Nordische Braukultur – Spezialitätenbiere erfreuen Gourmettrinker

Bier gehört zum Norden wie Wind und Meer. Es gab Zeiten, da wurde in jedem Dorf aus Hopfen und Malz Bier gebraut. In modernen globalisierten Zeiten verflachte die Kultur, gefragt waren Einheitsbiere, flach und schal. Doch seit die Craft-Beer-Bewegung die Szene aufmischt und auch die größeren Brauereien verstärkt auf Spezialitäten setzen, erlebt die nordische Braukultur eine Renaissance und blüht auf. In Hamburg und Schleswig-Holstein löschen mittlerweile wieder 45 Brauereien mit 320 Biersorten den Durst der Bierfreunde.

Die Geschichte des Biers gehört untrennbar zur Kulturgeschichte der Menschheit. Bereits Jahrtausende vor der Sesshaftwerdung haben Menschen Bier gebraut, das gleichermaßen als Nahrungsmittel wie als Genussmittel hohe Bedeutung erlangte – besonders bei den Teutonen. Bei Kulmbach fanden sich Bieramphoren aus der Zeit um 800 v. Chr. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus berichtete gleichermaßen fasziniert wie schaudernd von der Kampfeskraft unserer Altvorderen – auch was den Bierkonsum betrifft. Indigniert hielt er fest, dass diese germanischen Barbaren eher übermäßigen Alkoholgenuss schätzen als einen gepflegten Feldzug nach römischer Art, die ja bekanntlich lieber Wein tranken. Der bayerische Herzog Wilhelm IV. brachte 1516 dann ein wenig Kultur in die Bierangelegenheit und verfügte das bis heute gültige Reinheitsgebot. So wird Bier in Deutschland seit 500 Jahren nur aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe gebraut. Doch trotz Tradition und Kultur ging der Bierkonsum stetig zurück. Trank der Deutsche in den 1980er Jahren noch 150 Liter Bier pro Jahr und Einwohner, sind es heute um die 110 Liter. Einerseits wird heute grundsätzlich weniger Alkohol als früher getrunken, andererseits konnte der Genussmensch mit dem verflachten Einheitsgeschmack wenig anfangen und stieg auf Wein um.

Bier braucht Heimat

Gegen den globalisierten Einheitsgeschmack entwickelte sich aus den USA kommend die „Craftbeer“-Bewegung. Seit 2007 hat sich dort die Anzahl der Kleinstbetriebe verdreifacht und auch in Deutschland entstehen immer mehr kleine Micro-Brauereien, die Trends setzen und Bier für Genusstrinker attraktiv machen. Bier braucht eine Heimat, finden viele. So fangen auch immer mehr Freunde von Hopfen & Malz an, ihr Bier selbst zu brauen. Für Hobbybrauer bietet der Markt mittlerweile alles, was sein Herz begehrt.
Der Trend zum handwerklich gebrauten Bier aus Kleinstbrauereien belebt die Bierszene in Deutschland. Nur einen „Biernotstand“ wie in den USA gab es bei uns nie. Bayern allein besitzt mehr als 600 Brauereien und Braustätten wie Weihenstephan oder die Klosterbrauerei Weltenburg gibt es schon seit dem 11. Jahrhundert. Was Amerikaner unter Craft Beer verstehen, nämlich Bier in Betrieben gebraut, die weniger als 9,5 Millionen Hektoliter umsetzen, erfüllt jede deutsche Brauerei. Deshalb definieren sich deutsche Craft-Beer-Brauer lieber über den Geschmack und ihre Experimentierfreude, über viel Malz und Hopfen und Aromen und spielerischen Umgang mit den Zutaten. Dazu entstehen schicke Läden, in denen Biersorten so präsentiert werden wie edler Wein und Whisky. Es gibt Bier-Tastings, Stammtische und Seminare. Bier wird dekantiert und zu edlen Gerichten verarbeiten. Diese Entwicklung ist zu begrüßen. Bietet doch kaum ein anderes Getränk eine derart bunte Sorten- und Markenvielfalt: Helle und dunkle, herbe und süffige, ober- und untergärige Biere, Pilsener, Export, Bock, Weizen, Rot- und Schwarzbier, Pale Ale … weit über eintausend deutsche Braustätten buhlen mit ihren 5.000 verschiedenen Biersorten um die Gunst der Bierliebhaber.

Wir dürfen uns über die neuen Geschmäcker und Biersorten freuen. Ob als Getränk des einfachen Genusses und der Verbrüderung beim Fußball oder als Edelgetränk für besondere Genussmomente – wir haben die Wahl. Hauptsache aus Schaum geboren.

Bierspezialitäten

„derHeimathafen“ in Kiel ist ein schmucker Laden für nachhaltigen Genuss. Bei Sabine und Andreas Zwanck findet der Besucher Bio- und Vegane-Weine, Bio-Obstbrände und Honig der Kieler Honig-Deern. Im hinteren Teil lassen sich kleine Upcycling-Kunstwerke bewundern. Aus alt mach neu lautet das Vintage-Motto. Schon viele Jahre im Bio-Weinhandel tätig, fand das sympathische Paar vor gut einem Jahr ihren Heimathafen am Schülperbaum, täglich geöffnet: Mo-Fr von 13-18 Uhr, Sa von 10-13 Uhr. derHeimathafen bietet auch eine große Auswahl deutscher Craft-Beer-Spezialitäten an, mehrheitlich in Bio-Qualität. Die Craftbeer-Szene schöpft aus einer großen Auswahl an Aroma- und Bitterhopfen und Malzsorten. Flacher Einheitsgeschmack ist hier nicht zu finden. Im Heimathafen findet der Bier-Fan kompetente Beratung, jeden Freitag und Samstag lockt die freie Probe, können verschiedene Craftbeere (und Bio-Weine) bei selbstgebackenem Ciabatta verkostet werden. Während der Kieler Craft-Beer-Days am 21./22. April in der Halle 400 präsentiert derHeimathafen die Braumanufaktur Sander. derHeimathafen steht für Genuss ohne Reue – einfach für gute und schmackhafte Ideen.
DerHeimathafen
Schülperbaum 2, Kiel, Tel. 0431 / 3644936, 0152 / 27467714
www.derheimathafen.net

Kieler Bier-Tage

Zum fünften Mal können Bierliebhaber und Bierliebhaberinnen auf den „Kieler Craft Beer Days“ (21. + 22. April, Fr 16-23 Uhr, Sa 15-22 Uhr, Halle 400) weit über 200 Biersorten verkosten. Für einen Eintrittspreis von 6,- Euro und 5,- Euro Gläserpfand kann überall probiert werden, was das Sommelierglas hergibt. Es werden an den Ständen Probierschluck (100 ml) und volles Glas (300 ml) angeboten. An 36 Craft Beer-Ständen aus Deutschland, Holland, Schweden und Dänemark stellen Brauer und Importeure ihre in Manufakturen produzierten unverwechselbaren Bierkreationen vor und in Seminaren wird wertvolles Fachwissen rund ums Bier vermittelt.
Kartenvorverkauf bei CITTI, Martin’s Weindepot und Brewcomer
oder unter: www.kcbd.de

Bierparadies

Seit November letzten Jahres gibt es in Neumünster mit dem Schwalebräu wieder ein eigenes Bier. Im Hauptquartier der Bierbrauer, in der Brachenfelder Straße, gibt es mehr zu entdecken als das süffige Bier aus der Schwalestadt. „Wir haben den wohl am besten sortierten Craft Beer Store in Mittelholstein“, stellt Mitinhaber und Bierbotschafter Sven Reents fest. Es sind immer 80 nationale und internationale Biere vorrätig. Das Angebot wird ständig erweitert und wechselt. Der Fokus liegt bei Bier-Spezialitäten, die nicht im Supermarkt an der Ecke zu bekommen sind. Egal ob Brown Ale, Rauchbier, IPA, Alternative Pale Ale, Weizen oder Kölsch – die Sortenvielfalt erfreut den anspruchsvollen Biertrinker, es gibt immer etwas Neues zu entdecken. Wer nicht die viel zitierte „Katze im Sack“ kaufen möchte, kann auch erst einmal probieren. Wer Lust hat, neue Biere zu entdecken, hat auch die Chance an einem der regelmäßig stattfindenden „Craft Beer Tastings“ teilzunehmen. Der Craft Beer Store hat Dienstag bis Donnerstag von 15 bis 19 Uhr, Freitag und Samstag von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Barbereich ist Mittwoch bis Samstag ab 19 Uhr besetzt. Neben Bier gibt es auch Kleinigkeiten zu essen sowie eine große Auswahl an alkoholfreien und alkoholischen Getränken. In der Schwalestadt blühen Hopfen & Malz wieder auf.
Craft Beer Store, Brachenfelder Str. 45, Neumünster
Tel. 04321 / 8534930, www.schwalebraeu.de

Hopfen & Malz im Kirschenholz

Neben dem traditionellen Restaurant in Schillsdorf, direkt hinter dem Hofladen in der alten Scheune, mit all seinen Leckereien aus der hauseigenen Produktion, befindet sich die im letzten Jahr ausgebaute „Beer Brauerei“ von Familie Overath. Das Kirschenholzer Landbier hell, dunkel und alkoholfrei, lässt die Brauerei nach eigenem Rezept brauen. In den Lagertanks im Kirschenholz reifen die hausgebrauten Sorten. Neben einem Hellen, „Unser Helles“, einem kupferfarbenen, mildgehopften Bier, dem „Rubin Beer“ und dem „Düstern Bock“ können und werden hier Spezial- und Saisonbiere gebraut. An der mit moderner Technik ausgestatteten Brauanlage, mit offenen Gärbottichen, werden 1000 Liter Beer pro Sud hergestellt. Handarbeit steht im Vordergrund – wie so ziemlich alles im Kirschenholz. Von der Leberwurst, über die Marmeladen und die hausgemachten Torten und Kuchen, bis hin zum über Monate geräucherten Schinken für die Spargelzeit. Die „Beer Brauerei“ ist die einzige Privatbrauerei im Kreis Plön und die erste plattdeutschen Brauerei in Deutschland. Dazu kommen Familie Overaths Angebote rund um die heimische Küche und ihr traditionelles Frühjahrsfest mit dem Ochsengrillen zu Pfingsten: bodenständig, pfiffig, nordisch lecker.
Landgasthof Kirschenholz
Hauptstr. 4, Schillsdorf, Tel. 04394 / 309
www.kirschenholz.de

Hamburger Helles – perfekt für den Frühling!

„Lübeck ein Kaufhaus, Lüneburg ein Salzhaus … und Hamburg ein Bierhaus˝ – ein verbreiteter Spruch der Hanse-Zeit. Vor 775 Jahren begann man an Elbe und Alster mit der Herstellung von Bier und im 16. Jahrhundert gab es bereits mehr als 600 Brauereien. Schon 1772 öffnete die Gröninger Privatbrauerei hinter der barocken Fassade des malerischen Giebelhauses ihre Pforten.
Heute empfängt Hamburgs älteste Privatbrauerei ihre Gäste mit authentischem hanseatischen Ambiente und Charme. Kommt man in den urigen Braukeller, sind es die Gewölbe, die alten Fässer, die kupferblitzende Sudpfanne, die Krüge und Brauutensilien, die die Geschichte der Braukunst erzählen. An rustikalen Biertischen sind jetzt im Frühling neben dem „süffigen“ Klassiker Gröninger Pils aus dem Fass zum Selberzapfen das Gröninger Alsterwasser Orange und das neue leichte Gröninger Helles ein besonderer Genuss. Neu ist der leckere Brauhaus-Burger, aber auch deftige Speisen wie Brauerschmaus, Spanferkel, saftige Haxen, selbstgebackenes Brot und hausgemachte Spezialitäten passen perfekt zu den hanseatischen kühlen Blonden. Und steigt man die Treppe hinauf, gibt es im gemütlichen Gröninger Brauhaus den Blick aus dem Fenster auf einen weiteren Teil Hamburger Tradition, die Speicherstadt.
Gröninger Privatbrauerei
Willy-Brandt-Str. 47, Hamburg
Tel. 040/570105100
www.groeninger-hamburg.de

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