Titelthema: Kunst mal vorbeischauen

von Nicole Groth

Die Gesichter hinter Kunst@SH (v.li.): Galerist Helmut W. Schiffler und Fotograf Jan Petersen

Meist starr und still stehen sie im Land verstreut. Mal deutlich sichtbar für alle, manchmal versteckt hinter einer Hecke, doch stets zugänglich für jeden, der sie besuchen möchte: die Kunstwerke im öffentlichen Raum. Doch was einem alltäglich begegnet, nimmt man irgendwann gar nicht mehr wahr. Viele gehen etwa auf dem Weg zur Arbeit an einem Werk vorbei, ohne es noch als künstlerisches Objekt zu betrachten. Es gehört halt einfach dahin. Wer jetzt endlich einmal wissen will, was es mit dem Werk vor der eigenen Tür auf sich hat, wo weitere zu finden sind und warum es gerade dort steht, findet diese und mehr Informationen auf der Internetseite von Kunst@SH.

Kunst in Nortorf – Der untere Bogen steht stabil und ist Ausdruck des Sammelns von Kraft. Der mittlere beginnt sich zu lösen und gibt dem oberen Bogen die Freiheit.

Kunst den Menschen zugänglich zu machen, ist das Ziel der nichtkommerziellen Plattform Kunst@SH. Gemeint ist nicht nur, die Auseinandersetzung mit den kreativen Werken anzustoßen, sondern auch scheinbare Distanzen zu überwinden. Fotograf Jan Petersen ist der Initiator dieses Projektes. Auf der Suche nach interessanten Fotomotiven entdeckte er die Kunstwerke im öffentlichen Raum als ein großes Experimentierfeld für Fotografen. Mit der Zeit wuchs dann die Idee, die Fotos und die zugehörigen Informationen gebündelt zu präsentieren. In Helmut W. Schiffler, Galerist aus Bad Bramstedt, fand er einen engagierten Mitstreiter. Seit Jahren füllen die beiden Stück für Stück die Plattform mit neuen Einträgen.

Wissenswertes zu den Objekten

Der Plattformnutzer findet Angaben zum Kunstwerk wie Titel, Material und Entstehungszeit. Über den Schöpfer des Objektes erhält er eine Kurz-Vita. Weitere Angaben sind etwa der genaue Standort des Objektes sowie bis zu acht Fotos, gegebenenfalls sogar ein Video. Für die Recherchen nutzten Petersen und Schiffler unterschiedliche Quellen wie Bücher und Websites, vorhandene Übersichten einzelner Orte, Werksverzeichnisse von Künstlern und persönliche Gespräche bis hin zu zufälligen Funden vor Ort.

Ein Denkmal für die „Lütten Lüüd“, die armen Leute von früher, sollte es werden. Jan und Gret sind in St. Peter-Ording zu finden.

Hindernisse überwinden

Warum dieser Aufwand, wird sich der ein oder andere fragen, die Kunst ist doch bereits im öffentlichen Raum und somit für jedermann zugänglich? Aber nur scheinbar. Mobile oder auch zeitliche Einschränkungen erschweren es, die Werke einmal live zu betrachten. Außerdem nehmen viele gerade das, was sie alltäglich sehen, nicht mehr bewusst wahr. Die Kunst verschmilzt mit der Umgebung. Doch dank der Plattform rücken die Objekte wieder ins Bewusstsein Vorbeiziehender. Ohne großen Aufwand und gemütlich vom heimischen Schreibtisch aus kann sich jeder mit verschiedenen Werken in Schleswig-Holstein und seit diesem Jahr auch in Hamburg beschäftigen.

Kaum zu übersehen: 2012 fertigte der regionale Künstler Andi Feldmann eine knapp fünf Meter hohe Stahlfigur, die vor dem örtlichen Kindergarten aufgestellt wurde

Tausende Datensätze gehen online

Für mehr als 1.000 Werken findet sich bereits Wissenswertes auf Kunst@SH. Die Arbeiten entstanden vor allem seit Ende des 19. Jahrhunderts. Skulpturen aus Metall, Holz, Keramik und Stein ebenso wie Reliefs, Mosaike und Malereien sind kategorisiert. Eine spezielle Funktion auf der Seite ermöglicht das gezielte Suchen nach Vorlieben. Wer sich für ein bestimmtes Material interessiert, kann sich etwa alle Objekte aus Holz in der Datenbank anzeigen lassen. Dies ermöglicht es, Werke direkt miteinander zu vergleichen, was so vor Ort nicht möglich ist. Eine interaktive Karte zeigt, welche Kunstwerke neben dem gesuchten noch in der Nähe sind. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel alle bereits erfassten Objekte in einem Ort anzeigen.

Auf den Spuren der Kunst

Wen nach der Recherche auf Kunst@SH die Lust überkommt, hinauszuziehen und Kunst live zu erleben, sollte Kamera, Stift und Papier einstecken. Die Standorte vieler weiterer Kunstwerke sind bereits bekannt und sollen in den kommenden Jahren schrittweise eingepflegt werden. Auch werden Hinweise oder Ergänzungen, wie Ortswechsel, Restaurierung oder Zerstörung, bereits dargestellter oder noch fehlender Kunstwerke entgegengenommen.

 

Fotos: Jan Petersen / Kunst@SH