Pulver verschossen?

von Meeno Schrader

Sie haben es bestimmt auch bereits etliche Male gehört. Vielleicht ist es Ihnen selber über die Lippen gekommen. Dieser mit einer Prise Depression behaftete Satz:“ Das war’s dann ja wohl mit dem Sommer!“ Pointiert platziert am Ende einer Wetterperiode, in der sich die Temperaturen weit jenseits der 20 Grad aufgehalten haben und die Daueranwesenheit der Sonne schon fast als aufdringlich bezeichnet werden könnte. Tag für Tag. Na klar, irgendwann ist sowas auch mal zu Ende, muss die Atmosphäre ihre Energie an anderer Stelle ein- und umsetzen. Allerdings: Schluss mit Sommer war deswegen noch lange nicht, wie uns der Mai auf sehr beeindruckende Weise gleich wochenlang bewiesen hat. Das ist und war Sommer vom Feinsten.

Wenn er denn unbedingt jetzt schon streberhaft durch Dauertopleistung in die erste Liga aufsteigen will – warum nicht schon im Mai und was auch immer anderes im August? Zugegeben, Flexibilität ist gefordert, persönlich und kalendarisch, man kann in der Regel nicht einfach den eingereichten Urlaub wechseln. Und dann sind da noch die Sommerferien mit geschlossenen Kitas und mehr. Urlaubszeit, zu der sich fast jeder Urlauber wünscht, vom Wetter nach draußen gelockt zu werden. Aber es ist kein Ausschlussprinzip. Das kann ja noch passieren! Ist ja nicht so, dass nur ein bestimmtes Kontingent an Sommerwetter so wie Brot im Regal vorhanden ist. Wenn weg, dann leer. Da kann durchaus noch nachgeliefert werden. Ob es die exakt gleiche Wettersorte wie gerade im Mai sein wird, das lässt sich nicht versprechen. Jedes Brot schmeckt schließlich auch irgendwie anders.

Zwingend verschossen hat das Wetter sein Pulver im Mai definitiv nicht. Da steht keiner und lässt in zwei Monaten wie bei der Personeneinlasskontrolle nur bestimmte Typen durch. Was auch immer im Juli und August kommt, das was der Mai abgeliefert hat kann uns keiner nehmen. Dazu gehört trotz kühler Ost- und Nordsee die Tatsache eines viel zu warmen Mais. Drei Grad höher lag der Mittelwert der Temperatur, höher als der statistisch signifikante „normale“ Maitemperaturmittelwert. Nochmals wird das Besondere dieses Sommer-Mais zum Ausdruck gebracht, Hand in Hand mit einer aussergewöhnlichen Trockenheit. Waldbrandgefahr der höchsten Alarmstufe und das bereits so früh im Jahr hat sehr hohen Seltenheitswert und macht zugleich schlagartig deutlich, dass Regen zwischendurch auch viel Gutes hat.