Einmal Januar bitte!

von Stephan Opitz

Frau Müller, kannst Du einmal an Kasse drei kommen?“ lautet der Zuruf von Kollegin zu Kollegin im Supermarkt oder im Bekleidungsgeschäft. Wir allerdings, zu Beginn des Jahres auf sprachliche Tiefenschärfe erpicht, fragen uns, warum eigentlich Frau Müller ‚einmal‘ an Kasse drei kommen soll und nicht einfach an Kasse drei kommen kann, ohne dass es des Wortes ‚einmal‘ bedarf. Denn dass sie gleich zweimal an Kasse drei kommen soll, ist ja ziemlich bestimmt auszuschließen. Doch unser Erstaunen über die reichliche Zunahme der Verwendung des Wortes ‚einmal‘ geht noch weiter – wir bleiben im Supermarkt und den Zuruf „einmal Ihre Karte einstecken“ hören wir ebenso wie „bitte die Ware einmal aufs Band“. Wieder bleibt Erstaunen übrig (sollte die Ware zweimal aufs Band können?), dem die eigene Formulierung an der Wursttheke allerdings nicht entspricht: einmal 100 Gramm Rauchfleisch und einmal 200 Gramm grobe Leberwurst. Nein, niemand will zweimal 100 Gramm von dissem oder jennem, sondern genau einmal diese Portion und schon bleibt die Sache mit dem einen Mal sinnvoll. Noch sinnvoller die kurze Ansage des Malers vor dem abgenutzten Küchenregal: „Einmal schleifen, zweimal lackieren“ – präziser geht es nicht.

Eine Ergänzung, manchmal auch Präzisierung der Aussage, die mit dem Verb oder Tätigkeitswort getroffen wird, nennt man Adverb oder Umstandswort und genau darum handelt es sich, wenn der Maler den Vorgang des Schleifens und Lackierens mit einmal und zweimal qualifiziert und konkretisiert – wer wollte auf zwei Lackschichten verzichten, wenn das Holz sauber geschliffen worden ist. Doch das Wort ‚einmal‘ hat eine zwar rasante aber etwas unsaubere Karriere in den letzten Jahren hingelegt – zunehmend wird es nicht mehr nur als Adverb verwendet, sondern als Partikel. Also als Zwischenruf wie ‚hach!‘ oder ‚boah!‘ oder das inflationäre ‚halt‘. Mit letzterem, eingeschoben nach jedem zweiten Wort, mindestens aber Satz, versuchen ganze Legionen von angehenden Führungskräften ihre sprachliche Insuffizienz zu tarnen.

Als Partikel taugt ‚einmal‘ genau so wenig wie ‚halt‘, wenn es darum gehen soll, halbwegs klare Sätze zu formulieren, die dem oder der Angesprochenen vermitteln sollen, was Sache ist. Auf der Grenze zwischen sinnvollem Adverb und eher sinnlosem Partikel aber stünde, da sind wir uns doch sicherlich alle ganz schnell einig, die Verwendung von ‚einmal‘ in einem klassischen Ausruf im old-school-Konjunktiv bester Prägung: Hach, wäre das schön, führe die Bahn einmal pünktlich! In diesem Sinne: Ein gutes Neues Jahr! Nicht einmal oder zweimal, sondern einfach so.

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