Helgoländer Dünen-ABC

von Nicoline Haas

Foto: Lilo Tadday (www.foto-helgoland.de)
Foto: Lilo Tadday (www.foto-helgoland.de)

Mit der Fähre von Büsum nach Helgoland, dort schön Kaffee trinken und nachmittags wieder zurück – klingt an und für sich nicht schlecht, aber da verpassen Sie gewaltig was! Das beliebte Ausflugsziel in der Nordsee hat nämlich noch ordentlich was zu bieten.

Zum Beispiel die kleine Schwester „Düne“, die bei einer Sturmflut in der Neujahrsnacht 1721 von der Insel abgerissen wurde und jetzt selbst meerumschlungen etwa einen Kilometer vor Helgoland liegt. Die Badedüne bleibt vom Tagestourismus so gut wie verschont und stellt mit ihren zwei traumhaft weißen Sandstränden und dem türkisfarbenem, flachen Wasser ein Paradies für Sonnenanbeter, Fossiliensammler und Tierfreunde. Unsere Insiderin Nicoline Haas verrät Ihnen im Insel-ABC ihre Geheimtipps.

A wie Aade

Der Kieselstrand im Osten der Düne verändert immer wieder sein Gesicht, wenn die Brandung die Steine geräuschvoll umlagert. Überwiegend liegen hier Feuersteine, darunter Raritäten mit rotem Kern: Den Roten Flint gibt es nur auf Helgoland – auch scheibchenweise poliert und in Silber gefasst, als Schmuckstück. Austernfischer: Sie unterhalten die Dünengäste mit schrillen Piep-Konzerten. Viele der schwarz-weißen Küstenvögel sind jetzt mit Küken unterwegs. Auf ihrem Speiseplan stehen Muscheln, Schnecken, Krebse und Würmer. Im Dünenrestaurant bekommen sie auch mal ein Würstchen serviert, also einen Wurm XXL.

B wie Bungalow

Rot, grün, blau und gelb: Die 36 Holzhäuschen sorgen für Skandinavienflair. Das neue Bungalow- Dorf ist perfekt für alle, die einen „Robinsonurlaub“ erleben möchten – ohne auf Komfort wie Flachbild-TV, Handtuchheizung, Cerankochfeld und Sofagarnitur zu verzichten.

Warum Michael Janßen so gut gelaunt ist? Er hat den besten Job der Welt: Dünenchef!
Warum Michael Janßen so gut gelaunt ist? Er hat den besten Job der Welt: Dünenchef!

C wie Chef

Mit dem Posten als Dünenchef wurde für Michael Janßen vor sechs Jahren ein Traum wahr. Noch täglich denkt er: „Ich hab’ den besten Job und Arbeitsplatz der Welt: mitten im Meer, umgeben von faszinierenden Tieren und Pflanzen – und fast nur fröhlichen Menschen.“ Der gebürtige Wilhelmshavener war 1993 als Marine- Sanitäter auf Helgoland stationiert und verguckte sich auf Anhieb in die Düne, die er nun mit seinen Mitarbeitern in Schuss hält. Strände, Buschwerk und Wegenetz müssen ständig in Ordnung gehalten werden, ebenso der Zeltplatz und das Bungalow- Dorf. Gerade nach der stürmischen Winterzeit ist viel zu tun. Wenn dann zum Beispiel Seetang- und Sandberge bewegt werden müssen, beauftragt er vor Ort die Firma EMT Transporte. Dort war er selbst 11 Jahre beschäftigt, bevor er Dünenchef wurde. Als zweiter Seehundjäger neben Rolf Blädel kümmert er sich zusätzlich um die Robben. Zum Beispiel hilft er Tieren, die sich in einem Netzrest verfangen oder verletzt haben. Normal hat Janßen von 8 bis 16.30 Uhr Dienst, doch für die Knopfaugenfraktion arbeitet er gern mehr. Ehrenamtlich. Manchmal übernachtet der Naturbursche und erklärte Indianerfreund auf der Düne, ganz bewusst im dünnwandigen Zelt, um mit dem säuselnden Wind und dem Meeresrauschen einzuschlafen und aufzuwachen.

D wie DLRG

Beim Baden werden Sie von einem Aussichtsturm aus beobachtet. Nur zu Ihrer Sicherheit, Ihr Badehosen-Modell interessiert nicht! Die DLRG-Stationen an Nord- und Südstrand sind mit Motor-Schlauchboot und Rettungsboard ausgestattet, zwei sportliche Damen betreuen die Wachposten hauptamtlich.

Feinster Dünensand; viele viele bunte Bungalows und Strandkörbe – und zwischendurch ein Steak, perfekt. (Fotos: Regine Christiansen (rechts), Lilo Tadday (rechts + mitte)

Dünen

Keine Überraschung, die gibt es hier auch: Die Weißdünen sind mit Strandhafer bewachsen, dessen bis zu sechs Meter lange Wurzeln den losen Sand stabilisieren. Hinter den Weißdünen folgen die älteren Graudünen mit Humusschicht. Hier wachsen Sanddorn, niedrige Weidensträucher, Dünen- und Kartoffelrosen.

E wie Ebbe

Bei Ebbe ist das Wasser nicht etwa kilometerweit weg wie am Wattenmeer, nein, es zieht sich nur um einige Meter zurück, und die Strände verbreitern sich entsprechend. Im Flachwasser am Ufer kann man genüsslich kneippen, und strandeinwärts bilden sich Wasserbassins, die sich in der Sonne aufheizen und ideale Plantschbecken für Warmbader und Kinder abgeben. Südseeflair an der Nordsee!

F wie Fähre

Die Katamaran-Dünenfähre „Witte Kliff“ pendelt jetzt im Hochsommer von 8 bis 23 Uhr im 30-Minuten-Takt.

Flugi

Der Flugplatz ist einer der kleinsten und ungewöhnlichsten im Land – die längste von drei Rollbahnen misst 480 Meter. Hobbypiloten fliegen drauf! Sie landen mit ihren Mini-Propellermaschinen teilweise nur für eine Tasse Kaffee auf der Düne. Der Linienverkehr des OFD verbindet Helgoland mehrmals täglich mit Cuxhaven/Nordholz und Büsum.

FKK

Streifenfreie Bräune können Sie sich am Nordstrand holen.

Fossilien

Wer auf der Düne permanent nach unten starrt, liest keine SMS, sondern sucht nach hübschen Muscheln oder Fossilien wie Donnerkeilen und versteinerten Seeigeln und Schwämmen.

Friedhof der Namenlosen

Hier ruhen Unbekannte, die im Meer ertranken und angespült wurden. Heute gibt es fast keine Namenlosen mehr – dank der Zahntechnik.

G wie Grillen

Wenn es am ganzen Strand nach gegrillten Maiskolben, Kräuter-Nackensteaks, Spare-Ribs und Scampis duftet, dann ist wieder Grillparty am Dünenrestaurant.Oft mit Live-Musik und sowieso ein Muss! Für Selber-Griller steht ein Platz am Teich zur Verfügung, echte Grillen zirpen in den Büschen ringsum.

H wie Hallem

„De Hallem“ heißt die Düne auf Halunder, also auf helgoländisch. Wortbildend sind die Dünenbildner, die Halme der Strandgräser.

Hunger

Das Dünenrestaurant am Südstrand ist eine große gelbe Bretterbude, die schon längst abgerissen werden sollte, aber zum Glück immer noch steht. Die Karte ist seit Jahrzehnten fast unverändert. Auch noch in zig Jahren werden die Kartoffelpuffer mit Apfelmus, der gebratene Dorsch mit Senfsoße und die Fischsuppe „nach Art des Hauses“ schmecken (wennes dann noch Fisch gibt). Donnerstags ist Grillen angesagt. Im Flugi-Lokal „Runway33“ sitzt man in schicken Loungemöbeln spektakulär dicht an der Start- und Landebahn und genießt dabei zum Beispiel etwas italienisches wie Penne alla arrabiata oder Saltimbocca alla Romana.

I wie I-Punkt

So heißt heute die Mole zwischen Aade und Nordstrand. In den 1930ern planten die Nazis einen großen
Militär-Hafen, das Projekt „Hummerschere“. Der I-Punkt war ein Vermessungspunkt.

J wie Jordsand

Der Naturschutzverein Jordsand e.V. und die Gemeinde Helgoland betreuen offiziell das FFH-Schutzgebiet Helgoländer Düne. Lust auf eine naturkundliche Führung mit Jordsand? Täglich außer montags, Treffpunkt um 9.50 Uhr am Dünenfähranleger auf der Hauptinsel.

K wie Kinder

Sie toben gern auf dem Spielplatz hinter dem Nordstrand, aber im Grunde ist die gesamte Düne ein großer Abenteuerspielplatz. Hier können Knirpse zum Beispiel laufen, raufen, Sandburgen bauen und schwimmen lernen.

L wie Leuchtturm

Rund und rot-weiß gestreift verkörpert der 1936 erbaute Leuchtturm das perfekte Postkartenmotiv.
Er dient als Oberfeuer einer Richtfeuerlinie.

M wie Mini-Golf

Echte Fans „sammeln“ Mini-Golf-Plätze,können an kaum einem vorbei, ohne zu spielen. Dieser
hier ist Pflicht, allein wegen seiner Lage. Die Oldschool-Eternitbahnen sind gut in Schuss, die Herausforderungen
vertraut: etwa die steile Schanze, über die man den Ball in ein Fangnetz befördern muss.

Möwen

Heringsmöwen und Silbermöwen brüten ab dem Frühjahr in den Dünen – und verteidigen ihre Eier und Küken lautstark!

N wie Nichtstun

Tut auch mal gut!

O wie Oase

Nachdem abends das letzte Boot zurück zur Hauptinsel abgelegt hat, haben die Camper & Co. ihre Düne
ganz für sich – und eine Oase der Ruhe.

P wie Piepshow

Siehe Austernfischer!

Q wie Quallen

Ja, rund um Helgoland tummeln sich diverse glibbrige Gesellen, die meisten sind aber harmlos, etwa die Ohrenqualle und Kompassqualle.

R wie Rangerin

Katharina Tilly arbeitet seit Herbst 2015 als Dünenrangerin für die Gemeinde. Die studierte Landschaftsökologin stammt aus Hessen, lebte vorher in Münster und vermisst die Stadt überhaupt nicht. Sie unternimmt Info-Rundgänge mit Gästen und trägt dafür Sorge, dass die Düne ein Natur-Kleinod bleibt und die Robben nicht gestört werden. Ihr frisches Auftreten mit natürlicher Autorität nützen ihr, wenn sie zum Beispiel mahnen muss: „Bitte nicht so nah rangehen – 30 Meter Abstand halten.“

Zwei Kegeldamen in Kuschellaune. Schauspiele wie dieses erleben Sie auf der Düne aus der Nähe. (Foto:Hans-Lassen Haas)
Zwei Kegeldamen in Kuschellaune.Schauspiele wie dieses erleben Sie auf der Düne aus der Nähe. (Foto:Hans-Lassen Haas)

Robben

Der Kegelclub boomt: Vergangenen Winter kamen 317 flauschige Kegelrobbenbabys auf der Düne zur Welt – Rekord! Winters wie sommers liegen Hunderte Kegelrobben und Seehunde Leib an Leib an den Stränden – und Fotografen mit ihren Riesenapparaten auf der Lauer. Das Schauspiel wird nie langweilig: Robben, die in der Sonne dösen, sich mit den Vorderflossen kratzen oder die Schwanzflossen sortieren, die plump herumrobben, miteinander kämpfen oder schmusen. Rolf Blädel ist der „Herr der Robben“ und als bärtiger Bilderbuchfriese wie die Tiere ein Medienliebling. Für zig Zeitungs- und TVBerichte wurde der frühere Polizist befragt. Er und Michael Janßen (siehe Chef) sind als Seehundjäger für die Hege und Pflege der Meeressäuger zuständig.

S wie Sandburg

Wer baut die tollste und größte? Dies klärt sich bei den Sandburgenbau- Wettbewerben am 29.–31. Juli und 26.–28. August.

Shack1

Stechen Sie sportlich in See! Am Eingang zum Nordstrand können Sie sich im Sommer ein Kajak oder ein Surfbrett ausleihen.

T wie Teiche

In den zwei Süßwasserteichen auf der Düne baden nicht nur Stockenten, reinigen nicht nur Möwen ihr Gefieder, rasten nicht nur Zugvögel von der Graugans bis zur Singdrossel: Vor Jahren haben Spaßvögel acht Schmuckschildkröten ausgesetzt. Entdecken Sie eine?

U wie Unfug

Joggen Sie barfuß über die Aade! Aber Quallen-Weitwurf ist tabu!

V wie Volleyball

Baggern, pritschen,schmettern und sich die verschwitzte und sonnenmilchgetränkte Haut panieren: In der Volleyball-Kule am Nordstrand fliegen Ball, Sand und die Fetzen. Auch Nackedeis machen mit.

W wie Wasser

Im Süden plätschert es seicht ans Ufer, wer es welliger mag, springt im Norden hinein. Das Wasser ist klar, blaugrün und erfrischt bei meist unter 20 Grad.Frostköttel plantschen besser im Meerwasser-Whirlpool des „Mare frisicum“ auf der Hauptinsel.

Witte Kliff

Einst waren Helgoland und Düne durch einen natürlichen Steinwall verbunden, und auch die Düne besaß einen hohen Felsen: Das „Witte Kliff“ aus Muschelkalk und Kreide ragte wie das gegenüber liegende rote Kliff aus
Mittlerem Buntsandstein etwa 50 Meter aus dem Meer heraus. Doch ab dem 15. Jahrhundert wurden Kalk und Kreide als Baustoff abgebaut und zum Festland transportiert. Eine Sturmflut 1711 zerstörte den letzten Rest des weißen Kliffs,
eine weitere in der Neujahrsnacht 1720/21 durchbrach den Wall – und aus einer Insel wurden zwei. Heute liegen rund
1000 Meter Wasser dazwischen. Und der Großteil der heutigen Düne ist künstlich aufgespültes Land.

X wie x-mal:

Einmal Düne, x-mal Düne!

Y wie Yachten

Solche kann man von der Düne aus gut beobachten. Und Y ist ein doofer Buchstabe.

Z wie Zeltplatz

Geschützt hinter den Dünen des Nordstrands zelten Natur-pur-Fans aller Art. Auch Manager nehmen sich hier gern eine Auszeit von Schreibtisch, Handy,Anzugpflicht und sonstiger Etikette – Meerurlaub nach dem Motto „Weniger ist mehr!“

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