immer mehr den Bedürfnissen des modernen Menschen angepasst. Auch wenn, oder gerade weil das Leben immer schneller wird, spielen Zeit und der bewusste Genuss eine immer größere Rolle. In Trends gesprochen bedeutet das: Cold Brew mithilfe der French Press sowie die Pour Over-Technik, auch bekannt als Filterkaffee. Pour Over bedeutet übersetzt etwas übergießen – der beliebte Filterkaffee kommt nun nicht mehr aus der Maschine sondern wird geduldig händisch mit wohltemperiertem Wasser übergossen. Bei den Bohnen geht der Trend hin zu hochwertigen Sorten die schonend geröstet wurden – auch beim Cold Brew. Durch die Zubereitung mit viel Zeit (die Ziehzeit beträgt 12 bis 16 Stunden) und kaltem Wasser glänzt der Kaffee mit weniger Koffein, Bitterstoffen und Säure, dafür mit mehr Aroma. Serviert werden kann er auf Eis und wie gewohnt mit Sahne, kalter Milch und Zucker, im Sommer darf mit Fruchtsorbet experimentiert werden.

Nach Chia-Samen findet Superfood nun auch seinen Weg in die Tasse. Wer beispielsweise schwarzen Kaffee bestellt, bekommt keinen Espresso sondern Goth Latte. Dieser wird mit Kohle zubereitet und erhält dadurch eine pechschwarze Farbe. Weniger fürs Auge, aber umso gesünder soll ein neues Mode-Getränk aus Finnland sein: Mushroom-Coffee. Hier wird der Kaffee mit Pilzen gebrüht, die eine besonders positive Wirkung auf unseren Körper haben sollen. Mit seinem milden Aroma ist Mushroom-Coffee für alle jene interessant, die ihr Heißgetränk normalerweise mit viel Milch und Zucker trinken oder einfach gerne experimentieren. Der sogenannte Nitro-Cold Brew wird mit Stickstoff angereichert und wie Bier gezapft. Dadurch bekommt der Kaffee eine cremige Schaumkrone und einen süßeren Geschmack. Im New Yorker „Cafe Rouge“ ist der Eier Cappuccino, der Espresso mit Eier-Schaum und geröstetes Popcorn auf Kaffee der Hit. Auch der 3D-Drucker ist in der Kaffeewelt angekommen: Statt Blümchen und Herzen ist der „neuste Schrei“ der „Selfie-Kaffee“. Kunst auf geschäumten Kaffee-Spezialitäten. Es braucht dank der Ripples Maschine von Yossi Meshulam keinen Barista mehr, um trinkbare Bilder auf seinem Kaffee vorzufinden. Denn die Ripples Maschine ist ein Drucker für Kaffeesatz und Milchschaum. Bilder vom Handy werden auf den Drucker projizieren und diese dann auf den Schaum der Kaffeespezialität „gedruckt“. Ob Blümchenkaffee, klassischer Espresso oder verzierte Kaffee-Milchschaum-Spezialitäten – Hauptsache die Bohne mundet.