Ein Weltbürger von der Insel Föhr

von Jochen Eichholz

Frederik Paulsen
Der Arzt, Forscher und Unternehmer Frederik Paulsen gründete 1988 die Ferring-Stiftung in Alkersum. Sie sollte über die Grenzen Frieslands hinaus die Wurzeln aller Friesen kulturell und politisch stärken.
Er förderte die friesische Sprache und hat mit einem Teil seiner eigenen Bücher den Grundstock für eine einzigartige friesische Bibliothek gelegt.

Frederik Paulsen kam am 31. Juli 1909 in Dagebüll zur Welt. Sein Vater leitete dort das Postamt, und in diesem Umfeld lernte der Sohn die Insulaner kennen. Frederik sprach Friesisch, denn seine Eltern stammten von der Insel Föhr. Der Vater kam aus Goting – also aus Westerland-Föhr, die Mutter aus Alkersum – also Osterlandföhr, der Vater aus dem dänischen königlichen Teil der Insel, die Mutter aus dem schleswig-holsteinischen herzoglichen Teil. Bei der Volksabstimmung 1920 votierte der Vater für Dänemark, die Mutter für Deutschland. Das durften die Kinder nicht erzählen, denn es hätte für einen preußischen Postbeamten Konsequenzen für die Karriere haben können.

Die Frage, ob er Deutscher, Däne oder Friese sei, zog sich durch das ganze Leben von Frederik Paulsen. Um den fünf Geschwistern eine akademische Laufbahn zu ermöglichen, zog die Familie nach Kiel, wo die Kinder das Gymnasium besuchen konnten. Frederik Paulsen war, wie er selbst von sich in seinen Erinnerungen schreibt, ein Vielleser. Er machte an der Kieler Gelehrtenschule 1928 Abitur.

Als Student und Nazi-Gegner verhaftet
In der Endphase der Weimarer Republik wandte er sich den linksgerichteten Studentengruppen zu und arbeitete engagiert mit. Sein Vater hatte ihm schon deswegen geraten, das eher unpolitische Studium der Medizin aufzunehmen, obwohl er sich eher zur Rechts- und Staatswissenschaft hingezogen fühlte.
Seine Ablehnung des Nationalsozialismus führte dazu, dass er 1933 verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Er hatte einen Zeitungsartikel aus dem Manchester Guardian über den Verlauf der Ermordung eines sozialdemokratischen Rechtsanwaltes durch einen SA-Mann in Kiel und über den Reichstagsbrand übersetzt und in der Uni weitergereicht. Die Gefängnisstrafe hat er in Neumünster von 1934 bis Anfang 1935 abgesessen. Mithilfe seiner Eltern und besonders seines Bruders, der Jurist war, gelang es ihm, am 7. April 1935 nach seiner Entlassung direkt vom Bahnhof in Neumünster mit einem gültigen Reisepass in die Schweiz nach Basel zu flüchten. Dort konnte er die letzten drei Fächer des Staatsexamens nachholen und seine Promotion abschließen. Über Paris und London emigrierte er nach Schweden. Ursprünglich wollte er in Dänemark arbeiten, aber davon rieten ihm dänische Freunden ab: Ein Südschleswiger intellektueller Deutscher werde in Dänemark keine Arbeit finden.

Forscher in Schweden
In Schweden bekam er eine Anstellung bei der holländischen Firma Organon als Arzt und Forscher in der pharmazeutischen Industrie. Sein Spezialgebiet war die Endokrinologie. Später wechselte er zum schwedischen Tablettenhersteller Pharmacia. Dort entwickelte er zusammen mit anderen das Blutersatzmittel Dextran.
1942 erhielt Paulsen die schwedische Staatsbürgerschaft. Eigentlich war es erst nach fünfzehn Jahren möglich. Er wurde aber einem Skandinavier gleichgestellt, da der Vater in Goting zur dänischen Majorität gehörte.

Nach dem Krieg forschte er zunächst wieder für die Firma Organon und gründete dann 1950 sein eigenes Unternehmen und nannte es Ferring, um die enge Verbindung zu seiner Heimat auf Föhr zu bekunden. Fering ist der nordfrisische Dialekt, der auf der Insel gesprochen wird. Hauptsächlich forschte er jetzt auf dem Gebiet der Hormone der Hypophyse.

Lebensabend auf Föhr
Frederik Paulsen zog sich im Alter von 60 Jahren langsam aus der Firma zurück und übergab das Unternehmen an seinem jüngsten Sohn, der es heute noch leitet und sein Lebenswerk weiter führt. Er selbst erwarb in Alkersum das Elternhaus seiner Mutter, wirkte noch in den Aufsichtsratsgremien mit und organisierte Sommerseminare mit ausgesuchten Forschern auf der Insel Föhr. Frederik Paulsen starb 1997 im Alter von 88 Jahren. Er ist auf dem Friedhof an der St. Johanniskirche in Nieblum auf Föhr begraben.

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