Ruhe im Kopf – Ausstieg aus dem stressigen Gedankenkarussell

Mit Achtsamkeit (Mindfulness) und The Work of Byron Katie

Draußen ist alles ruhig. Es ist Sonntag, ich muss nicht arbeiten und könnte mich eigentlich so richtig entspannen. Aber in meinem Kopf ist der Teufel los.

„Morgen im Büro wird es wieder stressig!“ und „Ich muss meinen Sohn noch zum Lernen bringen. Hoffentlich schafft er das Abi!“. Ein stressiger Gedanke folgt auf den anderen und ich kann sie nicht stoppen. Ich bin nicht in der Lage, den freien Tag zu genießen. Wer kennt das nicht?

Ruhe im Kopf
Ruhe im Kopf

Dass es nie die Situation selbst ist, die uns stresst, sondern das, was wir darüber denken, ist eine alte Weisheit. Schon Marc Aurel (121-180 n. Chr.) schrieb, dass „unser Leben das Produkt unserer Gedanken ist“. Doch ist es überhaupt möglich, einen Gedanken nicht zu denken oder ihn zumindest nicht zu glauben? Und dann andere Gedanken über die gleiche Situation zu haben? Diesem Ansatz widmen sich die meisten aktuellen Mentaltechniken und erreichen damit den zentralen Nerv unserer Zeit.

Gedanken als Ursache von Stress

Nehmen wir das Beispiel zweier Angestellter einer Firma, denen gerade gekündigt wurde. Der eine denkt: „Was für eine Katastrophe!“ und „Ich habe keine Zukunft mehr.“ Der andere hat andere Gedanken: „Wer weiß, wofür das gut ist“, „Dann finde ich etwas Neues“ oder „Ich wollte sowieso eine Elternzeit nehmen“. Wem geht es besser? Und wer ist handlungsfähiger? Und könnte der erste Angestellte nicht einfach seine Gedanken ändern? Seine neuronalen Verbindungen im Gehirn umprogrammieren?

Gedanken sind nicht die Realität

Die Hauptherausforderung besteht darin, den eigenen Gedanken nicht zu glauben und es für möglich zu halten, dass man die Situation auch ganz anders wahrnehmen und bewerten könnte. Zu verstehen, dass unsere Gedanken Resultat unserer Erziehung, der Gesellschaft und ganz persönlicher Erfahrung sind und keine ‚objektiven‘ Tatsachen widerspiegeln, fällt sehr schwer. Es ist spannend zu bemerken, wie stressige Gedanken stets mit bestimmten Emotionen (Wut, Angst, Trauer etc.) und Körperempfindungen (enger Hals, hoher Pulsschlag, Schwere im Körper etc.) verbunden sind. Fällt der Gedanke weg, sind sofort entsprechende Emotionen und Körpergefühle verschwunden. Halten wir an den stressigen Gedanken fest, bleiben Emotionen und Stress im Körper auch erhalten. Wir bestätigen unsere alten Wahrnehmungsfilter und sind nicht wirklich in der Lage, aus den alten Stressmustern auszusteigen.

Achtsamkeit als Voraussetzung

Wesentliche Voraussetzung für die Veränderung und das Auflösen stressiger Gedanken ist, dass wir sie überhaupt erst einmal mitbekommen. Manchmal merke ich, dass es mir plötzlich schlecht geht, ohne zu wissen, welcher Gedanke kurz zuvor da war und durch was genau er ausgelöst wurde. Achtsamkeit bedeutet, in die Selbstbeobachtung zu gehen, Gedanken, Körperempfindungen und Emotionen zu beobachten, ohne sie zu bewerten. Meist beruhigt es sich dann schon etwas im Kopf, weil ich diese Gedanken und Gefühle beobachten kann und dadurch Distanz zu ihnen gewinne.

The Work of Byron Katie als Schlüssel

Byron Katie – Lieben was ist
Habe ich einen stressauslösenden Gedanken identifiziert, so eignet sich die Selbstcoachingmethode der Amerikanerin Byron Katie ‚The Work‘ sehr gut, um Ruhe im Kopf herzustellen. The Work untersucht einen einzelnen Gedanken (z.B. „Er sollte mich mehr lieben“) mit vier einfachen Fragen. 1: Ist das wahr? 2: Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? 3: Wie reagiere ich und was passiert, wenn ich das glaube? (hier dürfen sich die ganzen stressigen Gefühle und Bilder im Kopf zeigen) und 4: Wer wäre ich in der gleichen Situation ohne den Gedanken? (hier kehrt oft Ruhe ein und neue Handlungsimpulse tauchen auf). In den anschließenden Umkehrungen des Gedankens in dieser gleichen konkreten Situation („Ich sollte mich mehr lieben“, „Ich sollte ihn mehr lieben“ und „Er sollte mich nicht mehr lieben“) mit entsprechenden konkreten Beispielen wird das Gehirn wie neu programmiert. The Work heißt The Work (die Arbeit), weil es eine gewisse Bereitschaft und Anstrengung fordert, die alte Ansicht über jemanden loszulassen und Beispiele für andere Gedanken über die Situation in den Umkehrungen zu finden. Aber es funktioniert!

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