Stille Wasser sind nicht sein Ding

von Nicole Groth

Meisterhaft auf dem Meer – das ist Philip Köster. Viermal holte er sich bereits den Weltmeistertitel im Windsurfen. Auf dem Wasser fühlt sich der Sohn deutscher Auswanderer Zuhause. Geboren und aufgewachsen ist der mittlerweile 24-Jährige auf Gran Canaria. Obwohl er warme Gefilde zum Surfen bevorzugt, führt ihn sein Weg auch regelmäßig an die Nordseeküste. Hier misst er sich beim Windsurf-Worldcup auf Sylt mit Profis aus aller Welt.

Lebensart-Redakteurin Nicole Groth sprach mit dem Weltmeister über den Spaß am Surfen, die Höhe- und Tiefpunkte in seiner Karriere und welche Tipps der 24-Jährige für Surfanfänger hat.

Wann standen Sie das erste Mal auf dem Brett?
Mit acht Jahren, davor lag ich bei meinen Eltern immer vorne auf dem Brett oder habe mich ziehen lassen.

Haben Sie direkt mit dem Windsurfen angefangen oder mit einer anderen Surfart?
Von Beginn an wollte ich nur Windsurfen. Aus meinem Kinderzimmer konnte ich beim Hausaufgabenmachen immer die Windsurfer beobachten, das hat mich fasziniert.

Ihre Eltern hatten eine Surfschule auf Gran Canaria. War es somit unvermeidlich, dass Sie mal surfen werden?
Mein Elternhaus liegt nur 90 Meter vom Strand entfernt, ich war täglich im Wasser und bin viel geschwommen oder habe mit einem Bodyboard herumgepaddelt und versucht, mich daraufzustellen. Mein erster Wettkampf war auch nicht im Surfen, sondern im Schwimmen. Als Kind war ich sogar mal kanarischer Meister im Freistil-Schwimmen. Von klein auf war ich mit den Sportlern der Windsurf-Schule meiner Eltern zusammen. Ich glaube, da hatte ich keine Wahl.

Was ist Ihnen anfangs schwergefallen?
Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil es schon so lange her ist. Natürlich funktioniert nicht alles auf Anhieb, das kann auch frustrieren. Aber insgesamt war es eine schöne Erfahrung, diesen tollen Sport zu lernen. Es macht Spaß, wenn man merkt, wie man Fortschritte macht.

Wann war Ihnen klar, dass Sie gut surfen konnten?
Naja, die anderen Windsurfer am Strand haben schon gesehen, dass ich schnell lerne. Mein Ehrgeiz war geweckt und die Tipps von den älteren Surfern konnte ich recht schnell umsetzen. Den Frontloop, einen Trick, bei dem man eine Frontrotation ausführt, habe ich in fünf Versuchen gelernt.

Beschreiben Sie Ihre Gefühle während Ihres ersten Wettkampfs.
Bei meinem ersten Wettkampf müsste ich neun Jahre alt gewesen sein. Natürlich war ich sehr aufgeregt. Insgesamt hat es sehr viel Spaß gemacht, mich mit den anderen Teilnehmern zu messen.

Sie schreiben auf Ihrer Internetseite von einem Achtungserfolg bei Ihrem ersten PWA World Cup in Pozo, sind aber im ersten Lauf ausgeschieden: Erklären Sie bitte, wie Sie das meinen.
Mit zwölf Jahren habe ich von der Professional Windsurfers Association (PWA) eine Wildcard bekommen, um bei den Männern mitzufahren. In dem Alter erstmals nicht im Jugendbereich zu starten, war eine große Anerkennung für mich. Leider bin ich knapp an meinem Gegner gescheitert, der viel älter und erfahrener war.

Mercedes-Benz Windsurf World Cup 2017 / 08.10.2017, Siegerehrung, Wave, Philip Koester
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Mittlerweile ist Ihre Erfolgsliste lang: Was war für Sie der größte Sieg?
Vier WM-Pokale konnte ich sammeln, doch der letzte Titelgewinn war schon sehr besonders. Nach einer schweren Verletzung habe ich mich zurückgekämpft und in meiner Comeback-Saison den Sprung zurück in die Weltspitze geschafft.

Was war der Tiefpunkt in Ihrer Karriere?
2016 habe ich mich im Training in Australien am Innen- und Außenband sowie am Meniskus im rechten Knie schwer verletzt. In der langen Reha waren ein starker Wille und viel Unterstützung meiner Familie und Sponsoren gefragt, um wieder richtig fit zu werden.

Was macht für Sie das Windsurfen aus?
Das ist vor allem die Kombination aus Geschwindigkeit und den radikalen Sprüngen. Dazu kommt das direkte Naturerlebnis. Das alles zusammen bedeutet für mich Freiheit.

Kann jeder Windsurfen lernen oder muss man bestimmte Fähigkeiten oder körperliche Eigenschaften haben?
Nein, das kann wirklich jeder lernen. Das Material ist mittlerweile leicht und handlich, sodass alle Spaß am Windsurfen haben können.

Gibt es ein Mindest- und ein Maximalalter, um aufs Brett zu steigen?
Es ist ein wenig von der körperlichen Entwicklung abhängig. Ich war mit acht Jahren schon recht kräftig und konnte das Equipment kontrollieren. Allerdings sind die Kinderiggs und -boards heute so weit entwickelt, dass man eventuell auch früher anfangen kann. Nach oben gibt es kein Limit.

Haben Sie einen Tipp, woran man eine gute Surf-Schule erkennt?
Sehr wichtig ist eine gute Beratung, das Wohl und die Gesundheit der Schüler hat Priorität. Vor Ort sollten die Surflehrer Kompetenz ausstrahlen und es muss genügend neues Material bereitstehen.

Was ist ein typischer Anfängerfehler, vor dem Sie warnen?
Da fällt mir sofort ein, was mein Vater mir immer gesagt hat: Die Segelhand arbeitet, die Masthand ist gestreckt. Viele Anfänger strecken beim Anfahren den Po raus, wenn der Druck im Segel zu groß wird, das Segel und meist der Windsurfer fallen ins Wasser, weil die Kraft nicht in Bewegung umgesetzt wird. Bleibt man aber gerade stehen und „öffnet“ das Segel, passiert nichts und man kann versuchen, neu zu starten.

Kann man Sie dieses Jahr wieder beim Windsurf-Worldcup auf Sylt erleben?
Na klar! Die Veranstaltung auf Sylt ist immer gut besucht und für mich ein Highlight im Kalender der World Tour.

Wo steht Sylt auf Ihrem Location-Ranking?
Windsurfen vor Sylt ist sehr anspruchsvoll, bei starkem Wind ist die Welle oft schwer einzuschätzen und chaotisch. Außerdem bläst der Wind oft von rechts oder direkt auflandig, was ansonsten nicht so oft vorkommt auf der World Tour.

Wo ist für Sie der beste Ort zum Windsurfen?
Ich liebe die australische Westküste. Vor Margaret River bin ich regelmäßig auf dem Indischen Ozean unterwegs. Die Bedingungen sind einfach perfekt.

Welche Ziele haben Sie für die Zukunft?
Als Weltmeister muss es mein Ziel sein, den Titel in der neuen Saison zu verteidigen.

Haben Sie neben dem Profisport noch einen anderen Job?
Nein, das würde auch zeitlich gar nicht gehen. Als Leistungssportler beschäftige ich mich den ganzen Tag lang mit meinem Beruf. Bin ich nicht auf dem Wasser, arbeite ich an Land an meiner Kondition und Koordination.

Wie lange trainieren Sie pro Woche?
Bei Wind bin ich täglich mindesten vier bis fünf Stunden auf dem Wasser. Es ist aber schwer, im Voraus zu planen, da die Trainingsinhalte auch immer von den Wetterbedingungen abhängig sind.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie für den Sport unterwegs?
Mit Trainingsreisen, Sponsorenterminen und den Wettkämpfen reise ich jährlich zwischen acht und neun Monate.

Was wollen Sie nach Ihrer Surfer-Karriere machen?
Daran denke ich noch nicht. Es kommen aktuell noch so viele Eindrücke hinzu, neue Freunde und Kontakte.