Heute mal kein Fußball

von Stephan Opitz

Dass ich für Fußball nichts übrig habe, wissen meine, teils fußballvernarrten, Freunde und Verwandten. Und lächeln wissend oder seufzen still – tja, Du raffst es einfach nicht. Ich finde Fußball vor allem eins: sterbenslangweilig. Und außerdem auf Profiebene eine weltweit widerwärtige, ziemlich unappetitliche Geldscheffel- und Bestechungsmaschine. Abgesehen davon geht mir die Dauerpräsenz dieser Sportart auf allen Kanälen und in allen Medien auf den Keks. So gesund, interessant, lebendig und körperlich-geistiger Entwicklung zuträglich kann – bei klarem Verstand betrachtet – keine Sportart sein, um derart breit auch auf allen öffentlich-rechtlichen Kanälen präsent sein zu sollen. Klare Ansage: In Zeitungen, Radio, Fernsehen ist absolut zu viel Fußball. Und reichlich zu wenig anderer Sport. Was sollen eigentlich die Eltern von Kindern denken, die Hockey oder Basketball spielen, kommende Leichtathleten oder Kanufahrer, Bogenschützen oder Ringer werden wollen? Die brauchen doch auch ein Echo in den Medien. Vorschlag: höchstens 50% Fußball, der Rest andere Sportarten.

Und deswegen kommt jetzt meine Lieblingssportart mal zum Zuge – 10 Gründe, warum man rudern sollte.

1. Rudern ist eine schöne, elegante, beglückende, gesunde, naturnahe, technisch nicht anspruchslose, sozial- und umweltverträgliche Sportart.
2. Für Leute, die auf ihren Körper und auf ihre Seele achten wollen: Rudern ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt, kann bis ins ganz hohe Alter ausgeübt werden und setzt sehr gelenkschonend um die 80% aller Muskeln in Bewegung. Rudern kommt ohne Rumschreien aus (wenn man mal von Fans auf Regattatribünen absieht). Man muss sich nach Ende eines Ruderrennens auch nicht die Trikots ausziehen und in die Menge werfen und dabei grölen und in die Hände klatschen.
3. Rudern ist einerseits leicht und bis ins hohe Alter erlernbar – Rudern ist andererseits anspruchsvoll und muss ein Leben lang trainiert werden. Nur so ein bisschen geht nicht, egal, welche Trainingsziele man sich setzt. Das ist prima für die gute alte Disziplin.
4. Beim Rudern, besonders beim Rudern im Einer, bestimmt man den Idiotenfaktor weitgehend selbst.
5. Die größte Rudermannschaft, der Achter mit Steuermann, ist gerade noch klein genug, um sozial austariert werden zu können.
6. Beim Rudern sitzt man gerade so eben über dem Wasser – die Luft, die man atmet , ist weitgehend staub- und pollenfrei.
7. Man kann gemütlich und sehr engagiert rudern – die Gesundheitseffekte bleiben ähnlich (wie beim Radfahren auch).
8. Doch ganz unter uns: Engagiertes Trainingsrudern macht am meisten Spaß – mit einem gut gesetzten Ruderschlag (Durchzug von Riemen oder Skulls durchs Wasser) irgendwie zwischen 8 und 12 m weit zu kommen, zu gleiten, über das Wasser langsam zu fliegen, macht viel Spaß. Auch dann, wenn hechelnde Drachenbootfahrer oder Kanuten neben einem unterwegs sind.
9. Schleswig-Holstein ist ein Paradies für den Rudersport. Das kann man ruhig mal lauter verkünden als bislang.
10. Rudern kann man auch in ausgebeulten Uralttrainingshosen und ausgewaschenen Sweatshirts – Hauptsache, das Zeug hält warm und saugt den Schweiß auf. Denn so sprach der wunderbare Ruderer Hartmut R. vom Rendsburger Ruderverein: Wärme gibt Kraft und Kraft kann man nie genug haben!

Gibt es etwas, was beim Rudern auf die Nerven geht? Nee, eigentlich nicht. Störend sind bei großen Rennen ausgemusterte Landräte o.ä. auf der Ehrentribüne in zu engen Blazern mit einer zu großen Klappe. Aber die werden seltener.