Mundraub – Freies Obst für freie Bürger

von Hanna Wendler

Mundraub verbindet Menschen mit Obstbäumen und durch Obstbäume. Foto: Jan Pauls

Das Glück wächst auf den Bäumen und zwar überall um uns herum. Genauer gesagt an Bäumen, Sträuchern, auf Wiesen und in Wäldern, auf unserem Spazierweg, dem Weg zur Arbeit und direkt in der Stadt. An vielen Orten wächst frei zugängliches Obst, nur übersehen wir es oft. Die Online-Community „mundraub“ will das ändern. Auf einer digitalen Landkarte kann jeder frei zugängliche Obstbäume, Beerensträucher, Nüsse und Kräuter auf Flächen im öffentlichen Raum eintragen. Seit ihrer Gründung 2009 ist daraus die größte Online-Plattform für die Entdeckung und Nutzung essbarer Landschaften weltweit geworden.

Mehrere zehntausend Menschen engagieren sich mittlerweile sowohl online als auch im realen Leben, um Fund­orte miteinander zu teilen, gemeinsame Pflanz- und Ernteaktionen durchzuführen oder sich in regionalen Gruppen auszutauschen. Mundraub schafft ein Bewusstsein für essbare Landschaften, Regionalität und Saisonalität. Das Portal will dazu motivieren, vorhandene Ressourcen wahrzunehmen und zu nutzen. Der Weg, über ein digitales Medium Realität zu entdecken, weckt vor allem auch die Neugierde naturferner Zielgruppen.

Eine Idee keimt auf

Bei einem Urlaub entstand 2009 die Idee für das Portal. Die Gründer Kai Gildhorn und Katharina Frosch wähnten sich schier im Schlaraffenland: Während sie gemächlich auf der Unstrut paddelten, schien ihnen das Obst von Bäumen und Sträuchern direkt in den Mund zu wachsen. Das Absurde daran: Ihr mitgebrachtes Proviant bestand aus in Plastik verpackten Früchten aus dem Supermarkt. Äpfel, Birnen, Pflaumen – weit gereist und eingekauft.
Während das heimische Obst einfach vergessen wird und am Wegesrand verfault, füllen sich die Einkaufswägen mit eingeschweißten Früchten. Davon sind die meisten nicht einmal aus der Region. Diese vernachlässigten heimischen Obstbestände und ein offensichtlich fragwürdiges Konsumverhalten waren für Kai und Katharina Grund genug: Keine Woche später wurde „mundraub“ geboren. Die Domain gesichert, einen rudimentären Blog gebastelt, trugen die beiden Ideengeber erste Fundorte in die Karte ein und legten so das Fundament für die heute existierende, community-basierte Plattform.

Ein Mundräuber weiß, dass auch andere Mundräuber unterwegs sind und lässt für jeden genug übrig.
Foto: Fotolia/nataba

Die Mundräuber-Regeln

1. Wahrung der Eigentumsrechte

Vor dem Eintragen bzw. Ernten muss man sicherstellen, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden. Im Zweifelsfall kann man sich bei den zuständigen Behörden erkundigen, ob die Obstbäume auf öffentlichem Grund stehen. Anlaufstelle hierfür sind z.B. die Untere Naturschutzbehörde, das Grünflächenamt oder die Straßenverkehrsbehörde. Bäume entlang einer Landstraße können verpachtet sein, Obstwiesen sind gelegentlich in Privatbesitz oder werden von Streuobst-Initiativen gepflegt und bewirtschaftet. Wenn ein Fundort kein Allgemeingut ist, gehört er nicht auf die Karte.

2. Behutsamer Umgang mit den Bäumen und der Umgebung

Bei der Ernte geht man behutsam mit den Bäumen, der umgebenden Natur und den dort lebenden Tieren um. Hochstämmige Obstbäume können bei sorgsamem Umgang und guter Pflege um die 100 Jahre alt werden. Die Früchte sind auch für Tiere wie Mäuse oder Vögel ein Festschmaus. Daher sollte man einige Früchte liegen oder am Baum hängen lassen.

3. Teilen

Mundraub lebt vom Teilen – das betrifft sowohl Fundorte als auch die Früchte selbst. Es besteht kein Anspruch oder Recht auf die Ernte eines öffentlichen Baumes, weil man diesen der Karte hinzugefügt hat. Für den Eigenbedarf pflücken ist erlaubt, aber nicht in großem Stil gewerbsmäßig, dazu braucht es eine behördliche Genehmigung.

4. Engagement bei der Pflege und Nachpflanzung von Obstbäumen

Man kann für die auf mundraub.org verzeichneten Obstbäume Verantwortung übernehmen, indem man ihnen nicht nur zur Erntezeit einen Besuch abstattet. Auf diese Weise lässt sich viel über den Jahreszyklus sowie Zustand von Obstbäumen erfahren. Man kann sich außerdem über den Naturschutzbund Deutschland (NABU) aktiv für die Pflege und den Erhalt von Streuobstwiesen in der Region einsetzen. In einigen Städten und Gemeinden gibt es Pflanzflächen, um dort Nachwuchs zu pflanzen.

Durch einen Blick auf die Karte von mundraub habe ich festgestellt, dass entlang meiner Laufstrecke Äpfel, Birnen, Kirschen und Johannisbeeren wachsen. Zur Erntezeit werde ich dann wohl mal häufigere Verschnaufpausen in meinen Trainingsplan einbauen…

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