Ein neues Pflaster in Akkordzeit

von Marianne Dwars

Als die dänische Regierung in Kopenhagen am 19. Oktober 1829 bekannt gab, dass eine Chaussee von Altona nach Kiel gebaut werden sollte, fiel der Startschuss für eine der wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen in der Zeit vor der Industrialisierung.

In weiser Voraussicht hatte bereits 1826 Major von Gleiss vom königlichen Ingenieurkorps eine Versuchsstrecke nach der „Makadam-Bauweise“ am Pfingstberg bei Plön bauen lassen, um Erfahrungen auf dem Straßenabschnitt zu sammeln. Dabei wurden auf einer gewölbten Grundfläche mehrere Lagen sorgfältig verfestigter Splitt-/Gesteinsmischungen mit nach oben kleiner werdenden Steinen aufgebracht und aufwändig verdichtet.

SE, Wiemersdorf, Kieler Straße, Kiel-Altonaer Chaussee, ONR 28962

Zur Ausführung der umfassenden Pläne gehörten der Bau von 15 neuen Brücken, 14 Chausseewärterhäuser, 13 Mautstationen, die Anpflanzung von Bäumen, das Aufstellen von Prell- und Meilensteinen und Warntafeln. Nachdem der Streckenverlauf zwischen Kiel und Altona über Neumünster festgelegt worden war, erhielt der Oberlandwegeinspektor von Holstein, der dänische Kammerherr Friedrich Emil Georg von Warnstedt (1785-1836), die oberste Leitung der Baudurchführung.

Straßenbauarbeiter um 1920. (Bild: Heimatverein Bönnigstedt)

Harte Arbeit ohne technische Hilfsmittel
Im Juli 1830 starteten 1.000 Arbeiter auf 37 Teilabschnitten, insgesamt 90,2 Kilometer, mit den Straßenbauarbeiten. Für die Bauvermessungen hatten vereidigte Landvermesser gesorgt. Es wurde der Bedarf an Baumaterial, wie Steine, Sand und Kies, berechnet und zur Lieferung für Unternehmen ausgeschrieben. Gleichzeitig gab die königliche Regierung ein „Polizeireglement“ heraus, das für Ordnung beim Straßenbau sorgen sollte. Darin wurde das Weisungsrecht der Aufseher und Baukondukteure geregelt. Zum größten Teil kamen die Arbeiter aus der Region. Es wurden Handwerker und Facharbeiter wie Steinsetzer, Pflasterer, Steinschläger, Schmiede und Fuhrleute eingestellt. Sie übernachteten, wenn sie von auswärts kamen, auf Heuböden in den Dörfern und im Sommer in Erdhütten. Die Nahrungsversorgung der Arbeiter war durch Paragraph 10 des Polizeireglements bestimmt. So wurden am Rande der Straßenbauarbeiten Marketendereien errichtet. Die Versorgungsstände mussten gesunde und frische Lebensmittel und Getränke anbieten. Damit wurden Wege zu den Mahlzeiten ins Dorf und Zeit gespart.

Die Bezahlung erfolgte im Tagelohn oder im Akkord. Ohne große Unfälle oder gar Todesfälle verlief das Großprojekt und wurde 1833 von Frederik VI., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein, feierlich in Bad Bramstedt eröffnet. Kammerherr von Warnstedt schrieb dazu in seinem umfassenden Abschlussbericht: „Wir haben die Befriedigung, vor Ablauf der genehmigten vier Baujahre an dem heutigen Festtage des Königs und des Landes die gänzliche Vollendung des Chausseebaus zwischen Altona und Kiel berichten zu können.“

Literatur: Burkhard von Hennigs/Heinrich Kautzky (Hg.) –
Die Chaussee Altona-Kiel. Ludwig Verlag 2015

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